Thailands Kampf gegen die Pharmariesen

Thailand wehrt sich gegen die mächtige Pharmaindustrie und setzt billige Generika ein. Das südostasiatische Land bricht Patente und öffnet damit den Weg für globale Handelsbedingungen, die ärmeren Ländern generell einen billigeren Zugang zu lebenswichtigen Arzneien ermöglichen könnten.

Große Pharmakonzerne rechtfertigen die hohen Kosten für ihre Medikamente mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Für ärmere Länder sind diese Kosten schlichtweg zu hoch. So auch für Thailand, das dem mächtigen Industriezweig jetzt den Kampf – vor allem für Medikamente gegen HIV/AIDS - angesagt hat: Indem es Patente bricht und billige Medikamente – Generika – entweder selbst produziert oder aus dem Ausland importiert. Wichtige Rückendeckung erhält Thailand von den Vereinten Nationen: Diese stellten kürzlich klar, dass Bangkok gegen kein Gesetz des „Abkommens über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums“ (TRIPS) der Welthandelsorganisation WTO verstoßen hat.

Kompromisslose USA
Die Vorgeschichte: Die US-Handelsvertretung der Welthandelsorganisation WTO setzte Thailand auf eine Watchlist von Ländern, die angeblich gegen die TRIPS verstoßen hatten. Im November 2006 hatte Thailand das Patent für „Efavirenz“, ein Medikament des US-Pharmariesen Merck Sharp and Dohme, gebrochen. Das Medikament wird in der AIDS- Therapie eingesetzt. Genauso ging Thailand in den Folgemonaten auch mit anderen wichtigen Arzneien des US-Pharmakonzerns Abbott und des französischen Unternehmens Sanofi-Aventis vor.

Vor allem Thailands Konflikt mit Abbott hatte sich in den vergangenen Monaten immer mehr zugespitzt. Die US-Firma Abbott hat aus Protest sieben Anträge auf Zulassung neuer Medikamente in Thailand zurückgezogen. Kranke hatten damit keine Chance, viel versprechende neue Mittel gegen Aids, Arthritis, Bluthochdruck und Nierenversagen zu bekommen.
Die kompromisslose Haltung der USA widerspricht eindeutig den besonderen Bestimmungen der TRIPS, die im Jahr 2001 angenommen worden waren: Sie erlauben so genannten Entwicklungsländern, in Zeiten nationaler Gesundheitskrisen Patente zu umgehen und Generika zu produzieren oder importieren. Somit handelt Thailand nicht nur seinen eigenen Gesetzen, sondern auch WTO-konform.

Breite internationale Unterstützung
Eine breite Sektion von thailändischen und internationalen AktivistInnen, HIV-PatientInnen und AkademikerInnen unterstützen die mutige Vorgangsweise des asiatischen Landes. Sie erhoffen sich, dass das thailändische Bestreben nach billigeren Medikamenten internationale Wirkung zeigen wird. Eine Hoffnung, die der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva bereits erfüllte: Er unterzeichnete unlängst in Brasilia einen Beschluss, der die Herstellung eines Generikums für Efavirenz vorsieht.

Die konsequente Vorgehensweise thailändischer Gesundheitsbehörden zeitigt einen nicht unbeträchtlichen Erfolg: Derzeit sind ca. 90 Prozent der Personen, die Arzneien gegen HIV/AIDS benötigen, in einem Gesundheitsprogramm erfasst und werden dort auch behandelt. Die Maßnahmen sind in Thailand besonders wichtig: Über 600.000 Menschen sind in dem südostasiatischen Land mit HIV infiziert, 300.000 AIDS-Tote sind offiziell registriert.

Für seinen Beschluss, Menschenleben über den Unternehmensgewinn zu stellen, genießt Bangkok internationale Anerkennung.


Beitrag bearbeitet von Mag.a Elke Salomon, 21.05.07

Quellen:
http://www.oneworld.net/article/view/149102/1/
http://www.aegis.com/news/ips/2006/IP060901.html
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=34598

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