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EPAs - Economic Partnership Agreements |
PRESSEAUSSENDUNG von AGEZ und Attac Österreich
Weltweiter Aktionstag: Stopp für unfaire EU-Handelsabkommen mit Afrika!
„Die EU muss Erpressungsstrategie gegenüber AKP-Staaten beenden.“
(Wien, 26.9.2007) Anlässlich des morgigen Aktionstages „STOP EPA!“ fordern
Attac und AGEZ sowie über 200 zivilgesellschaftliche Organisationen
weltweit von der EU faire Handelsabkommen mit den AKP-Staaten (Afrika,
Karibik, Pazifik). Die EU versucht in den derzeit laufenden Verhandlungen
zu Economic Partnership Agreements (EPAs) die AKP-Staaten zum Abschluss
unfairer Freihandelsabkommen zu zwingen. Sollten die Abkommen nicht bis
Jahresende 2007 unterzeichnet werden, droht die EU den ärmsten Ländern,
Entwicklungshilfegelder zu kürzen und die Zölle auf ihre Waren drastisch
anzuheben.
„Das sind keine Verhandlungen, das ist Erpressung. Handelskommissar Peter
Mandelson muss diese beschämende und inakzeptable Strategie der EU sofort
beenden“, fordert Alexandra Strickner von Attac Österreich. „Entgegen den
Aussagen der EU-Kommission und Staatssekretär Hans Winkler existiert mit
dem GSP-plus** sehr wohl eine WTO-kompatible Lösung, welche die
Verlängerung der Verhandlungen hin zu fairen Handelsabkommen über den
1.1.2008 hinaus ermöglichen würde. An Stelle der derzeitigen Vorschläge
braucht es sozial und ökologisch nachhaltige Handelsabkommen, welche die
Ungleichheit der Partner berücksichtigen“, erklärt AGEZ-Geschäftsführerin
Elfriede Schachner.
Die EU bezeichnet EPAs als Instrumente für Entwicklung. Tatsächlich
verfolgt sie jedoch damit die Strategie der globalen Wettbewerbsfähigkeit.
Die negativen Auswirkungen auf die AKP-Staaten sind vielfältig und
dramatisch. „Die EPAs werden den politischen Handlungsspielraum der
AKP-Staaten drastisch einschränken und ihnen die Möglichkeit nehmen ihre
Entwicklung selbst zu bestimmen und zu gestalten“, erklärt Gyekye Tanoh
aus Ghana vom African Trade Network anlässlich seines Besuches in Wien.
EPAs umfassen den Abbau der meisten Güterzölle, die in vielen Ländern
einen beträchtlichen Anteil am Staatsbudget ausmachen, sowie darüber
hinaus die Liberalisierung von Investitionen und Dienstleistungsmärkten
sowie der Wettbewerbspolitik.
Die EU verlangt einen zollfreien Zugang von bis zu 90% der Märkte der
AKP-Staaten. Dadurch würden drei Viertel der AKP-Länder mindestens 40%
ihrer Zolleinkünfte verlieren. „Diese Rückgänge der Staatseinnahmen würden
Ausgaben für Armutsbekämpfung, Bildung und Gesundheit sowie regionale
ökonomische und soziale Entwicklung massiv gefährden. Armut und soziale
Ungleichheit werden weiter zunehmen“, so Tanoh.
Produzenten in AKP-Staaten können mit EU-Importen aufgrund deren
wirtschaftlichen Größe und besseren Technologie nicht konkurrieren. Im
Aufbau begriffene Industrien würden so zerstört. Die überwiegende Mehrheit
der Bevölkerung in den agrarisch dominierten AKP-Ländern wäre weiters
durch billige EU-Importe direkt von Armut bedroht. „Ein EU-Bauer erhält im
Durchschnitt das 100-fache des Verdienstes eines afrikanischen Kleinbauern
an Subventionen. Sehen so faire Abkommen aus? Allein in der kenianischen
Milchwirtschaft werden EPAs zum Verlust von etwa 625.000 Arbeitsplätzen
führen, 65% der verarbeitenden Industrie wäre im Fortbestand bedroht“,
erklärt Tanoh. Gleichzeitig führen EPAs dazu, dass in AKP-Staaten Steuern
für europäische Konzerne gänzlich gestrichen und stattdessen Massensteuern
auf Konsum durchgesetzt werden. Dies würde wiederum die Ärmsten betreffen.
„EPAs setzen in den ärmsten Ländern eine direkte Umverteilung von Arm zu
reich in Gang.“
Soziale Bewegungen, Bauernorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche
Organisationen und Nichtregierungsorganisationen aus Afrika, der Karibik,
dem Pazifik und Europa fordern die Europäische Kommission und die
EU-Mitgliedsländer deshalb auf:
• keinen Druck auszuüben (wie etwa durch die Androhung, finanzielle Mittel
zu streichen), um die EPAs bis Ende 2007 abzuschließen,
• alternative Handelsabkommen zu entwickeln, die den unterschiedlichen
Entwicklungsstand der einzelnen Länder berücksichtigen sowie Entwicklung,
Menschenrechte, Nachhaltigkeit und regionale Integration fördern,
• das Recht der AKP-Staaten auf Ernährungssouveränität, sowie ihr Recht
auf Schutz der eigenen Märkte anzuerkennen und zu unterstützen,
• ausreichende Beteiligung von Betroffenen und Parlamenten in AKP-Ländern
und EU zu garantieren,
• auf neue Themen wie Investitionen, Wettbewerb und öffentliche
Beschaffung zu verzichten.
Tanoh verweist auch auf die Illegalität der EU-Forderungen: „Laut dem
bisherigen Abkommen (dem Cotonou-Abkommen) dürfen nachfolgende
Handelsverträge keine Verschlechterung für die AKP-Staaten mit sich
bringen. Die Folgen der EPAs werden jedoch verheerend sein: Die
Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, soziale Ungleichheit und Armut
zunehmen und die politischen Spielräume für eine nachhaltige Entwicklung
werden so gut wie abgeschafft. Wir lehnen die EPAs entschieden ab“, so
Gyekye Tanoh vom African Trade Network.
*Eine aktuelle Auflistung der unterzeichnenden Organisationen aus 40
Ländern finden Sie unter
http://www.epa2007.org/main.asp?id=439
** GSP-plus (General System of Preferences). Siehe dazu die Oxfam-Studie:
A matter of political will. How the European Union can maintain market
access for ACP countries in the absence of EPAs.
http://www.attac.at/EPA-downloads
Rückfragen:
Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
01/317 40 16 oder 0699 107 66 216;
office@agez.at,
www.agez.at
Mag. David Walch, Pressesprecher Attac Österreich
01/544 00 10; 0650/544 00 10,
presse@attac.at,
www.attac.at
>>Druckversion (pdf): http://www.oneworld.at/agez/PA-EPA-20_09_07.pdf
>> Gemeinsame NGO-Erklärung zum
STOP EPAs Tag am 27. September 2007
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