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Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) zwischen EU und AKP-Ländern |
AKP-Länder sollen ihre Märkte liberalisieren - NGOs
befürchten Rückschläge in der Armutsbekämpfung
Wien, 27. September 2006 - Anlässlich des am 27. September weltweit
stattfindenden "STOP EPA DAY" von Nichtregierungsorganisationen, machen
die in der AGEZ zusammengeschlossenen 32 entwicklungspolitischen NGOs in
Österreich auf mögliche Gefahren dieser Wirtschaftspartnerschaftsabkommen
(EPAs) aufmerksam. Sie zeigen sich skeptisch, dass diese
Freihandelsabkommen geeignete Bedingungen für die Beseitigung der Armut
schaffen.
Seit 2002 verhandeln die Europäische Union und die 78 Staaten Afrikas, der
Karibik und des Pazifik (AKP-Länder) über neue
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen. Diese Freihandelsabkommen haben zum
Ziel, WTO-konforme Handelsregeln zu vereinbaren, die bestehenden
Handelshemmnisse schrittweise zu beseitigen, auf den Initiativen der
AKP-Staaten zur regionalen Integration aufzubauen, die Armut zu beseitigen
und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Verhandlungen sollen bis
Ende 2007 abgeschlossen ein.
Die AKP-Länder wurden aufgefordert, ihre Märkte zu liberalisieren und sich
auf neue, "auf Gegenseitigkeit" beruhende regionale Handelsregelungen mit
der EU einzulassen. Dies ist aufgrund des sehr unterschiedlichen
Entwicklungsstandes der einzelnen Länder sehr problematisch: einerseits
die EU, weltweit größter Einzelmarkt, und andererseits die ärmsten Ländern
der Welt (27 der ärmsten Länder sind AKP-Staaten). Hier bräuchte es
vielmehr eine differenzierte Sonderbehandlung für arme Länder. Die NGOs
fordern die EU auf, alternative Handelsabkommen zu entwickeln, die auf dem
Prinzip der Nicht-Reziprozität beruhen und die Idee der besonderen und
differenzierten Behandlung von armen Ländern zu verankern.
Die Mehrheit der Menschen in Afrika lebt von der Landwirtschaft. Durch
weitere Liberalisierungen im Agrarbereich sind aber negative Auswirkungen
zu befürchten, ihre Ernährungssouveränität wäre bedroht. Die
Carnegie-Studie (bezieht sich auf Gewinner und Verlierer der
WTO-Entwicklungsrunde) hat einige Szenarien durchgespielt und zeigt
deutlich, dass bei einer weiteren Handelsliberalisierung im Agrarbereich
die ärmsten und die afrikanischen Länder die Verlierer wären, egal bei
welchem Szenario. Selbstversorgung und ein angemessenes Einkommen für
kleine landwirtschaftliche Betriebe sollten zu den Prioritäten gehören,
fordern die NGOs. Für viele afrikanische Bauern ist der Zugang zum eigenen
Markt zentral und nicht der Export (wie auch die FAO feststellt). Jene
Bauern die im Export tätig sind (zB Kaffee, Kakao) kämpfen seit Jahren mit
der Preiskrise für ihre Rohstoffe. Diese Exportorientierung bei
gleichzeitiger Öffnung der eigenen Märkte hat den Anteil Afrikas am
Welthandel nicht vergrößert. Allfällige Volumensteigerungen beim Export
haben durch den extremen Rohstoff-Preisverfall keinen Wohlstandgewinn für
afrikanische Bauern gebracht (die Kaffeepreise sind in den letzten zwei
Jahrzehnten um 50% gesunken). Eine weitere Liberalisierung aufgrund dieser
negativen Bilanz kann daher nicht zielführend sein.
In vielen AKP-Ländern macht der Anteil der Einnahmen durch Importzölle ein
Drittel der gesamten Staatseinnahmen aus. Es ist zu befürchten, dass durch
die EPAs aufgrund von Verlusten bei Zolleinnahmen die Einkünfte in den
AKP-Ländern sinken werden und sich negativ auf staatliche Ausgaben in den
Bereichen Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung auswirken. Mehr Mittel
werden auch für Anpassungskosten notwendig sein, um den zunehmend
anspruchsvolleren technischen und hygienischen Standards für den Export in
die EU zu genügen.
Die NGOs haben Zweifel, dass die Liberalisierung des Handels als
Instrument der Entwicklungspolitik Wirkung zeigen kann. Vielmehr ist zu
befürchten, dass die Handelspolitiker des Nordens versuchen, das
durchzusetzen, was in der WTO bislang nicht gelang. Beispielsweise sind
Themen, gegen die sich die AKP-Länder in der WTO immer schon hartnäckig
gewehrt haben, nun im Rahmen der EPAs wieder neu auf dem
Verhandlungstisch: Investitionen, Wettbewerb und öffentliches
Beschaffungswesen. Nicht zuletzt könnte auch die kurze Umsetzungsfrist von
nur 10 Jahren in einigen Ländern zu wirtschaftlichen Turbulenzen führen.
Auch das Europäische Parlament ("Entwurf einer Entschließung über die
Auswirkungen der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen auf die Entwicklung")
zeigt sich beunruhigt, dass allzu rasches Streben nach Gegenseitigkeit in
den Handelsbeziehungen zwischen EU und AKP-Ländern sich auf die anfälligen
Volkswirtschaften der AKPs verheerend auswirken könnten. Das EU-Parlament
fordert die Europäische Kommission auf, nach so vielen offensichtlichen
Misserfolgen ernsthaft zu überlegen, ob eine Förderung der
Handelsliberalisierung wirklich das beste Mittel ist, um Entwicklung zu
fördern. Das EU-Parlament fordert mehr Transparenz in Bezug auf die
Fortschritte und den Inhalt der Verhandlungen und eine stärkere
Beteiligung der zivilgesellschaftlichen AkteurInnen in den AKP-Ländern,
und der nationalen und des EU-Parlaments.
Forderungen, denen sich die NGOs nur anschließen können. Sie treten dafür
ein, mögliche wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltige
Alternativen und Optionen zu prüfen. Insbesondere die im Jahr 2006
vorgesehene Überprüfung der EPA-Verhandlungen muss auf die Frage
ausgerichtet sein, inwieweit EPAs zur Beseitigung der Armut beitragen.
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
AGEZ, Berggasse 7, 1090 Wien
Tel: 01/317 40 16 oder 0699 107 66 216
office@agez.at
Druckversion (pdf): http://www.oneworld.at/agez/PA_Stop-EPA-Day.pdf
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