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EU-Freihandelsabkommen (EPAs) gefährden die
ärmsten Länder |
Weltweiter Aktionstag gegen unfaire Handelsbeziehungen
zwischen der EU und den Ländern in Afrika, Karibik und Pazifik
Wien, 19. April 2007 – Die Europäische Union drängt in den derzeit
laufenden EPA-Verhandlungen (Economic Partnership Agreement)
Entwicklungsländer zum Abschluss unfairer Freihandelsabkommen. Deshalb
fordern über 200 NGOs in 13 EU-Mitgliedsstaaten und in 22 Ländern in
Afrika, Karibik und Pazifik im Rahmen eines weltweiten Aktionstages: Stopp
EPAs! Der Dachverband von 33 entwicklungspolitischen NGOs in Österreich,
AGEZ, und Attac starteten heute mit einer Fotoaktion vor der deutschen
Botschaft in Wien einen Weckruf*: „EU-Ratspräsidentin Merkel und
Wirtschaftsminister Bartenstein müssen aufwachen und die Verhandlungen
über diese entwicklungsfeindlichen Abkommen stoppen. Diese gehen auf
Kosten der Ernährungssouveränität, des politischen Spielraums für
Entwicklung, sowie Sozial- und Umweltmaßnahmen“, erklärt
Attac-Handelsexperte Franziskus Forster.
Die EU fordert von den 75 AKP-Ländern (ehemalige Kolonien in Afrika,
Karibik, Pazifik), im Rahmen der EPAs ihre Märkte zu liberalisieren. Diese
würde entgegen aller Versprechungen dazu führen, die Armut in den
betroffenen Ländern noch zu verschärfen. „Drei Viertel der AKP-Länder
würden mindestens 40% ihrer Zolleinkünfte verlieren. Diese Rückgänge der
Staatseinnahmen würden Investitionen für Armutsbekämpfung, Bildung und
Gesundheit massiv gefährden“, erklärt AGEZ-Geschäftsführerin Elfriede
Schachner.
Die Mehrheit der Menschen in Afrika lebt von der Landwirtschaft. Studien
zeigen, dass die ärmsten Länder vor allem durch Liberalisierungen im
Agrarbereich bedroht sind. So wird die Armut weiter verschärft. „Für
afrikanische Kleinbauern und -bäuerinnen ist der Zugang zum eigenen Markt
und Selbstversorgung viel wichtiger als Exportorientierung. Letztere hat
durch den drastischen Verfall der Rohstoffpreise keinen Wohlstandsgewinn
gebracht“, so Schachner. Afrikanische Bauernorganisationen sehen im
Freihandel und der gleichwertigen Öffnung der Märkte mit der EU keine
Lösung. Sie befürchten, dass die uneingeschränkte Einfuhr von billigen
Agrarprodukten aus der EU die heimischen noch schwachen Industrien und
kleinbäuerlichen Marktstrukturen ruiniert werden. Die Entwicklung
regionaler Märkte ist im Kampf gegen Armut wichtiger als das hypothetische
Wachstum internationaler Märkte.
AGEZ und Attac fordern daher von der EU-Ratspräsidentin Merkel,
• alternative Handelsabkommen zu entwickeln, die den unterschiedlichen
Entwicklungsstand der einzelnen Länder berücksichtigen und Entwicklung
fördern,
• auf neue Verhandlungsthemen wie Investitionen, Wettbewerb und
öffentliche Beschaffung zu verzichten (diese Themen und damit verbundene
Liberalisierung wurden von den Entwicklungsländern bereits während der
WTO-Verhandlungen abgelehnt und sollen jetzt durch die Hintertüre wieder
herein kommen),
• keinen Druck auszuüben, um die EPAs fristgerecht bis Ende 2007
abgeschlossen zu haben,
• ausreichende Beteiligung der Betroffenen und der Parlamente aus den
AKP-Ländern und der EU zu garantieren.
Anstatt sozial und ökologisch nachhaltige Alternativen zu prüfen, droht
die EU den AKP-Staaten mit höheren Importzöllen, sollten die Abkommen
nicht bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden. „Die EU versucht so zu
erzwingen, wogegen sich die AKP-Länder in den WTO-Verhandlungen immer
schon hartnäckig gewehrt haben. Von den Handelsabkommen werden vorrangig
große Player profitieren, für die neue Märkte und Investmentmöglichkeiten
erschlossen werden und gleichzeitig der Zugang zu billigen Rohstoffen
gewährleistet wird“, so Forster.
Widerstand gegen diese Politik der EU kommt nicht nur aus dem Süden.
Forster: „Kritik an der derzeitigen Handelspolitik wird auch bei den
größten internationalen Protesten der letzten Jahre anlässlich des
G8-Gipfels Anfang Juni in Deutschland laut werden. In Österreich wird ein
breites gesellschaftliches Bündnis dazu aufrufen, sich den
G8-Gipfelprotesten anzuschließen. Neben den Protesten europäischer
sozialer Bewegungen und NGOs zeigen zudem die Menschen in Europa durch den
Erfolg von „Fairtrade“, tagtäglich, dass sie unfaire und Armut
verschärfende Handelsbedingungen mit dem Süden ablehnen“.
* Fotos von der internationalen Aktion „STOP EPA“ in Kürze unter:
www.attac.at/stopepa
AGEZ-EPAs-Positionspapier:
www.oneworld.at/agez/Positionspapier-EPAs-2007.pdf
Neue EPAs-Studien:
www.oneworld.at/agez/presse_2007_04_EPAs-latest-reports-list.pdf
Rückfragen:
Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
01/317 40 16 oder 0699 107 66 216;
office@agez.at,
www.agez.at
Mag. David Walch, Pressesprecher Attac Österreich
01/544 00 10; 0650/544 00 10
presse@attac.at,
www.attac.at
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