AGEZ-POSITIONSPAPIER
"INDIGENE VÖLKER UND ÖKOLOGIE"


ZUSAMMENFASSUNG DER KONFERENZ AUS PERSPEKTIVE ENTWICKLUNGSPOLITISCHER ORGANISATIONEN

Von BRIGITTE ORNAUER (agez)
Gerald Faschingeder (Dreikönigsaktion - Weisser Stiftung für indigene Völker in Asien)
Barbara Kühaas (WIDE, Gesellschaft für bedrohte Völker)
Gertrude Klaffenböck (WIDE, Südwind Agentur)

Im Namen der AGEZ - Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit möchte ich betonen, wie wichtig eine derartige Veranstaltung, besonders auf universitärem Boden, ist. Zur Erklärung, die AGEZ ist eine Plattform von 30 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen Österreichs. Die AGEZ ist ein Diskussions-, Meinungsbildungs- und Aktionsforum in Bezug auf die Entwicklungspolitik Österreichs, der Europäischen Union, der multilateralen Entwicklungshilfe und Entwicklungen in den Partnerländern. Sie fördert das globale Denken und Handeln in allen politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Bereichen.

Die hier vorgebrachten Zeugnisse von Vertretern und Vertreterinnen indigener Völker waren authentisch, berührend und motivierend für unsere Arbeit. Die wissenschaftlichen Analysen erlauben uns einen klareren Blick und zeigen uns, wie wichtig ein engeres Zusammenspiel von Entwicklungspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, Völkerrrecht, Rechtswissenschaften und allen wisenschaftlichen Zweigen, wie z.B. Agrosoziologie, Ethnologie, Biologie etc. ist.

Im Rahmen der Konferenz wurde ganz deutlich, wie bedeutend die Anerkennung internationaler Menschenrechtsstandards für indigene Völker sind. Der Schutz ihres Lebensraumes und damit ihrer Identität ist nur durch die Anerkennung dieser Konventionen möglich. Darunter fällt die ILO Konvention 169, die Konvention über den Schutz der biologischen Vielfalt, sowie der Entwurf über die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker. In diesem Sinn begrüssen es die Mitglieder der AGEZ besonders, daß von seiten der Sektion VII des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten der Aspekt der Menschenrechte als integraler Bestandteil jeder Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden soll.

Der zunehmende Kampf um die Ressourcen im Rahmen der Globalisierung und des Neoliberalismus führt zu immer stärkerem Raubbau an Natur und Umwelt. Derzeit werden indigene Gebiete und indigenes Wissen sowie Technologien unter Anführungszeichen "erforscht", was ohne Zustimmung der Betroffenen geschieht. Ziel dieser "Forschung" ist in der Regel eine Profitmaximierung durch die Vermarktung billig erhaltener Ressourcen.

Genozid, Ethnozid und Ökozid sind heute eine Realität, die die kulturelle und biologische Vielfalt zerstören. Durch Jahrhunderte hindurch haben indigene Völker angepaßte Lebensweisen entwickelt und so gut wie möglich ihr Wissen bis heute bewahrt. Wir glauben, daß dieses Wissen die einzige Alternative zu dem darstellt, was uns transnationale Konzerne als Pseudosicherheit anbieten (darunter fallen Ernährungssicherheit und neue Pharmaprodukte).

Für die Entwicklungspolitk und Entwicklungszusammenarbeit bedeutet dies folgendes:

Von seiten der NGO muß verstärkt die Anerkennung der Menschenrechtsstandards eingefordert werden. Konkret muß von unseren politischen Vertretern die Ratifizierung der ILO-Konvention 169 sowie der UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker, sobald diese von der Generalversammlung angenommen wird, verlangt werden.
Die öffentliche sowie die private Entwicklungszusammenarbeit müssen für die Anliegen indigener Völker sensibilisiert werden.
Projekte müssen von den Betroffenen ausdrücklich gewünscht werden.
Die Rolle indigener Frauen bei der Bewahrung des traditionellen Wissens ist zentral, deshalb sollen die Frauen bei Projekten besonders berücksichtigt werden. Dazu gehört auch, daß indigene Frauen in internationalen Foren auftreten können. Dafür sollen verstärkt Mittel der öffentlichen und privaten EZA bereitgestellt werden.

In Österreich wird es Aufgabe der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit sein, eine Sensibilisierung unserer Entscheidungsträger sowie auch der Wissenschaft und Forschung für die Anliegen indigener Völker und Ökologie zu erreichen.
Um den Beitrag der indigenen Völker unserer aller Lebensgrundlagen in der Öffentlichkeit bekanntzumachen, muß im Unterricht auf allen Ebenen sowie in den Medien darauf eingegangen werden.

Wir wünschen uns, daß im Jahr 2010 jedes österreichische Kind von den problematischen Zusammenhängen zwischen unserer Lebensweise und der Bedrohung indigener Völker weiß und sich die Lebensweise bei uns ändert.

Die österreichische Regierung wird von der AGEZ angehalten, sich bei der EU-Kommission für den Bereich der Unterstützung indigener Völker im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit aktiv im Sinne der Betroffenen einzubringen und diese Entscheidungen in der eigenen Arbeit umzusetzen.