Noch nie wurde auf der Welt so viel Reichtum an Gütern
und Dienstleistungen produziert. Trotzdem nimmt die Zahl der Armen, der
Hungernden und der Arbeitslosen täglich zu. Trotzdem fordert die Armut
jedes Jahr mehr Menschenleben als jeder Krieg bisher. 1,2 Milliarden
Menschen leben in absoluter Armut, also von weniger als einem Dollar pro
Tag. Die soziale Ungleichheit ist sowohl innerhalb als auch zwischen den Ländern
gewachsen. Die Globalisierung konnte der in sie gesetzten Erwartung eines
"Wohlstands für alle" nicht gerecht werden. So verfügen nach
Angaben von UNDP (Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen) die
drei reichsten Menschen über ein Vermögen, das größer ist als das
gesamte BIP aller am wenigsten entwickelten Länder mit ihren 600
Millionen Einwohnern zusammen.
Die Beseitigung der absoluten Armut ist durchaus
finanzierbar. Es ist möglich, allen Menschen Zugang zu Grundbildung,
Gesundheitsdiensten, Nahrung, sauberem Wasser und Familienplanung zu
verschaffen. Die Industrieländer sind angesprochen, ihre nationalen
Budgets für Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen, die ärmsten Länder
endlich zu entschulden und sich für verbesserte Welthandelsbedingungen für
die Länder des Südens einzusetzen. Die Entwicklungsländer sind
in ihrer Eigenverantwortlichkeit gefordert: Vielfach wird für soziale
Grunddienste für die bedürftige Bevölkerung weniger Geld als für Rüstung
und Schuldendienst ausgegeben, ganz abgesehen von Geldern, die durch
korrupte Eliten "verschwinden".
Internationale Organisationen wie Weltbank,
Internationaler Währungsfonds, Vereinte Nationen und OECD haben sich das
propagierte Ziel der Armutsbekämpfung auf ihre Fahnen geschrieben. Für
die in der AGEZ zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen ist
Armutsbekämpfung das eigentliche Ziel ihrer Entwicklungszusammenarbeit.
Sie tun dies direkt mit entsprechenden Projekten in den Ländern des Südens
oder gestalten die Rahmenbedingungen mit, welche der Ausrottung der Armut
förderlich sind und eine menschenwürdige Entwicklung ermöglichen. Das
sind zB Agrarreformen, stärkere Demokratisierung, Stärkung der
Partizipation der zivilen Gesellschaft und der Verhandlungsmacht der
Armen, Aufbau und Sicherung rechtsstaatlicher Strukturen, Zugang zu
Bildung und Gesundheit sowie Empowerment von Frauen.
Die Dynamik von Armut und Reichtum ist nur im Spiegel
der Spielregeln der Wirtwirtschaft zu verstehen. Daher müssen auch die
Verhandlungen der WTO an ihrem Beitrag zur Ausrottung der Armut gemessen
werden. Letztlich zählt zur Kohärenz einer glaubwürdigen Politik der
Armutsbekämpfung auch der Umgang mit Armut und sozialen Spannungen im
eigenen Land.
Für weitere Informationen steht Ihnen Frau Mag.
Elfriede Schachner gerne zur Verfügung:
Tel: 317 40 16; agez@magnet.at
Wien, 16. Oktober 2000