Afrika nicht überrollen!
Ungerechte EU-Freihandelsabkommen gefährden Afrikas Entwicklung
Gemeinsame NGO-Erklärung zum STOP EPA-Tag, 27. September 2007
Der 27.September markiert den fünften Geburtstag des Beginns der
Verhandlungen über die Economic Partnership Agreements (kurz: EPAs)
zwischen der Europäischen Union und den Staaten Afrikas, der Karibik und
des Pazifik (AKP-Staaten).
Zwar bezeichnet die EU die EPAs als “Instrumente für Entwicklung”, drängt
aber darauf, mithilfe der EPAs weit reichende ökonomische
Liberalisierungsmaßnahmen in den AKP-Staaten durchzusetzen. Die Vorschläge
der EU umfassen nicht nur den Abbau der meisten Güterzölle, sondern auch
solche Bereiche, deren Regelung über die WTO-Verpflichtungen hinausgeht,
wie die Liberalisierung von Investitions- und Dienstleistungsmärkten sowie
der Wettbewerbspolitik.
Derart ausgestaltete EPAs werden die Märkte der AKP-Staaten für EU-Exporte
öffnen und einen ruinösen Wettbewerb für die AKP-Staaten auslösen. Folge
ist die Zerstörung lokaler Industrien, die Vernichtung der
Existenzgrundlagen von Kleinbauern und steigende Arbeitslosigkeit. Armut
und soziale Ungleichheit werden weiter zunehmen.
Die EPAs werden den politischen Handlungsspielraum der AKP-Staaten
bezüglich der nationalen und regionalen Integration drastisch einschränken
und ihnen die Möglichkeit nehmen, ihre Entwicklung selbst zu bestimmen und
zu gestalten.
Angesichts der formalen Verhandlungsfrist am 31. Dezember 2007 setzt die
EU die AKP-Staaten unter Druck, EPAs bis zum Ende des Jahres zu
unterzeichnen; sie droht damit, Finanzmittel zu kürzen und die Zölle auf
Waren aus AKP-Staaten drastisch anzuheben.
Wir verurteilen die Taktik der EU und lehnen die Forderung der EU nach
reziproken Handelsbeziehungen zwischen Ländern mit solch ungleicher
wirtschaftlicher Entwicklung ab.
Wir – soziale Bewegungen, Bauernorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche
Organisationen und Nichtregierungsorganisationen aus Afrika, der Karibik,
dem Pazifik und Europa – fordern die EU deshalb auf:
• den AKP-Staaten Handelsliberalisierungen und andere handelsbezogene
Aspekte nicht aufzuzwingen,
• vom Druck auf die AKP-Staaten, bis zum Ende des Jahres unterzeichnen zu
müssen, abzusehen,
• den AKP-Staaten nicht-reziproke Alternativen anzubieten, wie
beispielsweise ein erweitertes Allgemeines Präferenzsystem (GSP+) und
sicherzustellen, dass die Exporte aus den AKP-Staaten in die EU nicht
gestört werden.
Wir fordern die Regierungen der AKP-Staaten auf, sich dem Druck der EU
nicht zu beugen.
Es ist notwendig, dass die EU-AKP-Beziehungen auf einem Ansatz beruhen,
der:
• die nachhaltige Entwicklung in den AKP-Staaten unterstützt sowie die
Realisierung wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer und kultureller
Menschenrechte,
• dem Prinzip der nicht-Reziprozität folgt sowie die Sonder- und
Vorzugsbehandlung (Spezial and Differential Treatment, SDT) für die wenig
und am wenigsten entwickelten Länder respektiert,
• das Recht der Produzenten in den AKP-Staaten anerkennt, sich innerhalb
der heimischen lokalen und regionalen Märkte zu schützen, insofern deren
Regierung dies für notwendig erachtet,
• das Recht auf Nahrung in den AKP-Staaten anerkennt,
• den AKP-Staaten ausreichend politischen Handlungsspielraum zuerkennt, um
eigene Entwicklungsstrategien verfolgen zu können.
* Eine aktuelle Auflistung der unterzeichnenden Organisationen finden Sie
auf der Website der internationalen STOP EPAs-Kampagne unter
http://www.epa2007.org/main.asp?id=439

>>
Druckversion der gemeinsamen Erklärung (pdf)
>>
AGEZ-Positionspapier zu EPAs (Jänner 2007)
>> zur
internationalen STOP EPAs-Kampagne