Nach wie vor trügerische "United Colores of Benetton"

Seit vier Jahren kämpfen indigene Gruppen in Süd- Argentinien um Land ihrer Vorfahren, das von Benetton einverleibt wurde. Schenkungen zur Wiedergutmachung sollen immer wieder beitragen das angekratzte Image der "Saubermann"- Kampagne des italienischen Konzerns wiederherzustellen.

Nachdem die Mapuche- Familie Curiñanco von der Firma "Compania de Tierras Sud Argentina", die in Argentinien Benetton vertritt, im Jahr 2002 von dem Land ihrer Vorfahren vetrieben wurde, wurde die zweifelhafte Politik der Landnahme von Benetton publik. Im November 2004 schien es dann, als würde die Firma Benetton dem Druck und der Negativwerbung nicht mehr standhalten können (siehe Süd- News Artikel, April 2005). Als Versuch das "Saubermann"- Image der Firma zu retten, erklärte sich Benetton bereit, ein Stück Land von 2500 ha an den argentinischen Friedens-Nobelpreisträger Pérez Esquivel zu übergeben, damit er es für die Mapuche verwalte. Die Tatsache, dass das Land einem Nobelpreisträger, der zwar für die Rechte der Mapuche kämpft, aber nicht einer Mapuche-Organisation zur Verwaltung übergeben wurde, ließ die eigentlichen Motive dieser Landschenkung hinterfragen. Aber auch die Meinung der Mapuche, dass Benetton kein Land verschenken könne, dass dem Unternehmen nicht gehöre, ist aufgrund der nicht eindeutig geklärten Besitzverhälnisse verständlich.

Um das für Benetton sehr unangenehmne Problem aus der Welt zu schaffen, startete das Unternehmen im November 2005 einen neuen Versuch: Benetton bot nun der Regierung der Provinz Chubut (Südpatagonien) 7500 Hektar Land an mit der Auflage dort nachhaltige Projekte zugunsten der indigenen SiedlerInnen zu entwickeln und sicherzustellen. Damit meinte das Unternehmen konkrete Strategien zur Bewirtschaftung des Landes, das als "geeignet für die Landwirtschaft und Viehzucht" beschrieben wurde.

Die Regierung, die in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer "benetton- freundlichen" Politik in Mißkredit gefallen war, sah sich diesmal gezwungen kritischer zu handeln und das Angebot zu überprüfen. Das staatlichen argentinischen Institut für Forschung im Forst- und Agrar-Bereich (INTA) wurde mit einer Inspektion des Landes beauftragt und kam zu dem Ergebnis, dass lediglich 5% der Fläche landwirtschaftlich genutzt werden könnten. Zudem bieten 7500 ha gerade einmal zwei Mapuche- Familien Platz, wenn diese in Einklang mit ihrer traditionellen Lebensweise leben wollen.
Gleichzeitig wurde Benetton Ende Juni per Gerichtsbeschluss durch die Regierung Chubuts jenes Land zugesprochen, von welchem die Mapuche- Familie Curiñanco 2002 von Benetton vertrieben wurde und um das sie seit vier Jahren kämpft. Die Familie steht vor dem Nichts: "Nun haben wir weder Arbeit, noch Land, das wir bewirtschaften können. Nicht mehr einmal die Hoffnung auf eine Lösung für uns und andere zahlreiche Mapuche- Familien ist geblieben."

Die Geschichte der Curiñancos ist kein Einzelfall und spiegelt die Einstellung der argentinischen Regierung zu den im Land lebenden Indigenen wieder. Pérez Esquivel, der argentinische Friedens- Nobelpreisträger äussert sich dazu: "Es ist kein Zufall, dass Argentinien einer der zwölf Staaten ist, die sich ihrer Stimme enthalten haben, als die Vereinten Nationen am 29. Juni 06 über die Erklärung der Rechte der Indigenen Völker abstimmten. Darin findet sich unter anderem ein wichtiger Artikel zum Recht auf Land und dessen Ressourcen."


Quellen:
Indymedia Argentinien
Mapuche International Link
ADITAL, Agencia de Información Fray Tito para América Latina
Kampagne MAPUCHE LAND IS NOT FOR SALE

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