Freie Fahrt in die Sackgasse?
von AGEZ, Klimabündnis, WWF, Plattform Footprint, Global 2000, Greenpeace
und Umweltberatung
Was sind Agrotreibstoffe?
Gegenwärtig werden als Agrotreibstoffe Biodiesel und Bioethanol
eingesetzt. Biodiesel wird großteils aus pflanzlichen Rohstoffen wie
Raps-, Sonnenblumen- und Palmöl hergestellt. Bei den Pflanzenölen spielt
Raps die bedeutendste Rolle. Bioethanol wird vorzugsweise aus Mais,
Getreide, Zuckerrohr oder Kartoffeln gewonnen.
Für oder gegen unser Klima?!
Derzeit ist der verstärkte Einsatz von Agrotreibstoffen Gegenstand
zahlreicher Diskussionen. Fast hat es den Anschein, als wären diese der
Ausweg aus dem stetig steigenden Energiebedarf und dem Klimawandel.
Wird jedoch der gesamte Energieverbrauch - vom Anbau der Pflanzen bis zum
Abfüllen in den Tank – betrachtet, bleibt von den
Treibhausgas-Einsparungen nicht viel übrig.
Die Pflanzen-Düngung ist nicht nur in der Herstellung energieintensiv, sie
setzt am Feld auch beträchtliche Mengen von Lachgas frei. Lachgas ist
300-mal so treibhauswirksam wie CO2. Dazu kommt die forcierte Anwendung
von Gentechnik, der Verlust an Biodiversität durch Monokulturen, der
erhöhte Flächenbedarf sowie soziale Faktoren, die eine Verwendung fraglich
machen. Nur die Verwertung von Abfällen wie z. B. Sprit aus Altspeiseöl
oder Biogas aus Kläranlagen schneidet eindeutig positiv ab.
Herausforderung Verkehr
2006 lag der Pro-Kopf-Verbrauch für Treibstoff in Österreich bei rund
1.280 Liter. Das ist fast viermal soviel wie der Weltdurchschnitt von 352
Liter. Um den gesamten österreichischen Treibstoffverbrauch durch
Agrotreibstoffe zu ersetzen, wäre ein Vielfaches der in Österreich
verfügbaren Ackerflächen notwendig. Schon für das zehnprozentige
Beimischungsziel in Österreich müssen über 85 Prozent importiert werden.
Weltweit werden dafür Flächen benötigt. Die einseitige Lieferung von
Rohstoffen hat bereits in der Vergangenheit für Naturzerstörung und
soziale Spannungen gesorgt. Importierte Agrotreibstoffe werden das
Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern wieder verschärfen.
Der Autoverkehr in Österreich ist daher auf seinem derzeitigen Niveau
nicht aufrecht zu erhalten.
Eine Verkehrswende ist notwendig!
Kernproblematik
• Fruchtbarer Boden ist eine begrenzte Ressource.
• Biodiesel und Bioethanol haben nach derzeitigem Stand der Technik
vergleichsweise geringe Klimaschutz-Effekte.
• Agrotreibstoffe machen Österreich energiepolitisch nicht unabhängiger.
• Die Agrotreibstoffproduktion steht in Konkurrenz zur
Nahrungsmittelversorgung (eine Tankfüllung kann einen Menschen ein Jahr
lang ernähren).
• Unter dem Vorwand des Klimaschutzes bedrohen Agrotreibstoffe elementare
Rechte von Menschen, insbesondere von indigenen Völkern in vielen Regionen
der Welt.
• Palmöl- und Sojaplantagen vernichten die Regenwälder in den Tropen.
• Auch in Österreich bedeutet die Flächennutzung durch den Anbau von
Agrotreibstoffen eine Gefahr für die Biodiversität.
• Durch Umwandlung bisher nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen und
Intensivierung der Bewirtschaftung werden große Mengen an Treibhausgasen
freigesetzt.
Empfehlungen für die Zukunft
• Reduktion des KFZ-Verkehrs z.B. durch die Forcierung des öffentlichen
Verkehrs, car sharing, etc.
• Effizienzsteigerung z.B. durch Motoren mit geringem Energieverbrauch,
durch Elektroautos – gespeist aus erneuerbaren Quellen.
• Eine Verwendung von Agrotreibstoffen ist von maximalem Nutzen, wenn sie
etwa für die landwirtschaftliche Selbstversorgung oder in
Wasserschutzgebieten zum Einsatz kommen. Diese Mengen sind auch ohne
Probleme regional und im Rahmen einer biologischen Landwirtschaft
herstellbar.
• Die Verwertung von Biomasse in stationären Anlagen zur Strom und
Wärmegewinnung ist wesentlich effizienter. Dabei werden 70 Prozent der
Energie genutzt.
• Die Verwertung von organischen Reststoffen oder Abfällen – wie
Altspeisefette oder Tierexkremente – stellt eine ökologisch sinnvolle
Herangehensweise zur Treibstoffgewinnung dar.
• Biomass-to-liquid-Verfahren (BTL): Die direkte Umwandlung von Biomasse
in flüssige Treibstoffe, wofür ganze Pflanzen und Holz genutzt werden,
verspricht zwar etwas bessere Wirkungsgrade, muss aber in allen anderen
Belangen gleich kritisch betrachtet werden.
Fazit
Aus der Perspektive der globalen Gerechtigkeit ist wenig gegen die
Produktion von Agrotreibstoffen einzuwenden, wenn sie von den BäuerInnen
im Norden und Süden ökologisch produziert und regional verwendet werden.
Jedoch ist eine Forcierung der Produktion von Agrotreibstoffen unter den
bestehenden technischen Möglichkeiten und globalen wirtschaftlichen
Strukturen nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Mehr noch, unter
den gegebenen Voraussetzungen sind eindeutige negative Auswirkungen –
ökologischer und sozialer Natur – unvermeidbar.
Im November 2007 haben sich österreichische umwelt- und
entwicklungspolitische Organisationen zur Arbeitsgruppe „Agrotreibstoffe“
zusammengeschlossen und eine gemeinsame Position dazu erarbeitet.
Das gemeinsame
Positionspapier „Positionen zu Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen“
ist unter
http://www.oneworld.at/agez/Positionspapier-Agrotreibstoffe-2007.pdf
abrufbar.
Weitere Literatur
Ökobüro: Nachhaltigkeitskriterien für Agrotreibstoffe. Kurzstudie
im Rahmen des Projektes "Essen oder Fahren - Landwirtschaft im
Spannungsfeld zwischen Ernährungssicherheit und Biofuels" von Dezember
2007
Zusammenfassung:
http://www.oekobuero.at/start.asp?ID=120084&nobackbut=&mh=0,424&showmenu=
Studie:
http://doku.cac.at/agrotreibstoffe_kriterien.pdf