gefördert durch Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

"Die kleinen Menschen, die die großen Lasten tragen"

portraitiert diejenigen, die für Trekkingwanderer aus aller Welt das Gepäck und die Güter zu deren Versorgung transportieren - Lastenträger im Himalaya, am Kilimanjaro und in den Anden. Die Fotoausstellung von Robert Lessmann ist ab 11. Jänner im Weltcafé in Graz zu sehen.

Stellen Sie sich vor: Sie tragen Lasten von 25 Kilo, 30 Kilo, oft noch viel mehr, den ganzen Tag,tagein, tagaus, bei Wind und Wetter, in großen Höhen, in absturzgefährdetem Gelände,manchmal nur in Badeschlappen und mit einer Plastikfolie als Schutz gegen Wind und Regen.Wenn Sie dafür fünf US-Dollar pro Tag, Essen und Übernachtung bekommen, gehören Sieschon zu den Besserverdienern; dann sind Sie bei einer Trekking-Gruppe angestellt und erhaltenzusätzlich meist noch ein Trinkgeld und Sachspenden. Den Lastenträgern, die Dörfer mit Waren versorgen, geht es schlechter. Sie verdienen die Hälfte und bekommen keine Extras.

Die Ausstellung zeigt diese Menschen: Bei ihrer Schwerstarbeit, in ihrer Armut, aber auch in
ihrer Würde, ihrem Arbeitsalltag, beim Spiel, beim Tanz. Und das auf drei Kontinenten: Im Himalaya,
in den Anden und an den großen Bergen Ostafrikas. Es geht dabei um Bewusstseinsbildung.
Viele der attraktiven Trekking-Destinationen sind heute Naturschutzgebiete: der
Mount Everest Nationalpark, der Kilimanjaro Nationalpark, der Inka-Trail nach Machu Picchu in
Peru. Wir haben gelernt, dass wir die großartige und fragile Ökologie im Hochgebirge schonend
behandeln müssen. Und die Menschen? Wir Wanderer und die Reiseunternehmen sind in
der Pflicht, für die Menschen, die für uns arbeiten, Fürsorge zu tragen, sie gut zu behandeln
und gerecht zu bezahlen. Ohne sie wäre die Mehrzahl unserer „Gipfelsiege“ vollkommen undenkbar.

Wer die Last trägt weiß, wo sie drückt
Seit Menschengedenken wird der Handel im Himalaya und in den Anden auf den schmalenPfaden entweder von Tragtieren besorgt, von Lamas beziehungsweise Yaks, oder eben vonTrägern, die neben ihrer Landwirtschaft als Hochgebirgsspediteure arbeiten. Der Geschmackvon Freiheit und Abenteuer, fern der familiären Pflichten, hat seinen Reiz. Einsamkeit, Alkohol,Glücksspiel und heute auch AIDS sind manchmal die Kehrseite. Mit dem Bevölkerungsdruckund der Krise der Landwirtschaft wurde dieser Nebenerwerb für immer mehr Menschen zur
Hauptverdienstquelle: Der Tourismus macht’s möglich! Er schafft die Nachfrage. Träger sindoft Saisonarbeiter, die von auswärts in die Einsatzgebiete kommen. Sie sind daher schwer zuorganisieren und schutzlos den Marktgesetzen ausgeliefert. Sie stammen meist aus niedrigerenRegionen, am Kilimanjaro beispielsweise aus den Städten Moshi und Arusha, leiden alsounter der Höhenkrankheit genauso wie wir Wanderer aus Europa. Aber sie sind schlechter ausgerüstetund verpflegt – und sie arbeiten viel, viel härter. In Nepal beginnen die Traglasten bei
30 Kilo aufwärts…

Die Hauptprobleme sind weltweit: mangelhafte Bekleidung und Schuhwerk, mangelhafte Unterkünfte, mangelhafte Ernährung, mangelhafte medizinische Versorgung, keine Versicherung.

Die IPPG (http://www.ippg.net) arbeitet für die Verbesserung der Bedingungen für Berg-Träger in derTourismus-Industrie weltweit: Träger, die für einzelne Trekker arbeiten, für organisierte Gruppen,Expeditionen und solche, die Lodges beliefern.
„Unser Ziel ist es, dass diese Träger Zugang haben zu angemessener Kleidung, Stiefeln, Unterkunft
und Essen (angemessen in Bezug auf Wetter und Höhe), medizinische Hilfe im Falle von
Krankheit oder Verletzung sowie Versicherung.“
Dafür betreibt die IPPG Lobbying, Aufklärung und direkte Aktionen wie die Einrichtung vonKleiderbanken, den Bau von Unterkunftshäusern und eines Rettungspostens. „Wir machenTourismusunternehmen, Reiseführer, Sirdars und Trekker auf die Probleme der Träger aufmerksam. IPPG unterstützt die Träger auch in ihrem Streben nach anständiger Bezahlung undvernünftiger Begrenzung der Lasten, besonders in großer Höhe.“
IPPG empfiehlt eine „Trekking-Ethik“ als Leitlinie: siehe ww.ippg.net/guidelines/index.html

Eine Ausstellung in Kooperation mit der International Porter Protection Group, Eco Himal, Südwind Agentur und Wikinger.


Ausstellung: 11. Jänner - 7. Februar 2008; Weltcafé Graz, Gartengasse 28

Eröffnung der Ausstellung: 11. Jänner 08, 19:00 Uhr mit einem Vortrag von Robert Lessmann

Veranstalter: Gesellschaft für bedrohte Völker - Steiermark

In Kooperation mit: Grazer Büro für Frieden und Entwicklung, Kulturvermittlung Steiermark, Südwind Steiermark, Weltcafe, Weltweitwandern und Reisebüro El Mundo