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AGEZ-PRESSEMITTEILUNG
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Wien, 26. Februar 2002 – Die erste UN-Konferenz, die
sich ausschließlich mit Fragen der Entwicklungsfinanzierung beschäftigt,
findet vom 18. bis 22. März 2002 in Monterrey, Mexiko, statt. Im Vorfeld
fand gestern in Wien eine Informations- und Diskussionsveranstaltung
zwischen VertreterInnen der österreichischen Nichtregierungsorganisationen
(NGOs) und Vertretern von Außen- und Finanzministerium sowie der
Nationalbank statt. Trotz unüberbrückbarer Gegensätze bei der geforderten
Höhe der Entwicklungshilfe kam man sich bei Fragen der Verschuldung von
Entwicklungsländern näher.
“Monterrey droht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner
stecken zu bleiben”, fürchtet Karin Küblböck von der Österreichischen
Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe (ÖFSE) bei der Analyse des
vorläufigen Abschlussdokuments der UN-Konferenz. Viele Vorschläge auch
seitens der NGOs, die in den Vorbereitungskonferenzen diskutiert wurden,
fielen den Interessenskonflikten zwischen Industrieländern und
Entwicklungsländern, aber auch zwischen USA und EU zum Opfer. So wurden
etwa Vorschläge zum Kampf gegen Steueroasen oder die Finanzierung globaler
öffentlicher Güter gestrichen. Auch fehlen Vorschläge für alternative
Entwicklungsfinanzierungen, wie etwa eine Besteuerung internationaler
Finanzflüsse. Entwicklungsausgaben seit Jahren rückgängig, Frauen am stärksten von Armut betroffenLetzteres schmerzt umso mehr, als die öffentlichen
Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit seit Jahren stagnieren bzw. sogar
rückläufig sind. Die vorläufige Abschlusserklärung von Monterrey fordert
die Industrieländer auf, sie auf 0.7 % des BNP anzuheben. Ein konkreter
Zeitplan zur Umsetzung fehlt jedoch und ist auch von österreichischer
Seite nicht zu erwarten. So sind laut Botschafter Georg Lennkh vom
Außenministerium 0.35 % (EU-Durchschnitt) für das Jahr 2003 verbindlich,
wobei diese Steigerung primär auf einmalige Entschuldungsmaßnahmen
zurückzuführen sein wird. Heribert Steinbauer, der Vorsitzender des
Dachverbandes der österreichischen Entwicklungs-NGOs, AGEZ, fordert
zusätzliche Mittel: “Monterrey wird daran zu messen sein, wieviel
konkretes Geld für die weltweit vereinbarten Milleniumsziele, nämlich die
Halbierung der Armut bis 2015 zur Verfügung gestellt wird”. Armut, die vor
allem Frauen trifft, wie Brita Neuhold von Women in Development Europe
(WIDE) betonte. Trotzdem bleiben Frauen weltweit von den
Entscheidungsprozessen weitgehend ausgeschlossen. Unabhängiges Schiedsgericht für Schuldenfragen gefordertDie Entschuldungsexpertin Martina Neuwirth von der
Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz stellte das
von NGOs bereits seit Jahren geforderte Insolvenzverfahren für Staaten
vor. Dies könnte im Rahmen eines Schiedsgerichts-Verfahrens passieren: Von
den Gläubigern wie vom Schuldnerland bestellte Schiedsrichter würden dann
die Höhe der künftigen Rückzahlungen bzw. Schuldenstreichungen festlegen.
“Wichtig ist die Transparenz des Verfahrens und die Einbindung der
Bevölkerung des Schuldnerlandes.” Ein solches Verfahren würde, wie dies
inzwischen auch vom Internationalen Währungsfonds erkannt wird,
unverantwortlicher Neuverschuldung vorbeugen. Die Oesterreichische Nationalbank, so Herbert Gratz, sei wie die NGOs von der Sinnhaftigkeit eines solches unabhängigen Verfahrens, abgekoppelt vom Internationalen Währungsfonds, überzeugt. Der IWF sei selbst Gläubiger und daher sei bei einer Involvierung ein Interessenskonflikt nicht auszuschließen. Auch Thomas Wieser, Sektionschef des Finanzministeriums, stand diesen Überlegungen positiv gegenüber. Er merkte jedoch an, dass sich bei der Einführung eines solchen Verfahrens die Kreditkosten für die Mitteleinkommensländer erhöhen könnten. Alle relevanten Dokumente und Links, sowie die
aktuellsten Meldungen zum Financing for Development-Prozess finden Sie
unter www.koo.at.
Am 13. März 2002 findet ab 10 Uhr im Café Griensteidl eine
Pressekonferenz zum Thema “Financing for Development” statt. Rückfragen richten Sie bitte an:
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