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UN-Konferenz in Mexiko: Letzte Chance für Entwicklung
NGO-Kritik: "Österreichischer Regierung nimmt Armutsbekämpfung nicht
wichtig" |
Wien, 13.
März 2002 - Im Vorfeld der großen UN-Konferenz zur Entwicklungs-finanzierung
in Monterrey, Mexiko (18.-22. März) kritisieren NGOs die
Entwicklungspo-litik der österreichischen Regierung. "Weder bei der eigenen
Entwicklungshilfe noch auf dem internationalen Parkett werden
Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung wichtig genommen", beklagen Martina
Neuwirth von der Koordinierungsstelle der ös-terreichischen
Bischofskonferenz für internationale Entwicklung (KOO) und Elfriede
Schachner von der AGEZ, die beide als NGO-Vertreterinnen an der Konferenz in
Mon-terrey teilnehmen werden. Sichtbarstes Zeichen für das mangelnde
Interesse der Bun-desregierung sei die Nicht-Teilnahme von Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel sowie der zuständigen Minister Karl-Heinz Grasser und
Benita Ferrero-Waldner. Für andere Länder werden wie vorgesehen Staats- und
Regierungschefs teilnehmen - wie die Präsidenten Bush (USA) und Chirac
(Frankreich).
"Weltweite Koalition gegen die Armut" gefordert
Angelehnt an die weltweite Koalition gegen den Terror fordern NGOs jetzt
eine weltweite Koalition gegen die dramatisch steigende Armut. Gelegenheit
dazu gäbe die erste UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung "Financing for
Development" in Monterrey. Sie bie-tet die letzte Chance, ein multilaterales
System zur Entwicklungsfinanzierung einzurichten. Aufgrund des Widerstandes
der USA enthält das bereits im Vorfeld ausgehandelte Kompro-misspapier
jedoch kaum mehr wirkungsvolle Maßnahmen, kritisieren die NGOs: Die
Verdop-pelung der Entwicklungshilfe, verbindliche Sozialstandards für
multinationale Unternehmen, die Besteuerung von internationalen
Devisentransaktionen ("Tobin-Tax") oder ein Zeitplan für die Erreichung der
0,7% (des BIP an Entwicklungshilfe) sind etwa herausgestrichen wor-den. Die
Armut von Frauen wird kaum erwähnt. "Anstatt der Entwicklungsfinanzierung
droht die Finanzierung der Globalisierung Thema der Konferenz zu werden",
befürchtet Elfriede Schachner von der Arbeitsgemeinschaft
Entwicklungszusammenarbeit AGEZ, dem Dach-verband der österreichischen
Entwicklungsorganisationen.
Österreich soll Profil zeigen
"Wir fordern Österreich auf, in Monterrey Profil zu zeigen und ein
,Österreich-Paket' zu prä-sentieren", fordert Martina Neuwirth,
Entschuldungsexpertin der KOO. Dieses Paket soll "fri-sches Geld" für die
Entwicklungszusammenarbeit und weitere Entschuldungsmaßnahmen für die
ärmsten Länder enthalten. Auch soll sich Österreich für eine konkrete
Förderung von Frauen und für ein transparentes Verfahren zur
Schuldenregulierungen einsetzen - ein Ver-fahren, das auch von der
Oesterreichischen Nationalbank unterstützt wird. "Als NGO-Vertreterinnen
werden wir uns sowohl in Österreich als auch auf der Konferenz massiv dafür
einsetzen, dass das Rad herumgedreht wird und die Konferenz von Monterrey
zum Start-punkt einer globalen Koalition gegen die Armut wird", verspricht
Neuwirth.
Die Zahl der Armen, Hungernden und Arbeitslosen nimmt weltweit trotz
steigender Produkti-on an Reichtum ständig zu. Die Globalisierung
verschärfte dieses Ungleichheit noch weiter. Ausgleich sollte die
Entwicklungshilfe schaffen - doch diese nimmt ständig ab. Auch in
Ös-terreich: Statt wie in der UN vereinbart 0,7% wurden im Jahr 2000 nur
0,23% des BIP für Entwicklungshilfe verwendet (EU-Durchschnitt: 0,33%). Um
das weltweite "Millenniumsziel" - die Halbierung der Armut bis 2015 - zu
erreichen, wären jährlich weltweit 50 Milliarden US-Dollar zusätzlich an
Entwicklungshilfegeldern notwendig. Doch obwohl die "Geberländer" niemals
reicher waren, geben sie heute weniger Hilfe als vor vier Jahrzehnten.
Weitere Informationen:
Mag. Corinna Milborn, Tel. 0676-611 58 50
Tägliche Updates während der Konferenz in Monterrey (18.-22. März) finden
Sie unter:
www.koo.at
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