Burma Reihe Teil 2: Asiens Tränen. Burma im Würgegriff von Macht und Kampf um Ressourcen

Mit der Ausbeutung seiner Ressourcen stellt Burma die Antriebskraft für Asiens Wirtschaftsmächte. Der Handel mit Teak, Edelsteinen, Energie und Drogen bringt Waffen, Geld und politische Macht.

Und die politische Macht der Militärjunta wächst
Hat sich Burmas Militärregime doch bereits als politische Macht in Asien entpuppt, als es sich anschickte der Großmacht China nahezulegen gegen eine Unabhängigkeit Taiwans militärisch vorzugehen. Auch begrüßte Burma Chinas Anti-Sezessionsgesetz, welches den sofortigen Angriff rechtfertigt, falls sich Taiwan für unabhängig erklärt.

Energie für Asiens Wirtschaftsmächte
China und Indien sind nur zwei der energiehungrigen Partner in der Region. Auch Länder wie das benachbarte Thailand – selbst Zuflucht für hundertausende Flüchtlinge aus Burma, haben einen stetig ansteigenden Energiebedarf. Um in Politik und Wirtschaft mithalten zu können, wird auch hier von den inhumanen Vorgängen innerhalb Burmas durchaus profitiert. Selbst das weit entfernte Japan mischt tatkräftig mit.

Wasserkraftwerke und Dammbauprojekte
Die Investoren für die Dammbauprojekte kommen aus Thailand, China und nicht zuletzt aus Japan. Asiatische private Investoren machen es möglich. So liefert die japanische Kansai Electric Power Company die technische Assistenz für nicht weniger als 12 Wasserkraftwerke. Studien für weitere Kraftwerke bietet man gerne an. Zwischen 1980 und 2000 führten die Nippon Koei Co ähnliche Studien durch, von 2000-2001 das Tokyo Electric Power Service. China finanziert Wasserkraftwerke über seine Import-Export Bank. Hier interessiert man sich auch für den umstrittenen Salween River Dammbau. Weiteres chinesisches Engegement kommt von Firmen wie China International Trust and Investment Corporation, Yunnan Machinery and Equipment Import and Export Corporation sowie China National Machinery and Equipment Import and Export Corporation. Während an der Thai-Burma Grenze Thailand unterstützend mitwirkt, versucht man an der Indo-Burma Grenze das Interesse Indiens für sich zu gewinnen.

Der Master Plan
Wie sehr hier die gesamte asiatische Region – sei es direkt oder indirekt - mit verwoben ist, zeigt ein „Master Plan“ der Asian Development Bank. Danach sollen Wasserkraftwerke aus Burma, China und Laos Energie für Thailand und Vietnam liefern. Der Hauptinvestor in die Asian Development Bank ist wiederum Japan.

Zukunftspläne einer Militärjunta
Die Größe der Projekte lässt sich schnell erkennen. Werden von den Wasserkraftwerken bislang etwa 400MW geliefert, so will die Militärregierung mittels dutzender weiterer Projekte auf 25.000MW aufstocken. Die momentane Gesamtkapazität der Energie beläuft sich auf etwa 1.200MW.

Salween – die heilige Mutter der Flüsse

Die zur Verfügung stehenden Wasserläufe Burmas zählen zu den längsten in Asien. Um nur einige Bekanntere zu nennen: Mekong, Shwegyin und Salween. Der Salween Fluss mit einer Länge von 2.800 km entspringt am Tibet Pateau, fließt durch die chinesische Provinz Yunnan, über die China-Burma Grenze in den Shanstaat und den Kayahstaat. Er setzt seinen Lauf an der Thai-Burma Grenze fort, um schließlich im Monstaat Burmas in den Indischen Ozean zu münden.


Auswirkungen für die Bevölkerung
Die Auswirkungen für Bevölkerung und Natur sind dramatisch. Wird zum Beispiel der Dammbau am oberen Salween nicht gestoppt, so bedeutet dies, allein am anderen Ende des Flusses im Mündungsgebiet den Verlust von Heim, Farmland, und Fischerei. Betroffen sind hier über eine halbe Million Menschen.

Zwangsvertreibungen, Drogen und Vergewaltigung

Jeder Dammbau, ebenso wie Abholzungen und der dazu nötige Wegebau, fordert von der Bevölkerung das Verlassen ihrer Dörfer unter dem Druck des Militärs. Drogen und sexueller Missbrauch tun das Ihrige, um die Menschen einzuschüchtern und zu vertreiben. Die Folge sind Zerstörung der Dörfer, beim Dammbaudie Überflutung ganzer Landschaften, Anbau-, Weide- und Siedlungsgebiete; von der Zerstörung eines der an Biodiversität reichsten Regionen Asiens ganz zu schweigen.

Burma – der Himmel der Edelsteine
Wenig diskutiert ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des burmesischen Militärregimes: Edelsteine. Das Interesse internationaler Juweliere und Edelsteinhändler an diesen Schätzen Burmas liegt jenseits von Embargos und Boykott. Gilt Burma doch als Himmel der Edelsteine.

Die zwei Seiten der Medaille
Die Ausgebeuteten sind die so grausam unterjochten und von der Willkür des Militärs gepeinigten indigenen Gruppen. Sie sind die wahren Besitzer des Landes und dessen Reichtums. Doch obgleich sie an den Quellen leben–Teak, Gold, Gas oder gar Edelsteine – sind sie es, die verarmen,verstoßen und vertrieben werden, als MinenarbeiterInnen und TrägerInnen unter Folter um ihr Überleben kämpfen. Wer unter der Last der Zwangsarbeit zusammenbricht, wird liegengelassen oder gleich getötet. Durch Minenfelder lässt man gerne Kinder als lebende Minensucher vorangehen. Ausgebeutet werden auch die Minen. Sammler sowie potentielle Käufer loben die Art des „minings“, die von Naturschützern allerdings längst angeprangert wird. Der Verkauf von Edelsteinen und Jade ist Burmas wichtigste Einnahmequelle.

Edelstein Touren und internationale Edelstein Auktionen
Interessierte reisen durch das Land, von einer Edelsteinmine zur anderen: Man klettert hinein und fühlt sich wie im Himmel. Dies versprechen jedenfalls Hotels und bieten Luxus pur . Oder man ist einer der geladenen Gäste der Junta, wenn sie wie im Juni 2006 ihre weltweit größte „Gem Show“ abhält. Seit 1964 konnte Burma mehr als 453 Mio.US-Dollar (die Angaben schwanken bis 600 Mio.USD) durch diese Messen an Gewinn verbuchen. Da viele Teile dieser Industrie von Drogenhändlern kontrolliert werden, dienen solche Ereignisse auch gleich zur Wäsche von Drogengeldern.

Die Junta kann sich freuen

Der Export an Edelsteinen und Jade nahm in den letzten drei Jahren immer mehr zu. Allein im Oktober des letzten Jahres ging eine Tonne Jade nach Deutschland, weitere Lieferungen nach Spanien. Zu den bestehenden 215 Minenblöcken kamen 370 weitere dazu. Burmas Rubine, Diamanten, Smaragde und Saphire, auch seine hochwertige Jade sind nach wie vor weltweit begehrt.

Ein Bericht von Sonja Peschek, 21.05.07

Quellen:
Irrawaddy News
Searin.org
BurmaNet.org
Ibiblio.org
Asienhaus.de

weiterführende Links:
Report: Under Attak. Two Gypsies.
“Overseas Chinese in Myanmar condemn Chen Shui-bian for "Taiwan independence" remarks”, Peoples Daily online, 2007
“Myanmar welcomes China’s anti-secessionist law”, BurmaNet.org, 2005
MYANMAR INFORMATION COMMITTEE, YANGON, Information Sheet, N0. D- 3591(I), 2006
“Back Pack Health Workers, Dr. Cynthia Maung
Shan Women Action Network
„Turning Treasure into tears“, 2007, ERI Report
The Generals' Dam On Burma's Salween River
The Searin.org
“VerDAMMt in Burma”, Terres des Hommes
““Poisoned Flowers”, Report der Palaung Womens Organisation
Searin.org
„Myanmar Gem Show“, Bericht von BurmaNet.org
„Unterdrückung durch die Militärjunta“, Jänner 2007, Bericht von GfbV
„Burma veranstaltet Edelsteinmesse“
“Terra non grata”, Bericht
„Myanmar enhances gem mining in 18 years”, China Peoples Daily

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