Frauen erleiden Ausbeutung und körperliche Misshandlung in
Maquila-Betrieben
Von Leticia Puente Vera
(Mexiko-Stadt, November 2001, sem-Poonal).- Juana näht in dem
Konfektionsbetrieb Nien Hsing taiwanesischer Herkunft Jeans zusammen. Es
handelt sich um einen von vielen Maquila-Betrieben im Land, in denen die
Arbeitsbedingungen nicht die besten sind. Das Unternehmen "geht arrogant
mit seinen Arbeiterinnen um, Besitzer und leitende Angestellte gehen bis
zur körperlichen Misshandlung", berichtet Juana. "Sie zwingen uns zu
Überstunden und wenn wir nicht zustimmen, kommen die Repressalien: Zwei
oder drei Tage Suspendierung von der Arbeit, Lohnverlust oder
ungerechtfertige Entlassung."
Die Frauen in der mexikanischen Maquila-Branche - eine der wichtigsten für die Regierung - werden für die unqualifiziertesten Posten und zu
sehr niedrigem Lohn eingestellt. Das ist das Ergebnis einer Studie mit
dem Titel "Die Frauen in den Maquilas", die Maria Eugenia de la O vom
Forschungsinstitut CIESAS erarbeitet hat.
Juana versichert, die Frauen blieben "ohne die Sozialleistungen des
Tarifvertrages, ohne Weihnachtsgeld, Ferien, Sonntagsgeld und
Gewinnbeteiligungen". Teil der Ausbeutung sei die Unterbrechung und
Auflösung von Verträgen "ohne Rechtfertigung". Die junge Frau berichtet
ebenfalls über Beleidigungen, Anschreien und sexuelle Belästigungen.
Während die Männer zwischen 40 und 58 Pesos am Tag verdienen (vier bis
sechs US-Dollar), bekämen die Frauen weniger und nach Akkord.
Die mexikanische Teilfertigungsindustrie hat ihre Ursprünge in den
vierziger Jahren. Heute ist sie ein Pfeiler des neuen wirtschaftlichen
Entwicklungsmodells, mit den - bis vor kurzem - höchsten Wachstumsraten
und einem hohem Anteil an den Exporten. Frauen und Männer werden
unterschiedlich eingesetzt. So sind in den Maquilas der Autoindustrie
zwei Drittel der Beschäftigten Männer, während im Textilsektor der
Frauenanteil über 75 Prozent liegt. 80 Prozent der Betriebe sind in der
Nähe der US-Grenze angesiedelt. Der Löwenanteil der fertigen Produkte
wird in die USA wird exportiert.
Die Autorin der erwähnten Studie hat eine stereotype Auffassung von der
Frauenarbeit in der Maquila-Branche festgestellt. Auch nach mehreren
Jahrzehnten sind in der Maquila Frauen kaum auf qualifizierten oder
leitenden Posten zu finden. Das gilt ebenso für ihre Stellung in der
Gewerkschaftshierachie. Zur gängigen Praxis, der sich die Frauen bei der
Jobsuche unterwerfen müssen, gehören die dem Gesetz nach illegalen
Schwangerschaftstests.
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Artikel von Poonal - Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes
lateinamerikanischen Agenturen vom 30. November 2001
http://www.npla.de/poonal/aktuell.html