Herrn
Bundesminister
Mag. Karl Schlögl
Bundesministerium für Inneres
Fax: 53 126/25 54
Wien, 10. Mai 1999
Sehr geehrter Herr Minister!
Wir sind über den Tod von Marcus Omafuwan durch
die Knebelung bei der Abschiebung durch österreichische Polizisten
zutiefst erschüttert und empört. Marcus Omafuwan suchte Schutz und
Asyl in Österreich, aber Österreich wurde für ihn nicht ein Ort des
Lebens, sondern des Todes.
Wir sind überzeugt, daß die Hintergründe, die zu
dieser Tötung geführt haben, in der ständigen Verschärfung der Asyl-
und Fremdengesetze, sowie in einem zutiefst fremdenfeindlichen Umfeld in
Teilen der Polizei zu suchen sind. Durch eine stille Billigung brutaler
und menschenunwürdiger Vorgangsweisen gegen Ausländer, insbesondere von
Schwarzafrikanern, durch höchste Stellen und einem Teil der Öffentlichkeit,
wurden immer wieder Mißhandlungen von solchen Personengruppen vertuscht
und geleugnet.
Auf Grund der gravierenden Situation, fordern wir:
Den Rücktritt von Innenminister Schlögl. Er
trägt in erster Linie die politische Verantwortung für jene Atmosphäre
in der Polizei, in der diese Tötung möglich war;
Schulung und Aufklärung der zuständigen Behörden
– unter Einbeziehung kompetenter Flüchtlings- und
Menschenrechtsorganisationen - wie diese fremdenfeindliche Haltung überwunden
werden kann;
Verbesserung der zur Zeit fremdenfeindlichen Gesetze
und Verordnungen, um eine fachkundige Prüfung von Asylansuchen
unter Beiziehung und Mitsprache von Flüchtlings- und
Menschenrechtsorganisationen zu ermöglichen.
Die Organisationen der AGEZ (Arbeitsgemeinschaft
Entwicklungszusammenarbeit) arbeiten mit zahlreichen Ländern in Afrika,
darunter auch Nigeria, Asien und Lateinamerika zusammen. Gemeinsam mit den
Menschen im Süden versuchen wir, die Lebensbedingungen zu verbessern. Die
Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte stehen dabei im
Vordergrund. Wir bedauern, daß selbst in Österreich die Menschenrechte
afrikanischer Bürger in einer derart schlimmen Weise verletzt werden.
Dagegen protestieren wir ganz entschieden und verlangen
die Aufklärung der Umstände und Verantwortlichkeiten des Todes von
Marcus Omafuwan aber auch, daß endlich ein Umdenken gegenüber
AsylantInnen eingeleitet wird, damit in Zukunft ihre menschenwürdige
Behandlung garantiert ist.
Mag. Brigitte Ornauer Univ. Prof. Dr.
Otmar Höll e.h.
Geschäftsführerin Vorsitzender