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AGEZ-PRESSEMITTEILUNG
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Bei der am Freitag beginnenden 4.
Ministerkonferenz der WTO ( 9.-13. November in Katar) werden neue Themen
wie Investitionen und Wettbewerb auf der Tagesordnung stehen - ungeachtet
der Gegenstimmen der Entwicklungsländer, die immerhin drei Viertel aller
WTO-Mitglieder stellen. Darin zeigt sich auch das demokratiepolitische
Defizit der WTO. Die so genannten Entwicklungsländer plädieren anstatt
im größtmöglichen Tempo neue Bereiche in die WTO zu integrieren und zu
liberalisieren, für eine Überprüfung der Auswirkungen der in der
Uruguay-Runde ausgehandelten Abkommen in einem transparenten Prozess sowie
die Umsetzung offener Verpflichtungen der Industrieländer. Basierend auf
der These, freier Handel nütze der gesamten Menschheit, versucht die WTO
freien Handel als Ziel per se durchzusetzen. Freihandel mag zwischen gleichwertigen
Partnern den Wohlstand fallweise erhöhen, sicher nicht zwischen ungleichen:
zwischen hochindustrialisierten Volkswirtschaften einerseits und agrarisch
strukturierten bzw. zum Rohstoffabbau gezwungenen Ländern andererseits.
Folglich haben bisherige Liberalisierungsrunden keineswegs zu allgemeinem
Wohlstand geführt. Im Gegenteil: das Pro-Kopf-Einkommen von 80 Staaten
ist heute niedriger als noch vor zehn Jahren. Heute verdienen das reichste
Fünftel der Menschen 74 mal soviel die das ärmste Fünftel, 1960 betrug
das Verhältnis noch 1:30. Die AGEZ, die Dachorganisation
entwicklungspolitischer NGOs, hält die WTO in ihrer derzeitigen Form für
nicht geeignet, den Welthandel in einer Weise zu regulieren, die den
Kriterien einer demokratischen, sozial gerechten und ökologisch tragfähigen
Entwicklung entspricht. Die AGEZ sieht
insbesondere bei TRIPS- (Regeln zu den handelsbezogenen Aspekten des
geistigen Eigentums) und GATS- (Regeln des grenzüberschreitenden
Dienstleistungsverkehrs) Abkommen weitreichende negative Konsequenzen: - Für die arme
Landbevölkerung in den Ländern des Südens und für BäuerInnen weltweit
stellt die Patentierung von gentechnisch manipuliertem Saatgut gemeinsam
mit der zunehmenden Liberalisierung des Weltagrarmarktes eine Bedrohung
ihrer Ernährungssicherheit dar. Sie müssen für ihr Saatgut Lizenzgebühren
an die Konzerne der Biotechnologie zahlen. 1,4 Milliarden Menschen, von
denen fast alle in ländlichen Regionen der “Dritten Welt” leben, sind
auf selbstgezogenes Saatgut angewiesen. Die AGEZ fordert daher, keine
Patente auf lebendige Organismen zu vergeben. - Durch das GATS-Abkommen fallen auch
sensible Bereiche wie Gesundheits- und Bildungswesen, aber auch öffentliche
Güter wie Wasser unter diese Regeln. Während medizinische Versorgung und
Schulbildung bisher öffentliche Güter waren, sollen auch diese Bereiche
zunehmend von Marktlogik durchdrungen werden. Beispiel Wasser: wenn der
Verbrauch an Trinkwasser so weitergeht wie bisher, wird im Jahr 2025 die
Nachfrage um 56% höher sein als das Angebot. D.h. falls die
Wasserversorgung privatisiert wird, warten hier sehr lukrative Geschäfte.
Dabei haben bereits heute 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu
sauberem Wasser. Das AGEZ-Positionspapier zur WTO sowie
der von der AGEZ unterzeichnete Internationale Aufruf zum
Dienstleistungsabkommen (GATS) sind auf der Homepage abrufbar: www.agez.at Rückfragehinweis: Mag. Elfriede Schachner Wien, am 8. November 2001
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