Wie viel Geld braucht die Gesundheit?

Ärzte und Angestellte des Gesundheitssystems befinden sich seit über drei Monaten im Streik um Gehälter.

Ein Arzt in Nicaragua verdient ca. 300 U$ im Monat, das sind 200 U$ weniger als der mittelamerikanische Durchschnitt. Für medizinisches Fachpersonal wie Krankenschwestern oder Röntgenassistenten sieht es finanziell noch erheblich schechter aus. Seit Novemer 2005 versuchen 3000 Ärzte der Gewerkschaft Pro Salario (für Gehalt) sowie die 21 000 Mitglieder der Gewerkschaft der Arbeiter im Gesundheitsbereich Fetsalud ihre Gehaltsforderungen durch Streik durchzusetzen. Auch der Dienst in Notaufnahmen, der am Anfang noch versehen wurde, wurde und wird verweigert. Die Notaufnahmen werden hauptsächlich durch vom Ministerium zu diesem Zwecke angestellte Ärzte betreut, die allerdings teilweise nur wenig Erfahrung aufweisen können. In manchen Krankenanstalten werden nur die allerschwersten Fälle behandelt. Für die Bevölkerung ist die Situation sehr schwierig. Neben der Dienstverweigerung kam es zu weiteren Streikmaßnahmen wie Besetzungen von Regierungsbüros und Unterbrechungen des öffentlichen Verkehrs. Von den anfangs geforderten 130% Gehaltserhöhungen sind die Ärzte auf 30% heruntergegangen. Die Regierung erklärt aber, dass es nicht möglich sei, die Löhne um nicht mehr als 8-9% zu steigern. Dass die Gehaltserhöhungen nur die Inflation ausgleichen sollen, schreibt auch der IWF vor. Der Streik wurde am 20.1. vom Arbeitsministerium für illegal erklärt, die führenden Köpfe der Ärzte entlassen. Der oberste Gerichtshof gab allerdings den Streikenden recht, die Kündigungen mussten wieder aufgehoben und der Streik durfte fortgesetzt werden.

Einer Forderung von Fetsalud wurde Dienstag (28.2.) stattgegeben: Gebühren in öffentlichen Spitälern sollen abgeschafft werden. Bis jetzt befanden sich nämlich innerhalb öffentlicher Krankenanstalten auch private Abteilungen mit kostenpflichtigen Leistungen. Die Verdienste flossen nicht in die öffentliche Hand zurück, obwohl Strom, Wasser und Telefonleitungen der Krankenanstalten genutzt wurden. Bei den Verhandlungen um die Gehälter scheint es im Moment zu keinen wirklichen Fortschritten zu kommen. Quellen: El nuevo diario, Nicaragua-Forum Heidelberg (Beitrag von Stefanie Redl, 10.03.06)

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