Bekleidung hautnah

AktivistInnen der Organisation Südwind waren in Bangladesch und berichten vom Leben der ArbeiterInnen der Bekleidungsfabriken Bangladeschs.
Große Unternehmen wie KiK, New Yorker, H&M und Co. lassen ihre Produkte zu Billigstpreisen in Bangladesch produzieren. Die ArbeiterInnen zahlen dafür einen hohen Preis.

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http://www.oneworld.at/swagentur/bangla_fotos.htm

Obwohl der Mindestlohn nun nach zwölf Jahren geringfügig erhöht wurde, reicht er nicht aus, um die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Miete und Medizin abzudecken. Auch wenn die NäherInnen phasenweise sieben Tage die Woche, oft bis spät in die Nacht arbeiten, können sie sich nur ein 6 m² Zimmer mit einem einzigen Bett für die ganze Familie leisten. Dafür zahlen sie die Hälfte ihres Lohns. In kleinen Wellblechhütten oder Holzverschlägen auf Bambusstelzen über dem Wasser im Slum zu leben kostet ein bisschen weniger. Dort gibt es weder Strom oder Gas noch Kanalisation. Auch in den Nähfabriken sieht es nicht besser aus: Es ist unerträglich heiß, staubig und laut. "Die Sicherheitsvorkehrungen sind in keinster Weise ausreichend, mich wundert nicht mehr, dass so viele ArbeiterInnen in Fabriken sterben." schildert Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne, nach dem Lokalaugenschein in Bangladesch.

Wenn es Brände gibt oder Fabriken wegen mangelhafter Bausubstanz einstürzen, sterben immer wieder ArbeiterInnen. Die Ausgänge werden im Brandfall oft versperrt, damit keine Materialien gestohlen werden können. "Es ist für uns unvorstellbar, aber die Menschenleben sind weniger wert, als die Ware", erklärte Amirul Haque Amin, Generalsekretär der National Garments Federation (NGWF), einer wichtigen Gewerkschaft in Bangladesch, dem Südwind Team.
Zusammen mit den problematischen Arbeitsbedingungen, Unterdrückung von Gewerkschaften und den fehlenden Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken ist die mangelhafte Entlohnung der Auslöser für Proteste und Streiks der ArbeiterInnen. Im Sommer 2006 erreichten sie ihren Höhepunkt. Zwar wurde die Situation mit der geringen Anhebung des Mindestlohns etwas beruhigt, die Unternehmer und die Regierung setzen nun aber wieder auf Hinhaltetaktik.

Ende September schickte die NGWF deshalb ein Fax an Südwind mit der Bitte nach Dhaka zu kommen, um die Missstände in der Bekleidungsindustrie zu dokumentieren und in Europa darüber zu berichten. Das Aktionsteam von Südwind machte sich im Rahmen des Programms "Handeln für Eine Welt" auf den Weg nach Bangladesch, um Einblicke in die Probleme der ArbeiterInnen zu gewinnen. "Es ist unglaublich, dass die Menschen, die unsere Bekleidung produzieren, derart ausgebeutet werden und nicht selten die Arbeit mit ihrem Leben bezahlen müssen, wenn es zu Bränden oder Fabrikseinstürzen kommt.", empört sich Christina Schröder, die Südwind-Sprecherin für "Handeln für Eine Welt". Unfälle forderten heuer schon über 80 Menschenleben. Bei einem Brand im Sommer kamen drei ArbeiterInnen eines Zulieferbetriebs des Textildiskonters KiK ums Leben. Ihre Angehörigen bekamen 250 Euro Entschädigung.

Aber auch in Österreich müssen die VerkäuferInnen in den KiK- Filialen für die cleveren Preise ihre Rechte zurückstecken. Die Unternehmensführung blockiert die Gründung von Betriebsräten, die VerkäuferInnen haben zum Teil keine Möglichkeit auf die Toilette zu gehen, da sie oft eine Filiale alleine betreuen müssen.

Von der NGWF wurde nun eine Solidaritätsbekundung an die Angestellten von KiK übermittelt. "In einer globalisierten Wirtschaft, in der nationalstaatliche Grenzen immer weniger bedeuten, werden auch schlechte Arbeitsbedingungen durch transnationale Unternehmen immer weiter verbreitet. Deshalb müssen sich die Menschen hier und in den Billiglohnländern gemeinsam zur Wehr setzen", gibt Monika Kemperle von der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung zu bedenken.

Der Boykott bestimmter Marken ist nicht die Lösung, denn die 2 Mio. ArbeiterInnen der Bekleidungsindustrie Bangladeschs sind von ihren Einkünften abhängig.

"Nur wenn die Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich wissen, wie die cleveren Preise zustande kommen, können sie Druck auf die Unternehmen ausüben. Diese müssen begreifen, dass neben Preis und Qualität auch die soziale Verantwortung ein Kriterium in der Kaufentscheidung darstellt." resümiert Christina Schröder nach ihrer Rückkehr aus Bangladesch.

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weitere Informationen zum Südwind Programm Handeln für Eine Welt
http://www.suedwind-agentur.at/start.asp?b=52


Nähere Infos zu Bangladesch und Handlungsmöglichkeiten für KonsumentInnen
http://www.cleanclothes.at

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