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EU-Afrika-Gipfel: NGOs gegen unfaire Handelsabkommen
Für Partnerschaftsabkommen zu Handel und Migration, die ihren Namen
verdienen
Wien, 6. Dezember 2007 – Erstmals seit sieben Jahren wird am kommenden
Wochenende der EU-Afrika-Gipfel in Lissabon stattfinden. Dabei soll die
gemeinsame EU-Afrika-Strategie angenommen werden, in der sich beide
Kontinente zur langfristigen Partnerschaft verpflichten. Schlüsselthemen
werden Handel und regionale Integration, Klimawandel, Frieden und
Sicherheit, die Millenniumsentwicklungsziele und Migration sein. Während
die Welt noch debattiert, ob Großbritanniens Premier Brown oder Präsident
Mugabe aus Simbabwe den Gipfel besuchen oder nicht, wenden sich die NGOs
den Inhalten zu.
Die AGEZ, Dachverband der entwicklungspolitischen NGOs, sieht in der Art
der Verhandlungen der EU über die EPAs (Freihandelsabkommen zwischen der
EU mit den Ländern Afrikas, Karibik und Pazifik) keine echte Partnerschaft
gegeben, da hier mit Druck (wie Streichung finanzieller Mittel, Anhebung
der Zölle) gearbeitet wurde. Die NGOs for-dern, dass alternative
Handelsabkommen entwickelt werden, die Menschenrechte, Nach-haltigkeit und
regionale Integration fördern und die Ungleichheit der Partner
berücksichtigen. Die EU ist zwar weiterhin resistent, was die Vorschläge
afrikanischer Länder zum Zeitplan („Es bleibt beim 31.12.07“) und andere
mögliche Handelsabkommen betrifft („Es gibt keine Alternativen“), doch hat
sie einsehen müssen, dass sie bis zum Jahresende keine umfassenden EPAs
abschließen kann. Jedoch gibt es mit einzelnen Ländern bzw. Ländergruppen
Interimsabkommen - ausschließlich zum Handel mit Gütern, nicht zu
Investitionen und Dienstleistungen.
Viele soziale Bewegungen, Gewerkschaften, Bauernorganisationen und NGOs in
Afrika und der EU haben ihre Staatsoberhäupter vor den negativen
Auswirkungen, insbesondere auf die Landwirtschaft und die junge Industrie
Afrikas, gewarnt. Dringend notwendig ist eine echte Partizipation
zivilgesellschaftlicher Organisationen bei den EPA-Verhandlungen und bei
der EU-Afrika-Strategie. Fraglich ist weiters, wie viel Finanzmittel zur
Umsetzung der Strategie verfügbar sein werden. Es braucht eine neue
EU-Afrika-Strategie, die auf Vertrauen, Respekt und gegenseitige
Rechenschaftspflicht (dazu gehört auch die Umsetzung der Versprechen der
EU zB in der Entwicklungsfinanzierung) basiert. Die EPAs sind jedenfalls
nicht geeignet für einen solchen Vertrauensbildungsprozess.
Eine weitere wichtige Agenda des EU-Afrika-Gipfels betrifft Migration,
Mobilität und Beschäftigung. Die AGEZ begrüßt, dass bei der geplanten
Partnerschaft zwischen der EU und Afrika eine Reihe sinnvoller Maßnahmen
wie etwa zur Abfederung der Folgen der Abwanderung von Facharbeitskräften,
zur Stärkung der Rechte von MigrantInnen oder zur Unterstützung der
sozialen Aktivitäten von Diaspora-Organisationen im Rahmen der
Ent-wicklungszusammenarbeit vorgesehen sind.
In der wichtigen Frage der Migration von Afrika in die EU werden
allerdings völlig unzu-reichende Vorschläge gemacht. So wird zwar ein
„besseres Management der legalen Migra-tion zwischen den beiden
Kontinenten“ angestrebt, jedoch wird lediglich eine „zirkuläre Migration“
zwischen Afrika und der EU propagiert. Dieses Migrationsmodell ist
insofern völlig unzulänglich, als es – da nur kurzfristige
Aufenthaltsmöglichkeiten vorgesehen sind – den prekären Status und die
Illegalisierung von MigrantInnen befördert anstatt bekämpft.
Besonders problematisch ist, dass die Partnerschaft eine Reihe von
Maßnahmen der repressiven EU-Migrationspolitik wie den zunehmend in die
afrikanischen Staaten verlagerten EU-Grenzschutz beinhaltet; so die
verstärkte Kooperation zwischen Herkunfts-, Transit- und Zielländern
entlang von Migrationsrouten. Finanziert werden sollen alle Maßnahmen aus
Mitteln der europäischen Entwicklungszusammenarbeit sowie dem Europäischen
Instrument für Demokratie und Menschenrechte. Die AGEZ kritisiert den
Einsatz dieser Mittel für die Bereiche Grenzsicherung und
Kriminalitätsbekämpfung und fordert, dass ausschließlich Maßnahmen mit
klarer Orientierung auf Armutsbekämpfung aus den Töpfen der europäischen
und bilateralen Entwicklungszusammenarbeit finanziert werden dürfen.
Die Position der AGEZ zu den EPAs ist nachzulesen unter:
>>
www.oneworld.at/agez/Positionspapier-EPAs-2007.pdf;
zu „Migration und Entwicklung“unter:
>>
www.oneworld.at/agez/Migration-und-Entwicklung.pdf
>> Druckversion der
Presseaussendung (pdf)
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