Monterrey/Wien, 22. März 2002. Zwiespältige Reaktionen
auf die Ergebnisse der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in
Monterrey, die heute beendet wird, bei den Vertreterinnen der
österreichischen NGOs: Es wurden zwar mehr Entwicklungshilfegelder zugesagt
als erwartet. Die großen strukturellen Probleme der Entwicklungsfinanzierung
bleiben jedoch ungelöst: Es gibt keine Einigung über ein internationales
Insolvenzverfahren zur Lösung des Schuldenproblems, über die Einführung
einer Devisentransaktionssteuer (Tobin Tax) oder die Besteuerung des
Verbrauchs Globaler Güter. Enttäuschung herrscht über den Auftritt
Österreichs, vertreten durch Staatssekretär Morak: "Österreich trat in
Monterrey leider nicht mit einer eigenen Initiative auf und hat sich auch in
den Diskussionen nicht profiliert", beklagen Martina Neuwirth von der KOO
und Elfriede Schachner (AGEZ), NGO-Vertreterinnen in Monterrey.
Im "Monterrey Consensus", der heute abend verabschiedet wird, werden Handel
und Investitionen immer noch als Allheilmittel für die Probleme der
Entwicklungsländer gesehen. Die Verantwortung der Wirtschaft im Bereich
Umwelt und Soziales ist jedoch nur Randthema. Viele Vorschläge finden sich
nicht mehr: Verdoppelung der Entwicklungshilfe, Einführung einer
Devisentransaktionssteuer, einen Zeitplan für die Erreichung des 0,7%-Ziels
oder Abgaben auf öffentliche Gemeingüter (wie eine CO2-Steuer). Diese Themen
wurden jedoch in den Side Events der Konferenz mit VertreterInnen von
Regierungen, Weltbank, IWF, privatem Sektor und NGOs diskutiert und sind so
zumindest vorangekommen. Beispiel Tobin Tax: Vor fünf bis zehn Jahren wären
die NGOs belächelt worden, hätten sie eine Devisentransaktionssteuer
reklamiert. Heute haben sich einige Parlamente dazu bekannt, das deutsche
Entwicklungsministerium hat eine Machbarkeitsstudie präsentiert, und das
Thema ist auf der Agenda der EU-Kommission.
Mehr Geld für Entwicklung als erwartet - aber immer noch viel zu wenig
Elfriede Schachner, Geschäftsführerin der AGEZ, dem Dachverband
entwicklungspolitischer NGOs, sieht die Ergebnisse der Konferenz
zwiespältig: "Die Konferenz hat den Druck auf die EU und USA erhöht, in
Monterrey nicht mit leeren Händen dazustehen. Die Erhöhung der
US-Entwicklungshilfe von 5 auf 15 Milliarden Dollar kam selbst für Insider
völlig unerwartet. Zwar viel zu wenig für die Bekämpfung der Armut - aber
ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung".
Enttäuschender Auftritt Österreichs
"Leider wurde auch in Monterrey keine eigenständige österreichische
Initiative verkündet. Weder wurde ein "Entschuldungspaket" geschnürt, noch
trat man klar für ein internationales Insolvenzverfahren ein oder
präsentierte einen Zeitplan für das Erreichen des 0.7 %-Zieles. Wir begrüßen
jedoch, dass Österreich sich ebenfalls zu einer deutlichen Erhöhung der
Entwicklungshilfe bekannt hat. Diese Erhöhung muss sich aber in Form von
"fresh money" für den finanziell ausgehungerten Bereich der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit niederschlagen, zu der auch NGOs ihren Beitrag
leisten", fordert Martina Neuwirth von der Koordinierungsstelle der
österreichischen Bischofskonferenz.
Der Slogan des Weltsozialforums in Porto Alegre - "eine andere Welt ist
möglich" - wurde von KonferenzteilnehmerInnen oft verwendet. Die Aufgabe der
NGOs, die sich als Sensoren und Impulsgeber verstehen, wird es sein, die in
Mexiko gemachten Versprechen und deren Umsetzung auf nationaler Ebene
einzufordern. "Wir werden die Konferenz zum Anlass nehmen, diese Debatte mit
den politisch Verantwortlichen in Österreich weiterzuführen", versprechen
die beiden NGO-Vertreterinnen.
Weitere Informationen: www.koo.at, Heinz
Hödl, Tel.: 01/317-03-21 bzw. 0676/842968777 und Mag. Corinna Milborn, Tel.:
0676/6115850
Martina Neuwirth und Elfriede Schachner sind heute in Mexiko erreichbar
unter:
Tel.: 0052-8184649506