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Europäische NGO-Koalition fordert: Haltet Wort -
stoppt die Armut |
Report deckt Defizite der österreichischen EZA auf;
Molterer muss endlich handeln
(Presseaussendung von AGEZ, KOO, EAEZ und EU-Plattform)
Wien, 11.5.2007 - Im Vorfeld des EU Entwicklungs- und
Außenministertreffens am 14./15.5. in Brüssel nimmt der heute vorgestellte
"Aid Watch Report" die öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen für das
Jahr 2006 unter die Lupe. Eine Koalition von mehr als 1.600
entwicklungspolitischen NGOs aus ganz Europa zeigt sich im "Aid Watch
Report" besorgt, dass im Jahr 2010 bis zu 50 Mrd. Euro weniger zur
weltweiten Armutsbeseitigung zur Verfügung stehen könnten, als von den
EU-Mitgliedstaaten zugesagt. "Setzen sich die derzeit sichtbaren Trends
innerhalb der EZA-Leistungen der europäischen Staaten weiter fort, werden
international getroffene Vereinbarungen definitiv nicht einzuhalten sein",
präzisiert Johannes Trimmel, Vorsitzender der Österreichischen
EU-Plattform. "Leidtragende dieser Politik der europäischen Finanzminister
sind die Ärmsten der Armen vor allem in Afrika."
Obwohl Europas Regierungen in den letzten Jahren mehrmals eine drastische
Steigerung der öffentlichen EZA-Leistungen insbesondere in Richtung Afrika
zugesagt haben, stagnieren diese. Als weiteres Problem erweist sich die
Zusammensetzung der Leistungen: Rund ein Drittel der europäischen
Entwicklungshilfeleistungen - etwa 13,5 Mrd. Euro kommen
Entwicklungsländern nicht unmittelbar zugute, sondern entstehen aus der
Einrechnung von Entschuldungsmaßnahmen, Flüchtlingsbetreuung und Kosten
für ausländische Studierende. Allein in Österreich fallen mehr als 50% der
gesamten öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit in diese Kategorie.
"Allein diese 13,5 Mrd. Euro könnten rund 1.400 Frauen täglich vor dem Tod
im Kindbett bewahren, den Tod von 4.000 Kindern an Durchfallserkrankungen
täglich verhindern und 80 Millionen Kinder zur Schule schicken",
veranschaulicht Gottfried Mernyi, Geschäftsführer der EAEZ.
Während Österreich nach Angaben der OECD (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) für das Jahr 2006 0,48% seines
Bruttonationaleinkommens (BNE) im Bereich öffentlicher EZA verbuchte,
reduziert sich dieser Prozentsatz ohne Einrechnung oben genannter
indirekter Leistungen, die nicht primär Entwicklungsziele verfolgen, auf
magere 0,20%. Damit liegt Österreich unter dem angepeilten EU-Ziel von
0,33% für 2006. Auch andere EU-Staaten verpassen diesen Wert: Frankreich
und Deutschland aus den gleichen Gründen wie Österreich - Italien,
Spanien, Portugal und Griechenland bleiben sogar nach Einrechnung aller
erlaubten Zahlen unter dem vereinbarten Ziel. Laut OECD-Richtlinien ist
die Einrechnung von Entschuldungsmaßnahmen zwar erlaubt, NGOs fordern
diese aber zusätzlich zur öffentlichen EZA-Leistung. "Entschuldungen sind
absolut notwendig - doch nicht auf Kosten realer Hilfe für die Ärmsten",
unterstreicht Heinz Hödl, Geschäftsführer der KOO.
Besonders in Österreich besteht Handlungsbedarf. Neben einem klaren
verbindlichen Stufenplan zur Umsetzung international eingegangener
Verpflichtungen hinsichtlich einer quantitativen Steigerung der Mittel auf
0,7% des BNE bis 2015 fordern die NGOs von der österreichischen Regierung,
"frisches" Geld in die EZA einzubringen. "Finanzminister Molterer hat es
in der Hand, die österreichischen EZA-Leistungen drastisch zu erhöhen und
die österreichische Entschuldungspraxis nachhaltig umzugestalten", betont
Elfriede Schachner, Geschäftsführerin der AGEZ. "Um die 0,7% bis 2015
erreichen zu können, braucht es eine jährliche Steigerung von 200
Millionen Euro."
Neben vielen negativen Trends zeigt der Aid Watch Report aber auch
positive Entwicklungen in einzelnen Ländern auf: Irlands EZA stieg allein
2006 um etwa ein Drittel an. In Finnland oder auch Luxemburg betrug die
Einrechnung von Entschuldungen nur ein bis zwei Prozent. "Weitere
europäische Länder müssen diesen Positivbeispielen folgen", wünscht sich
Johannes Trimmel. "Europa kann seine Versprechen gegenüber den Ärmsten der
Welt nur dann einhalten, wenn
- neue, ungebundene Mittel zur Steigerung der öffentlichen EZA beitragen,
- bindende Stufenpläne zur Erreichung von 0,7% an öffentlicher EZA
festgelegt werden,
- der entwicklungspolitische Fokus ganz klar auf weltweiter
Armutsbeseitigung liegt."
Den AID WATCH REPORT "Hold the Applause! EU governments risk breaking aid
promises" finden Sie auf
http://www.eu-plattform.at/deutsch/start.asp
Der Aid Watch Report wird in Österreich von folgenden Dachverbänden
mitgetragen: Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ),
Koordinierungsstelle der Österr. Bischofskonferenz für internationale
Entwicklung und Mission (KOO), Evangelischer Arbeitskreis für
Entwicklungszusammenarbeit (EAEZ) - unter der Federführung der
Österreichischen EU-Plattform entwicklungspolitischer NGOs.
Rückfragehinweis:
Gertraud Findl
Österreich. EU-Plattform entwicklungspolitischer NGOs
Tel.: 405 55 15-320 oder 0664-333 73 89;
www-eu-plattform.at
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