AGEZ-POSITIONSPAPIER

Petition zur Stärkung des Fairen Handel in Österreich

Datum: 30.1.2002


Der Faire Handel (Fair Trade) erfuhr durch den Entschließungsantrag des Europaparlamentes zum Fairen Handel vom 26. Mai 1998 (A4-0198/98 vom 26. Mai 1998) und in Folge durch zahlreiche Aktivitäten österreichischer Entscheidungs-trägerInnen und Gremien (nicht zuletzt durch den österreichischen Nationalrat) eine zunehmende Bedeutung in der Entwicklungszusammenarbeit.

Als Instrument der wirtschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd verfolgt Fair Trade das Ziel einer nachhaltigen Verbesserung der Situation in ProduzentInnenländern hinsichtlich sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren. Die hohe Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit dieses Systems der fairen Handelsbeziehungen wird dabei in Studien und Stellungnahmen nationaler und internationaler Gremien nachdrücklich hervorgehoben.

Trans Fair Österreich, eine gemeinnützige Initiative zur Förderung des Fairen Handels in Österreich, in Übereinstimmung mit Nicht-Regierungs-Organisationen der österreichischen Zivilgesellschaft (AGEZ – Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit, CARE Österreich, Caritas, Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs, Katholische Frauenbewegung Österreich, UNICEF Österreich, WWF), legt den MitgliederInnen des Österreichischen Nationalrates und in Folge den österreichischen EntscheidungsträgerInnen folgende Forderungen zur weiteren Förderung des Fairen Handels vor:

Für eine langfristige Stärkung des Fairen Handels, die Etablierung im öffentlichen Bewusstsein und Verankerung in den öffentlichen Beschaffungsprozessen sind über die Fortsetzung der bisher erfolgten und schon wirksamen Maßnahmen zur Förderung des Fairen Handels in Österreich folgende weitere Schritte notwendig: 

Kurzfristig:

·         Die ehest mögliche Behandlung des dem Nationalrat am 5.12.2001 übergebenen Berichts zur Entschließung 310A(E) betreffend die “Förderung des Fairen Handels” im zuständigen Unterausschuss, um ein öffentlich wahrnehmbares Bekenntnis zur Umsetzung desselben abzulegen

·        Initiativen zur Verwendung von Fair Trade Produkten in den Räumlichkeiten des Parlaments und angegliederter Einrichtungen sowie eine geeignete öffentliche Darstellung dieser Verwendung, als positives Beispiel für weitere öffentliche Einrichtungen

·         Öffentliche Empfehlung an österreichische EntscheidungsträgerInnen, ebenfalls bevorzugt Fair Trade Produkte zu beschaffen, auf Fair Trade Produkte umzusteigen sowie regelmäßige Berichte an die österr. Öffentlichkeit über die erreichte Fair Trade Quote im öffentlichen Beschaffungswesen zu legen

·         Offensive öffentliche Darstellung der Wirkungsweisen und Erfolge des Fairen Handels und der gesetzten sowie zu erfolgenden Schritte zur Förderung des Fairen Handels

·         Setzung von Maßnahmen zur Förderung der entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Fairen Handel

 

Mittelfristig:

·         Umsetzung des Berichts an den Nationalrat zur Entschließung 310A(E) durch geeignete Initiativen, im öffentlichen Beschaffungswesen bevorzugt Produkte aus dem Fairen Handel anzukaufen

·         Einsetzung einer länderübergreifenden Koordinierungsstelle für Beschaffung und Verwendung fair gehandelter Produkte im öffentlichen Beschaffungswesen Österreichs

·         Beauftragung durch den Österreichischen Nationalrat zur Erstellung von technischen Spezifikationen analog zur ON-Regel 141001 vom 1. August 2000 (Produkt Kaffee) für alle weiteren Produktgruppen des Fairen Handels, um auch für diese die Voraussetzung für eine Beschaffung durch Institutionen öffentlicher Hand zu schaffen

 

Langfristig:

·         Beauftragung zuständiger Gremien zur Überprüfung der Möglichkeit einer Verankerung des Fairen Handels und der positiven Wirkung des Fairen Handels in Lehrplänen, Lehrbehelfen und Lehrmitteln an österreichischen Schulen und Universitäten

·         Setzung geeigneter Maßnahmen in nationalen und internationalen Gremien, Produkten aus dem Fairen Handel generell zoll- und quotenfreien Zugang zu allen Märkten zu gewähren

·         Weitere Intensivierung der Informations- und Lobbyingaktivitäten in entsprechenden nationalen wie internationalen Gremien, insbesondere der Europäischen Union, zur Förderung des Fairen Handels

 

 

Ich unterstütze diese Petition an den österreichischen Nationalrat vom 30.1.2002

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NR-Abgeordnete Inge Jäger (SPÖ)     

Vorsitzende des entwicklungspolitischen Ausschusses