Im Namen der AGEZ - Arbeitsgemeinschaft
Entwicklungszusammenarbeit möchte ich betonen, wie wichtig eine derartige
Veranstaltung, besonders auf universitärem Boden, ist. Zur Erklärung,
die AGEZ ist eine Plattform von 30 entwicklungspolitischen
Nichtregierungsorganisationen Österreichs. Die AGEZ ist ein Diskussions-,
Meinungsbildungs- und Aktionsforum in Bezug auf die Entwicklungspolitik Österreichs,
der Europäischen Union, der multilateralen Entwicklungshilfe und
Entwicklungen in den Partnerländern. Sie fördert das globale Denken und
Handeln in allen politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen
Bereichen.
Die hier vorgebrachten Zeugnisse von Vertretern und
Vertreterinnen indigener Völker waren authentisch, berührend und
motivierend für unsere Arbeit. Die wissenschaftlichen Analysen erlauben
uns einen klareren Blick und zeigen uns, wie wichtig ein engeres
Zusammenspiel von Entwicklungspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, Völkerrrecht,
Rechtswissenschaften und allen wisenschaftlichen Zweigen, wie z.B.
Agrosoziologie, Ethnologie, Biologie etc. ist.
Im Rahmen der Konferenz wurde ganz deutlich, wie
bedeutend die Anerkennung internationaler Menschenrechtsstandards für
indigene Völker sind. Der Schutz ihres Lebensraumes und damit ihrer
Identität ist nur durch die Anerkennung dieser Konventionen möglich.
Darunter fällt die ILO Konvention 169, die Konvention über den Schutz
der biologischen Vielfalt, sowie der Entwurf über die UN-Deklaration über
die Rechte indigener Völker. In diesem Sinn begrüssen es die Mitglieder
der AGEZ besonders, daß von seiten der Sektion VII des Bundesministeriums
für auswärtige Angelegenheiten der Aspekt der Menschenrechte als
integraler Bestandteil jeder Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden
soll.
Der zunehmende Kampf um die Ressourcen im Rahmen der
Globalisierung und des Neoliberalismus führt zu immer stärkerem Raubbau
an Natur und Umwelt. Derzeit werden indigene Gebiete und indigenes Wissen
sowie Technologien unter Anführungszeichen "erforscht", was
ohne Zustimmung der Betroffenen geschieht. Ziel dieser
"Forschung" ist in der Regel eine Profitmaximierung durch die
Vermarktung billig erhaltener Ressourcen.
Genozid, Ethnozid und Ökozid sind heute eine Realität,
die die kulturelle und biologische Vielfalt zerstören. Durch Jahrhunderte
hindurch haben indigene Völker angepaßte Lebensweisen entwickelt und so
gut wie möglich ihr Wissen bis heute bewahrt. Wir glauben, daß dieses
Wissen die einzige Alternative zu dem darstellt, was uns transnationale
Konzerne als Pseudosicherheit anbieten (darunter fallen Ernährungssicherheit
und neue Pharmaprodukte).
Für die Entwicklungspolitk und
Entwicklungszusammenarbeit bedeutet dies folgendes:
Von seiten der NGO muß verstärkt die Anerkennung der
Menschenrechtsstandards eingefordert werden. Konkret muß von unseren
politischen Vertretern die Ratifizierung der ILO-Konvention 169 sowie der
UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker, sobald diese von der
Generalversammlung angenommen wird, verlangt werden.
Die öffentliche sowie die private Entwicklungszusammenarbeit müssen für
die Anliegen indigener Völker sensibilisiert werden.
Projekte müssen von den Betroffenen ausdrücklich gewünscht werden.
Die Rolle indigener Frauen bei der Bewahrung des traditionellen Wissens
ist zentral, deshalb sollen die Frauen bei Projekten besonders berücksichtigt
werden. Dazu gehört auch, daß indigene Frauen in internationalen Foren
auftreten können. Dafür sollen verstärkt Mittel der öffentlichen und
privaten EZA bereitgestellt werden.
In Österreich wird es Aufgabe der
entwicklungspolitischen Bildungsarbeit sein, eine Sensibilisierung unserer
Entscheidungsträger sowie auch der Wissenschaft und Forschung für die
Anliegen indigener Völker und Ökologie zu erreichen.
Um den Beitrag der indigenen Völker unserer aller Lebensgrundlagen in der
Öffentlichkeit bekanntzumachen, muß im Unterricht auf allen Ebenen sowie
in den Medien darauf eingegangen werden.
Wir wünschen uns, daß im Jahr 2010 jedes österreichische
Kind von den problematischen Zusammenhängen zwischen unserer Lebensweise
und der Bedrohung indigener Völker weiß und sich die Lebensweise bei uns
ändert.
Die österreichische Regierung wird von der AGEZ
angehalten, sich bei der EU-Kommission für den Bereich der Unterstützung
indigener Völker im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit aktiv im Sinne
der Betroffenen einzubringen und diese Entscheidungen in der eigenen
Arbeit umzusetzen.