China verabschiedet sich von den Plastiksäcken

Vor 50 Jahren traten Plastiksäcke ihren Siegeszug rund um die Welt an und sind heute nicht mehr wegzudenken. Nicht mehr wegzudenken sind allerdings auch die ökologischen Folgen, denn die Einkaufshelfer haben die Erde praktisch mit Polyethylen überzogen. In vielen Ländern laufen Initiativen zur Reduktion des Plastiksack-Gebrauchs, nun auch überraschenderweise in China.

Die Vorteile von Plastiksäcken sind scheinbar überzeugend – leicht, billig und wasserfest, eignen sie sich für alle Arten von Einkäufen und haben dementsprechend auf der ganzen Welt Einzug gehalten. Im Vergleich zur Herstellung von Papiersäcken verbraucht ihre Produktion weniger Energie und Wasser, und als Abfall nehmen sie geringeren Platz ein.

Bedenkenlosigkeit im Umgang mit den ubiquitären Säcken ist dennoch nicht angebracht, einfach aufgrund der unvorstellbaren hohen Zahlen, in denen sie produziert werden. Worldwatch gibt die im Jahr 2002 produzierte Stückzahl mit 4-5 Billionen an. Schließlich werden die Säcke auch wieder in unvorstellbar großen Mengen weggeworfen, wobei sie sich oft der Mülltonne entziehen und stattdessen auf dem Luftweg die Umwelt verschmutzen. Sie bleiben in Zäunen hängen, werden in Fetzen zerrissen und verstopfen Kanäle. Mittlerweile bedecken sie als dauerhafte (da unzerstörbare) Schicht die Weltmeere bzw. bilden vor allem in Küstennähe den größten Anteil des vom Menschen stammenden Mülls am Meeresgrund.

Fische und Vögel sterben durch das Einatmen und Verschlucken der Polyethylenfetzen, und Tiere verheddern sich unter Wasser in Plastikteilen. Jedes Jahr gehen auf diese Weise zehntausende Wale, Vögel, Seehunde und Schildkröten zugrunde. Eine bittere Ironie in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der Abbau eines Plastiksacks ungefähr 1.000 Jahre dauert, sodass der Sack nach dem Tod eines Tieres wieder aus seinem Körper freigesetzt wird und neuerlich Schaden anrichten kann. Der Abbau führt schließlich zur Entstehung winziger Partikel, die bei Aufnahme durch kleine marine Lebewesen zu einer Konzentration toxischer Stoffe in deren Organismus führen können.

Als einfache Verhaltensregeln zur Plastikmüllvermeidung empfiehlt Worldwatch bewussten KonsumentInnen, für kleine Einkäufe, die in der Hand getragen werden können, nicht unbedingt einen Sack zu kaufen, sowie Leinensäcke zu Hause, im Büro und im Auto griffbereit liegen zu haben. KundInnen können in Geschäften die Verantwortlichen anregen, Plastiksäcke nicht gratis abzugeben oder bei Nichtverwenden eines Plastiksacks einen Preisnachlass anzubieten.

Bereits seit Jahren laufen in vielen Ländern Initiativen, die den Plastiksack-Konsum bzw. das Wergwerfverhalten der KonsumentInnen nachhaltig beeinflussen. So bewirkte etwa die Herstellung von haltbareren, teureren Säcken in Südafrika einen 90%igen Rückgang des Sackgebrauchs, eine „Sacksteuer“ in Irland hatte gar eine Reduktion um 95% zur Folge. Auch in anderen Ländern wie Australien, Kanada, Neuseeland, den Philippinen, Taiwan und England existieren Pläne für die Abschaffung bzw. Besteuerung von Plastiksäcken. In der nordwestindischen Provinz Ladakh führten Bürgergruppen eine erfolgreiche Kampagne durch, der 1. Mai wird seither als „Plastic Ban Day“ gefeiert. Von einigen Herstellern werden Polyethylen-freie, abbaubare oder kompostierbare Plastiksäcke angeboten, diese sind allerdings sehr teuer und repräsentieren nur 1% des Markts.

Neuerdings springt auch China mit einem Verbot von Produktion und Verkauf von ultradünnen Plastiksäcken (Dicke <0,025mm) auf diesen Zug auf. Das Gesetz wird am 1. Juni in Kraft treten und auch die kostenlose Verteilung der Säcke in Geschäften und Supermärkten verbieten. Ein offizielles Statement auf der zentralen Webseite der Regierung begründet diesen Schritt mit der massiven Umweltverschmutzung und der Vergeudung von Energien und Ressourcen durch exzessiven Gebrauch und inadäquates Recycling. Die BürgerInnen werden angeregt, für ihre Einkäufe wieder Stoffsäcke bzw. Körbe zu verwenden.

Beitrag bearbeitet von Dr. Judith Moser, 17.01.2008

Quelle & Link: http://www.worldwatch.org

Bild: Megan & David Powell

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook