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Budgetsanierung auf dem Rücken
der ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern
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Fünf Jahre nach dem
Kopenhagener Weltsozialgipfel, bei dem sich 117 Staats- und
Regierungschefs darauf einigten, der Bekämpfung von Armut,
Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung höchste politische Priorität
einzuräumen, klafft zwischen Rhetorik und Realität ein tiefer Graben.
Die Konferenz "Kopenhagen + 5", die am 26. Juni in Genf beginnt,
muss eine traurige Bilanz ziehen, von den ehrgeizigen Zielen wurde bisher
kaum etwas verwirklicht.
Auch Österreich ist in diesen fünf Jahren wieder reicher geworden.
Diesem Reichtum steht die Tatsache gegenüber, dass jeder fünfte Mensch,
insgesamt 1,2 Milliarden, in absoluter Armut lebt. Ein Fünftel der
Weltbevölkerung, in der Mehrzahl trifft es Frauen, muss mit weniger als
20 Schilling pro Tag auskommen, während ein Sechstel der Weltbevölkerung,
vor allem in Nordamerika, Japan und Europa, durchschnittlich von 1000
Schilling pro Tag lebt.
Budgetkürzungen
Die österreichische
Regierung hat sich am Weltsozialgipfel 1995 zur Ausrottung der Armut
bekannt und in diesem Sinne auch wiederholt die "Strategie für das
21. Jahrhundert" der OECD zugestimmt, doch die Realität der
Finanzierung ist eine andere. Österreich konnte 1998 knapp der
Peinlichkeit entgehen, als eines der reichsten Länder bei den
Entwicklungshilfe-Leistungen das absolute Schlußlicht in der EU zu sein.
Mit 0,22% des Bruttoinlandprodukts befand sich Österreich auf dem
vorletzten Platz, die Entwicklungshilfe war auf einem historischen
Tiefstand angelangt. 1999 waren es 0,24%, doch mit den heurigen und den
auch für 2001 zu erwartenden Budgetkürzungen scheint das Erreichen des
EU-Durchschnitts von 0,33% in unerreichbare Ferne gerückt und man mag
schon gar nicht mehr daran erinnern, daß das österreichische Parlament
schon mehrmals das 0,7%-Ziel der UNO bekräftigt hat.
Waren es 1999 noch 950 Millionen, wurde für das Jahr 2000 das Budget der
österreichischen Entwicklungshilfe auf 744,5 Mio festgelegt. Gerade beim
Budget der Programm- und Projekthilfe, dem Kernbereich der EZA, dem für
Nichtregierungsorganisationen am gestaltbarste Bereich, wurde massiv der
Rotstift angesetzt. Durch die Budgetkürzungen können bereits vereinbarte
Projekte nicht stattfinden, das hat Auswirkungen auf Tausende Menschen in
den Schwerpunktländern der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.
Damit verlangt man von unseren PartnerInnen im Süden einen Beitrag zur
Budgetsanierung zu leisten. Es fällt schwer zu glauben, dass das reiche
Österreich keine andere Wahl hat, als bei den Ärmsten der Armen das Geld
für das Budget zu holen.
Ein Sparpaket auf Kosten der Ärmsten im Land und weltweit, sowie auf
Kosten der engagierten Zivilgesellschaft gefährdet den sozialen Frieden
in Österreich und erhöht das Konfliktpotential weltweit. Alle
Einsparungen auf diesem Gebiet müssen durch erhöhte Sicherheits- und
Verteidigungsmassnahmen vielfach ausgegeben werden. Ein deutliches Zeichen
dafür ist, dass die Ausgaben für Waffen 1999 weltweit um 2,2%
angestiegen sind, in Zahlen ausgedrückt um 246 Milliarden.
Gleichzeitige Maßnahmen,
wie die schrittweise Teuerung der Posttarife – alleine bei den
AGEZ-Mitgliedsorganisationen müssten bei der Streichung der begünstigten
Tarife 23 Millionen Schilling mehr für Spenden-Mailings aufgewendet
werden – und die Kürzung der Mittel für entwicklungspolitische
Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit behindern die Aufklärung in der österreichischen
Öffentlichkeit über die Situation der Betroffenen in den Entwicklungsländern.
Es ist nur recht und billig, wenn die zusätzlichen Mittel, die die österreichische
Bundesregierung für weltweite Vernetzung durch Handylizenzen einnehmen
wird, zum Teil für weltweite Solidarität in der
Entwicklungszusammenarbeit zweckgebunden werden.
"Peking +
5"
Vom 5. bis 9. Juni fand die
UN-Sondergeneralversammlung "Peking + 5/Women 2000" statt. Die
Bilanz über Fortschritte in der Frauenpolitik seit der 4.
Weltfrauenkonferenz vor fünf Jahren war ernüchternd. Als Abschluss der
"Peking + 5"-Generalversammlung wurde von den 181
Regierungsdelegationen das "outcoming document" verabschiedet,
das vom wiedererstarkten Nord-Süd-Konflikt geprägt ist. Strittige Punkte
waren vor allem ökonomische und soziale Rechte von Frauen im Kontext der
Globalisierung. Ebenso fehlen in den Ländern des Südens für die
Umsetzung der Pekinger Aktionsplattform die finanziellen Ressourcen, die
von den Ländern des Nordens zur Verfügung gestellt werden müssten.
"Kopenhagen + 5"
Die AGEZ erneuert anlässlich
des UN-Gipfels "Kopenhagen + 5" ihre Forderungen nach Armutsbekämpfung
durch Einbeziehung von Fairem Handel in internationale Handelsabkommen,
durch Schuldenerlaß für die ärmsten Länder und durch Anhebung des
EZA-Budgets. Um internationale Währungsspekulation zu verringern und aus
ihrem Aufkommen Entwicklungshilfe, friedenssichernde oder
Umweltschutz-Massnahmen zu finanzieren, verlangen die NGOs eine
Spekulationssteuer (Tobin Tax; Currency Transaction Tax-CTT). Da das
Kopenhagener Bekenntnis zu sozialem Ausgleich in Widerspruch zu einer
Politik neoliberaler Globalisierung, wie sie sich in Weltbank, IWF, WTO
und OECD widerspiegelt, steht, wird von den internationalen Organisationen
die Schaffung alternativer wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen und
Reformen bei WTO und Internationalen Finanzinstitutionen gefordert.
Die AGEZ fordert eine öffentliche und verpflichtende Erklärung der
Verantwortlichen zum Staatshaushalt 2001. Will Österreich durch
systematische Mittelkürzung die Zerstörung der über Jahre und
Jahrzehnte aufgebauten Partnerschaften und Solidarität mit den Menschen
im Süden, so soll dies in aller Öffentlichkeit ausgesprochen und
diskutiert werden.
AGEZ-Resolution, die von
der Vollversammlung am 20. Juni 2000 verabschiedet wurde.
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