Ende des Krieges in Sicht?

Uganda: Im seit nunmehr 20 Jahre andauernden Konflikt, der unzählige Tote, hunderttausende Binnenflüchtlinge, Kindersoldaten und Sexsklavinnen gefordert hat und sich mittlerweile aus dem Norden Ugandas in den Südsudan und in die DR Kongo ausgedehnt hat, zeichnet sich ein mögliches Ende ab...

Der Anführer der Rebellengruppe Lord's Resistance Army (LRA), Joseph Kony, sowie ranghöchste LRA-Kommanteure scheinen erstmals zu ernstzunehmenden Friedensverhandlungen und Gesprächen mit der ugandischen Regierung bereit zu sein. Auch von Seiten der ugandischen Behörden zeigt man sich bereit, eine Lösung des Konfliktes der den Norden des Landes seit zwei Jahrzehnten erschüttert, mit allen Mitteln anzustreben. Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni hat Kony sowie allen zur Aufgabe bereiten Rebellen Amnestie zugesagt und ignoriert somit, dass Joseph Kony sowie vier seiner Kommanteure, Vincent Otti, Okot Odhiambo, Dominic Ongwen und Raska Lukwiya, vom Internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht werden. Gesprächsbereit Die ersten Gespräche fanden vergangene Woche unter der Leitung des südsudanesischen Vizepräsidenten Riek Machar in Juba/ Südsudan statt. Konys derzeitiges Lager dürfte im Garamba National Park im Nordosten der DR Kongo liegen. Die geschätzte Stärke seiner Truppe beläuft sich auf 1000 Rebellen, meist entführten Jugendlichen die zu loyalen Kämpfern ausgebildet worden sind. Sollten die Friedensverhandlungen erfolgreich sein, plant Kony, sich mit etwa 300 bis 500 von ihnen im Südsudan (friedlich) anzusiedeln, während der Rest nach Uganda zurückkehren würde. In der Zwischenzeit bemüht sich die ugandische Regierung um vertrauensbildende Massnahmen. So willigte man ein, Konys Mutter Nora Oting sowie etwa dreissig Verwandte verschiedener LRA-Kommanteure zusammen mit Acholi-Aeltesten und religiösen Führern aus Nord-Uganda unter der neuerlichen Vermittlung südsudanesischer Politiker zu einem Treffen mit den LRA-Rebellen zu organisieren. Sehnsucht nach Normalität? Das Treffen findet voraussichtlich dieser Tage (Abreise der ersten Gruppe aus Uganda war am 25. Juli 2006) im Grenzraum DR Kongo und Sudan statt. Diese Delegation ist die grösste, die Kony bislang zu treffen gewillt war; doch hat er bereits einen lokalen Politiker, LC5 Chairman Norbert Mao, in Gulu, einer der vom Konflikt stark betroffenen Region in Norduganda eingeladen, ihn mit einer Gruppe von 1000 ugandischen Bürgern im Garamba National Park zu besuchen. Diese neue Delegation solle auch vom Krieg Betroffene einschliessen, denn er (Kony) scheue die Konfrontation nicht, sondern die Rückkehr der Rebellen aus dem Bush sollte auch im Dialog mit der Bevölkerung erfolgen. Vom Bush an die Regierungsspitze... Die konkreten Friedensverhandlungen werden kommende Woche weitergeführt und so wird sich auch bald zeigen, wie ernstzunehmend diese sind. Die Meinungen gehen auseinander, mit manchen Vermutungen, dass die LRA die Verhandlungen wie schon in der Vergangenheit lediglich benutzen wird, um sich neu zu formieren und zu mobilisieren. Prof. Dani Nabudere, Vorsitzender des Africa Study Centre in Mbale/Ostuganda, Experte für Frieden- und Konfliktforschung, wiederum meint, die LRA solle sich nun in eine politische Partei transformieren und ihre Anliegen auf politischer Ebene weiter durchzukämpfen versuchen. Die LRA wäre nicht die erste Rebellengruppe, die sich in eine Patei wandelt: Ugandas berühmtestes Beispiel ist wohl der heutige Präsident und ehemalige Rebellenführer Yoweri Kaguta Museveni, der 1986 seine National Resistance Army aus dem Bush heraus an die Regierungsspitze geführt hat. http://www.monitor.co.ug/ Beitrag von Patricia Gerlinde Karner, 28. Juli 2006

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