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AGEZ-Presseinformation: Migration und Entwicklung
auf der UN-Agenda |
Die AGEZ fordert eine liberalere Migrationspolitik bei
gleichzeitiger Bekämpfung der Migrationsursachen
Wien, 14. September 2006 - Erstmals diskutiert die Staatengemeinschaft das
Thema "Migration und Entwicklung" in der UN-Generalversammlung am 14./15.
September 2006 auf höchster Ebene. Während man sich auf der Tagung der
UN-Bevölkerungskonferenz im April zum Thema "Migration und Entwicklung"
von EU-Seite bemüht hatte, das politisch heiße Thema "illegale Migration"
außen vor zu lassen und auf realpolitisch einfach umsetzbare Maßnahmen
fokussierte (z.B. Verbilligung der Bankkosten der Überweisungen von
MigrantInnen in ihr Heimatland), wurden auf der europäisch-afrikanischen
Konferenz zu "Migration und Entwicklung" im Juli in Rabat vor allem
sicherheitspolitische Maßnahmen (wie die polizeiliche Zusammenarbeit und
Rücknahmeabkommen zwischen europäischen und afrikanischen Staaten)
beschlossen. Diese Woche sagte Senegal nun konkret zu, 1.000 auf den
kanarischen Inseln gelandete Bootsflüchtlinge zurückzunehmen. Laut
Medienberichten werden bereits jetzt im Senegal Flüchtlinge inhaftiert,
die den Versuch machen, das Land per Boot zu verlassen.
Der sicherheitspolitische Diskurs über Migration verstellt den Blick auf
die Ursachen von Migration ebenso wie auf globale Trends: Solange das
derzeitige Weltwirtschaftssystem mit der immer größeren Kluft zwischen Arm
und Reich Millionen von Menschen keine Existenz in Würde ermöglicht, wird
der Migrationsdruck nicht abnehmen. Restriktive Maßnahmen mögen den
Zustrom von MigrantInnen und Flüchtlingen eindämmen - aber um welchen
Preis? Je schwieriger der Zugang in die reichen Länder, umso mehr Menschen
sterben beim Grenzübertritt, umso weniger erhalten schutzbedürftige
Flüchtlinge Asyl, umso mehr werden Menschen in die Illegalität gedrängt,
umso weniger ist eine Familienzusammenführung möglich - umso mehr werden
die Menschenrechte mit Füßen getreten.
Die UNO plädiert dafür, die Chancen von Migration verstärkt wahrzunehmen.
Ihre Studien verweisen darauf, dass die Industrieländer ab 2010 den Zuzug
von MigrantInnen für ihre Volkswirtschaften und zur Sicherung der
Sozialsysteme benötigen werden - die aktuelle österreichische
"Pflegedebatte" vermittelt eine Ahnung davon. Umgekehrt zählen heute in
vielen Entwicklungsländern die Rücküberweisungen von MigrantInnen zu den
bedeutendsten Deviseneinnahmen. Laut UN-Schätzungen betrugen die
Überweisungen von MigrantInnen im Vorjahr 167 Mrd. US$, was ein höherer
Betrag als die offizielle Entwicklungszusammenarbeit der OECD-Länder ist
(2005: 106 Mrd. US$). Mit diesem Geld, das hauptsächlich in den privaten
Konsum fließt, werden die Folgen neoliberaler Politik und der Verarmung
breiter Bevölkerungsschichten in vielen Ländern des Südens abgefedert.
Anders als die Zahl der MigrantInnen ist die Zahl der Flüchtlinge seit den
90er Jahren weltweit deutlich zurückgegangen, was vor allem mit der
Beendigung regionaler Konflikte und der Repatriierung von Flüchtlingen aus
Nachbarländern (in Subsahara-Afrika und Zentralamerika) zu tun hat. In
Anbetracht rückläufiger Flüchtlingszahlen auch in Österreich - vor allem
dadurch bedingt, dass Österreich keine EU-Außengrenzen mehr hat - fordert
die AGEZ, dass sich Österreich in Zukunft in Kooperation mit dem
UN-Flüchtlingshochkommissariat in der Neuansiedlung (Resettlement) von
Flüchtlingen engagiert.
Die AGEZ, der Dachverband von 32 entwicklungspolitischen NGOs in
Österreich, spricht sich grundsätzlich gegen die Bindung der Vergabe von
Entwicklungszusammenarbeits-Mitteln (EZA) mit einer nach außen
verlagerten, restriktiven Migrationspolitik aus und fordert die
österreichische Regierung auf, diese Position in der EU zu vertreten. Die
Diskussion um Migration zeigt, wie dringend notwendig eine effektive
Bekämpfung der weltweiten Armut ist. Österreich ist gefordert, sowohl
einen adäquaten finanziellen Beitrag zur EZA zu leisten - 0,7% des BNE -
als auch eine mit den Zielen der Entwicklungspolitik kohärente
Wirtschaftspolitik umzusetzen.
Die AGEZ tritt dafür ein, dass die österreichische Regierung nicht auf
Abschottung und xenophobe Diskurse setzt, sondern eine weltoffene,
liberale Migrationspolitik mit sozialer Sicherheit für die ansässige sowie
zugewanderte Bevölkerung verfolgt und die chancengleiche Teilhabe von
MigrantInnen und deren nachfolgenden Generationen an allen
gesellschaftlichen Bereichen gewährleistet.
Die UN-Studien zu Migration und Entwicklung sind abrufbar unter
www.unmigration.org.
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
Tel: 01/317 40 16 oder 0699 107 66 216,
office@agez.at, www.agez.at
Druckversion (doc):
http://www.oneworld.at/agez/PA%20Migration%20und%20Entwicklung-korr.pdf
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