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10 Jahre nach dem Welternährungsgipfel - weltweite Hungerzahlen steigen |
Norden blockiert Initiative für Landreformen im Süden -
Eine der wirksamsten Maßnahmen der Hungerbekämpfung wurde nicht
aufgegriffen – Hungerzahlen steigen weiter
Wien, 8.11.2006. Die Sondersitzung der Welternährungsorganisation FAO ist
vergangene Woche in Rom ohne substanzielle Ergebnisse zu Ende gegangen.
"Die Abschlusserklärung nennt weder Ursachen für die steigenden
Hungerzahlen, noch hat sie die wichtigsten neuen Impulse zur Umsetzung des
Rechts auf Nahrung aufgegriffen, die von Staaten und der Zivilgesellschaft
eingebracht wurden", erklärte Gertrude Klaffenböck von FIAN Österreich.
1996 hatten die Regierungen auf dem Welternährungsgipfel versprochen, die
Anzahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Nach der diesjährigen
Halbzeitbilanz der FAO ist die Anzahl seither auf 854 Millionen
angestiegen.
Auf der einwöchigen Sitzung hatten sich Brasilien und die meisten anderen
Regierungen des Südens für ein neues Programm der FAO zur Förderung von
Land- und Agrarreformen eingesetzt. Aufgrund des starken Widerstands der
EU, USA, Kanada und Japan wurde die Diskussion darüber auf 2007 vertagt
und an den Landwirtschaftsausschuss der FAO delegiert, der Agrarreformen
traditionell skeptisch gegenüber steht. Dies ist umso bedauerlicher, als
unter der EU-Präsidentschaft Österreichs durch die konstruktive
Verhandlungsführung ein wichtiger Schritt eröffnet wurde für die Impulse,
das Recht auf Nahrung umzusetzen und damit dem weltweiten Hunger wirksam
zu begegnen. „Leider beharren manche Mitgliedstaaten der EU nach wie vor
auf ihrer Skepsis bis hin zur Anti-Haltung gegenüber echten Agrarreformen,
selbst wenn diese vielfach ihre nachhaltige Wirkung als Maßnahme gegen
Hunger längst bewiesen haben. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass die
reichen Staaten den Entwicklungsländern die Unterstützung versagen, die
zur Hungerbekämpfung nötig wäre", so Klaffenböck. In den Freiwilligen
Leitlinien zum Recht auf Nahrung, auf die sich alle FAO-Mitgliedstaaten
2004 einstimmig geeinigt hatten, ist der Zugang der ländlichen Armen zu
produktiven Ressourcen wie Land bereits ein zentraler Bestandteil.
"Insbesondere manche Mitgliedstaaten der EU bzw. die Kommission sollte
ihre Blockadehaltung überdenken und bei der kommenden Ratssitzung der FAO
am 20.-25. November die Position der Entwicklungsländer unterstützen."
Der einzige Bereich in dem seit dem Welternährungsgipfel von 1996
tatsächlich Fortschritte erzielt wurden ist das Recht auf Nahrung. Mit den
Allgemeinen Rechtsauslegungen zum Recht auf Nahrung und der Verabschiedung
von Freiwilligen Leitlinien für die Implementierung dieses Rechts wurden
normative Voraussetzungen geschaffen, die es allen Staaten ermöglichen,
die Verwirklichung dieses grundlegenden Menschenrechts aktiv
voranzubringen. „Umso verwunderlicher ist daher, das Verhalten der Staaten
oder auch der FAO selbst, die in ihren vorgelegten Dokumenten kaum bzw.
gar nicht auf diese Fortschritte bezugnahmen. Dies macht deutlich, dass
die FAO und viele ihrer Mitgliedstaaten noch wenig Bewusstsein dafür
entwickelt haben, welch nützliches Instrument mit den Freiwilligen
Leitlinien für das Recht auf Nahrung geschaffen wurde und welche Wege der
Umsetzung damit ermöglicht werden.“ So Gertrude Klaffenböck von FIAN
Österreich.
Im Rahmen der 32. Sitzung des Komitee für Welternährungssicherung (Comittee
on Food Security) der FAO war ein Sonderforum eingerichtet worden, in dem
Resumee gezogen werden sollte über die Ergebnisse des Kampfes gegen
Hunger. In eigenen Panels wurden Themen wie Hilfe und Investitionen,
Agrarreformen und Ländliche Entwicklung oder Handel und Globalisierung
behandelt. „Bisher haben nur wenige Staaten erkannt, dass Hunger vor allem
eine Frage der ungerechten Verteilung ist. Der Weg der Hungerbekämpfung
durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerung wird seit mehreren
Jahrzehnten beschritten, aber die bestehenden Nahrungsmittelüberschüsse
zeigen, dass mit diesem Rezept nicht wirklich Hunger bekämpft werden
konnte“, erläutert Elfriede Schachner von der AGEZ.
Zu Beginn der FAO-Sitzung am 30. Oktober 2006 hatte FIAN in Berlin eine
"Hungeruhr" gestartet und im Laufe der Woche mit öffentlichen Aktionen in
mehreren Städten eine andere Hungerpolitik eingefordert. Am Ende der
FAO-Sitzung am Samstag, 4. November 2006 zählte die Uhr 190.000 Menschen,
die in dieser Zeit an den Folgen des Hungers gestorben waren.
Rückfragen bitte an:
Gertrude Klaffenböck (FIAN), Tel: 405 55 15-323 oder 0650-40 555 11
Weitere Informationen zur Sondersitzung der FAO unter:
http://www.fao.org/UNFAO/Bodies/cfs/cfs32/index_en.htm
Weitere Informationen zum Recht auf Nahrung und Landreformen:
www.fian.at und
www.fian.de
Presseaussendung von:
FIAN - Food First Informations- und AktionsNetzwerk für das Menschenrecht
sich zu ernähren, www.fian.at
AGEZ - Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit,
www.agez.at
KOO - Koordinierungsstelle der österreichischen Bischofskonferenz für
internationale Entwicklung und Mission,
www.koo.at
ÖBV - Via Campesina Austria,
www.bergbauern.org
Druckversion (pdf):
http://www.oneworld.at/agez/PA-CFS32_FIAN-AGEZ.pdf
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