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Ausfuhrförderung unter dem Titel
Entwicklungszusammenarbeit?
NGOs kritisieren Konzept der geplanten Entwicklungsbank
Wien, 6. September 2007 – Wie im Regierungsprogramm vorgesehen, will die
Regierung eine österreichische Entwicklungsbank einrichten; ein
entsprechender Entwurf ging in die Begutachtung, die heute endet. Der
Handlungsbedarf im Bereich der Entwicklungspolitik ist für Österreich
tatsächlich akut, will man die EU-Verpflichtung von 0,51% des BNE für
Entwicklungszusammenarbeit bis 2010 erfüllen. Die Schaffung einer
Entwicklungsbank wird dazu allerdings nur wenig beitragen, da es in erster
Linie um die Vergabe von Krediten und Haftungsübernahmen geht. Der
vorliegende Entwurf lässt aber vor allem daran zweifeln, ob es überhaupt
um eine Verbesserung der Entwicklungszusammenarbeit geht und nicht
vielmehr um die Schaffung eines weiteren Instruments der österreichischen
Ausfuhrförderung.
Diesen Verdacht hegen NGOs, da die Entwicklungsbank im Rahmen einer
Novellierung des Ausfuhrförderungsgesetzes installiert werden soll und
damit auch den Zielsetzungen des AFG unterliegt (Förderung der
österreichischen Leistungsbilanz bzw. Interesse an der Realisierung von
Projekten im Ausland durch österreichische Unternehmen). Wenngleich
andererseits explizit „keine Bindung an österreichische Ausfuhren oder
Dienstleistungen“ vorgesehen ist, so ist doch der Interessenskonflikt
vorprogrammiert. Laut Entwurf wird in das entscheidende Gremium
„Wirtschaft und Entwicklung“ von den Sozialpartnern nur die
Wirtschaftskammer eingebunden.
Die NGOs wehren sich dagegen, dass eine Entwicklungsbank an
österreichischen Wirtschaftsinteressen ausgerichtet wird. Dies steht auch
in Widerspruch zur stärkeren Eigenverantwortung der Partnerländer, die in
der internationalen Entwicklungsdiskussion zunehmend eingefordert wird.
Auch die Zielländer sollten in erster Linie die Schwerpunktländer der
österreichischen Entwicklungszusammenarbeit oder andere „least developed
countries“ sein und nicht – wie geplant – vorrangig die Balkanstaaten und
Schwellenländer.
Für eine Entwicklungsbank, die ihren Namen verdient, fordern die NGOs eine
klare Ausrichtung am österreichischen Entwicklungszusammenarbeitsgesetz,
welches besagt, dass „der Bund (…) die Ziele und Prinzipien der
Entwicklungspolitik bei den von ihm verfolgten Politikbereichen, welche
die Entwicklungsländer berühren können“, berücksichtigt. Diese Ziele sind
Bekämpfung der Armut, Sicherung des Friedens und der menschlichen
Sicherheit sowie Erhaltung der Umwelt und Schutz der natürlichen
Ressourcen als Basis für eine nachhaltige Entwicklung. Inwiefern die
Entwicklungsbank dazu einen Beitrag leisten kann, wird wohl im Dunkeln
bleiben; das Bankgeheimnis könnte der nötigen Transparenz entgegenstehen.
Berichtspflichten über die entwicklungspolitische Wirkung der Aktivitäten
der Entwicklungsbank an das Parlament bzw. die Öffentlichkeit sind im
Entwurf nicht vorgesehen.
Die Trägerschaft der Bank soll bei der Kontrollbank angesiedelt sein, die
schon jetzt für die Exportkreditgarantien zuständig ist, welche unter für
die Öffentlichkeit weitgehend intransparenten Kriterien an österreichische
Unternehmen vergeben werden. Erst wenn es zu massiven sozialen oder
Umweltproblemen kommt, erfährt die Öffentlichkeit im Nachhinein, dass hier
der Staat mit Haftungsübernahmen finanziell für das Desaster geradesteht.
Die AGEZ fordert die Sicherstellung der entwicklungspolitischen
Ausrichtung der Entwicklungsbank, die Einhaltung internationaler Standards
in den Bereichen Umwelt, Soziales und Menschenrechte sowie Transparenz
gegenüber der Öffentlichkeit.
Die AGEZ hat heute ihre Stellungnahme abgegeben, abrufbar unter:
www.oneworld.at/agez/Position-Entwicklungsbank-AFG-2007.pdf
Der Gesetzesentwurf ist abrufbar unter:
www.parlinkom.gv.at/pls/portal/docs/page/PG/DE/XXIII/ME/ME_00102/fname_084922.pdf
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Elfriede Schachner, Geschäftsführerin
AGEZ – Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit
Dachverband von 33 entwicklungspolitischen NGOs
Tel: 01/317 40 16 oder 0699 107 66 216;
www.agez.at
Druckversion (pdf):
http://www.oneworld.at/agez/PA-Entwicklungsbank-AFG-2007.pdf
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