AGEZ fordert gemeinsam mit FIAN und ÖBV
gendergerechte Agrarreformen in den Ländern des Südens
Frauen in ländlichen
Gebieten - wie beispielsweise Bäuerinnen in Zentralamerika, auf den
Philippinen oder in Indien - haben keinen oder nur beschränkten Zugang zu
Landbesitz, Produktionsmitteln und Krediten. FIAN, die internationale
Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung ruft Regierungen
weltweit dazu auf, ihren Verpflichtungen hinsichtlich des internationalen
Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte nachzukommen
und diesen Mißstand abzuschaffen. Im Rahmen der internationalen Kampagne
für Agrarreformen hat FIAN wiederholt auf die spezifische Benachteiligung
von Frauen durch diskriminierende Besitz- und Erbgesetzgebungen
hingewiesen. Obwohl Frauen in vielen Familien die Ernährung sicherstellen
- in Afrika erzeugen sie 80% der Grundnahrungsmittel - ist die Rate der
Unterernährung bei Frauen größer als bei anderen Familienmitgliedern.
Weitere Benachteiligungen
treffen Landfrauen in Ländern des Südens im politischen Bereich: Es gibt
nur geringe politische Teilnahme auf regionaler, nationaler und
internationaler Ebene. Landfrauen sind von Bildung, medizinischer
Versorgung und sozialen Dienstleistungen ausgeschlossen.
Daher haben sich Frauen,
insbesondere Bäuerinnen zusammengeschlossen, um u.a. für Land,
Organisationsfreiheit, Wahlrecht und soziale Sicherheit zu kämpfen. La
Via Campesina ist das weltweite Netzwerk von BäuerInnenorganisationen,
die für den Schutz einer bäuerlichen Landwirtschaft als Grundlage der
Ernährungssouveränität und für gleichberechtigte und sozial gerechte
wirtschaftliche Beziehungen eintritt. Gemeinsam ist den Landlosen und BäuerInnen
in Nord und Süd der Kampf gegen die international agierenden
agro-industriellen Konzerne. Die österreichische Bergbauernvereinigung ÖBV
ist ebenfalls Mitglied in diesem Netzwerk und hat - auch als Vertreterin
der Westeuropäischen Bauernorganisationen CPE - an der im Vorfeld des
Landfrauentages organisierten internationalen Konferenz der Landfrauen und
Bäuerinnen in Bangalore, Südindien, teilgenommen (30.9.-1.10.).
Die AGEZ, Dachorganisation
von 29 entwicklungspolitischen Organisationen in Österreich, unterstützt
die Forderungen der Landfrauen nach gendergerechten Agrarreformpolitiken:
Frauen muß einerseits Zugang zu Land, andererseits Bildung und Ausbildung
und Zugang zu politischer und sozialer Mitbestimmung ermöglicht werden!
Die AGEZ-Mitgliedsorganisationen setzen diese Forderungen in
beispielhaften Projekten schon jetzt um. Die Verwirklichung des Rechts auf
Nahrung, Land und Freiheit für Landfrauen und ihre Familien kann nicht
nur aus Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit allein erreicht werden.
Deshalb ruft die AGEZ die VerantwortungsträgerInnen der Agrarpolitik und
der Entwicklungspolitik auf, ihre Strategien an den spezifischen
Interessen von Landfrauen auszurichten.
Wien, 13. Oktober 2000