 |
|
Anlässlich des G8-Gipfels Anfang Juni erinnern
die entwicklungspolitischen NGOs die G8 an ihre gebrochenen Versprechen |
Konkretes Handeln für Umwelt und Entwicklung ist
notwendiger denn je
Wien, 30. Mai 2007 – Die AGEZ, der Dachverband der entwicklungspolitischen
NGOs, ist Teil eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses in
Österreich, das anlässlich des bevorstehenden G8-Gipfels in Heiligendamm
die G8 an ihre gebrochenen Versprechen erinnert. Anlässlich der heutigen
Pressekonferenz des österreichischen Bündnisses fordert die AGEZ die G8 zu
raschem konkretem Handeln für Umwelt und Entwicklung auf.
Die mächtigsten sieben Industrieländer und Russland vertreten nur 13 % der
Weltbevölkerung, repräsentieren aber 2/3 des Weltbruttonationaleinkommens.
Sie treffen Anfang Juni in Deutschland wichtige Entscheidungen in den
Bereichen der Wirtschaft, Entwicklung, Umwelt und Frieden, die Millionen
Menschen betreffen.
Die zentralen Forderungen der NGOs an den G8-Gipfel unter deutschem
Vorsitz:
• Überprüfung der Ergebnisse des G8-Gipfels vor zwei Jahren in Gleaneagles
• Mehr und bessere Entwicklungszusammenarbeit für die Bekämpfung der Armut
• Gerechte internationale Regeln für den Welthandel
• Umfassender Schuldenerlass für die ärmsten Länder
• Verstärktes Engagement zur Bekämpfung von HIV/AIDS
• Verstärkte Anstrengungen im Klimawandel: Arme, die am wenigsten dafür
verantwortlich sind, sind am stärksten von den Auswirkungen (Dürren,
Überschwemmungen) betroffen.
• Friedenssicherung und Rüstungskontrolle
Überprüfung der Ergebnisse des G8-Gipfel vor zwei Jahren in Gleaneagles
Obwohl es einige Fortschritte gibt, bleiben die großmundigen Zusagen der
G8 von vor zwei Jahren beim Gipfel in Gleneagles hinter den Zusagen
zurück. Eine Forschungsgruppe der Universität in Toronto kam zu dem
Ergebnis, dass die Erfüllung der Zusagen der EU und der G8-Länder aus 2005
bei zwei Drittel, aus 2006 gar nur bei einem Drittel liegt. Es gab keine
Bereitschaft, den eigenen Fortschritt einer Überprüfung zu unterziehen,
obwohl Heiligendamm die ideale Gelegenheit gewesen wäre. Die NGOs fordern
einen verbindlichen Plan, wie und wann die Beschlüsse des Gipfels von 2005
incl. Finanzierungszusagen verwirklicht werden.
Mehr und bessere Entwicklungszusammenarbeit für die Bekämpfung der
Armut
Der G8-Gipfel in Gleaneagles versprach einen substantiellen Anstieg der
Entwicklungszusammenarbeit: eine Verdoppelung der Gelder für
Subsahara-Afrika bis 2010, also 50 Milliarden US Dollar. Laut Oxfam
International werden – so sich der derzeitige Trend fortsetzt – die
G8-Länder ihr selbst gestecktes Ziel um 30 Mrd. Dollar verfehlen. Bereits
2006 waren die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zum ersten Mal seit
1997 wieder im Sinken: mit 103 Mrd. Dollar machen sie lediglich 10% der
weltweiten Militärausgaben aus. Neben mehr finanziellen Mitteln ist die
Qualität der Entwicklungszusammenarbeit entscheidend für die Erfolge in
der Armutsreduzierung.
Gerechte internationale Regeln für den Welthandel
Die Handelspolitik der G8 mit afrikanischen Ländern muss gerechter
gestaltet werden. Sowohl auf Ebene der multilateralen WTO als auch auf
Ebene der bilateralen Handelsabkommen müssen die Spielräume afrikanischer
Länder gewahrt bleiben. Afrikanische Länder dürfen nicht zur Öffnung ihrer
Märkte gezwungen werden, wie derzeit durch die EPAs. EPAs sind
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und den 75 AKP-Ländern
(ehemalige Kolonien in Afrika, Karibik, Pazifik). Als negative
Auswirkungen befürchten die Menschen in den AKP-Ländern den Verlust von
Zolleinkünften, die für Investitionen in Armutsbekämpfung, Bildung und
Gesundheit fehlen können. Sie sehen im Freihandel keine Lösung, sie
befürchten vielmehr, dass durch die uneingeschränkte Einfuhr von billigen
Agrarprodukten aus der EU (ermöglicht durch handelsverzerrende
Subventionen) die heimischen noch schwachen Industrien und
kleinbäuerlichen Marktstrukturen – die Lebensgrundlage vieler Menschen –
ruiniert werden.
Umfassender Schuldenerlass für die ärmsten Länder
Die 2005 vollmundig verkündete Entschuldungsinitiative hat die Erwartungen
nicht erfüllt. Statt 100% wurden nur 30-80% je nach Land entlastet und
eine Reihe von verschuldeten Ländern war nicht inkludiert. Immer noch
zahlen arme Länder täglich 100 Millionen US Dollar an Schuldendienst an
die Industrieländer. Es braucht einen weiteren Schuldenerlass, der nicht
in die Entwicklungshilfe eingerechnet wird. Entschuldung wirkt: Ghana hat
die Entschuldungsinitiative 2005 genützt, um die Schulgebühren
abzuschaffen und Malawi hat die Gelder für die Ausbildung von jährlich
4.000 zusätzlichen Lehrkräften verwendet.
Verstärkte Anstrengungen zur Bekämpfung von HIV/AIDS
2005 hat der G8-Gipfel angekündigt, dass bis 2010 alle Menschen Zugang zu
HIV-Prävention und AIDS-Behandlung bekommen sollen. Doch diese Ankündigung
bleibt eine Worthülse, solange es keinen verbindlichen Finanzierungsplan
gibt. Auch der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und
Malaria leidet an unzureichenden Finanzierungszusagen. Somit ist – trotz
vieler Fortschritte – die Hoffnung von Millionen Menschen unerfüllt
geblieben. Dringend notwendig ist die Produktion von Medikamenten zu
erschwinglichen Preisen.
Die NGOs haben realistischerweise – angesichts der bislang
durchgesickerten Entwürfe für die Abschlusserklärung von Heiligendamm –
keine großen Erwartungen an den Gipfel. Dennoch fordern sie, dass die G8
ihre Versprechen gegenüber den Armen der Welt endlich einlösen. Laut einer
Studie von Oxfam International kostet diese Untätigkeit Millionen Menschen
das Leben. Die Welt kann nicht länger warten!
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
Tel: 01/317 40 16 oder 0699 101 888 57, Mail:
office@agez.at
>>
Druckversion: www.oneworld.at/agez/PA-G8-2007.pdf
|