"Die Tragik besteht darin, daß wir in Österreich
und Europa wegen der BSE-Krise Rindfleisch vernichten, während 800
Millionen Menschen weltweit hungern. Es ist nur zu verständlich, wenn der
Ruf laut wird, es an die Armen dieser Welt zu verteilen. Obwohl es auf den
ersten Blick plausibel klingt, ist der Vorschlag das Fleisch dorthin zu
bringen, wo die Bevölkerung nicht genug zu essen hat, fast genauso
problematisch, wie die Vernichtung." Die AGEZ-Geschäftsführerin
Elfriede Schachner äußert schwere Bedenken gegenüber jüngsten Vorschlägen,
Rindfleisch – vorausgesetzt es ist gesund – zur
"Marktkonsolidierung" an Menschen in Not zu verteilen.
Es ist höchst problematisch, Überschüsse der
Industrieländer an Entwicklungsländer zu verteilen. Bereits in den
neunziger Jahren wurde subventioniertes EU-Rindfleisch beispielsweise nach
Westafrika exportiert und zu Dumpingpreisen verschleudert. Dies hatte
katastrophale Auswirkungen auf die schwache einheimische Landwirtschaft.
Die Preise fielen, die sensiblen lokalen Fleischmärkte brachen zusammen.
Für die Bauern und Bäuerinnen bedeutete es den Ruin.
Die geplante Lebensmittelverteilung würde enorme
logistische Anstrengungen erfordern. In Regionen wo die Bevölkerung
hungert, gibt es zumeist keine funktionierende Infrastruktur: weder eine
geschlossene Kühlkette für tiefgefrorenes Fleisch, noch notwendige
Transportmittel. Wer wird die kostspielige Verteilung finanzieren?
Haltbare Lebensmittelspenden sind nur im
Katastrophenfall sinnvoll. Ernährungssicherheit für die Menschen in den
benachteiligten Ländern kann nur durch nachhaltige
Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden. Mit
"Fleischgeschenken" werden positive Veränderungsansätze,
geleistet durch österreichische Entwicklungsprojekte, zunichte gemacht.