Seit Beginn der neunziger Jahre wurden die San in Botswana aus der Kalahari-Wüste, in der sich ertragreiche Diamantenmienen befinden, vertrieben und zwangsweise umgesiedelt. Ein Gerichtsurteil vom Dezember letzten Jahres, erklärte diese Vorgehensweise der Regierung für illegal, und ordnete an, dass die San zurückkehren dürfen.
Jetzt, fast ein halbes Jahr später, kümmert sich die Regierung noch immer nicht darum, den San bei der Rückkehr zu helfen, im Gegenteil, es wird sogar versucht sie davon abzuhalten. Der Präsident von Botswana drängte sie darauf nicht zurückzukehren und der Generalstaatsanwalt meinte, nur jene Personen die im Prozess namentlich genannt wurden dürften zurückkehren., sagt Miriam Ross von Survival International im Gespräch mit Oneworld. Einige San gingen bereits nach Hause. Hunderte weitere wollen das zwar unbedingt tun, haben aber Angst vor etwaigen Konsequenzen Angst. So wurden etwa einige Anfang des Jahres verhaftet und mehrere Tage ohne Essen festgehalten., so Ross weiter.
Bisheriger Höhepunkt war die Einreiseverweigerung für siebzehn Personen, darunter Journalisten und Menschenrechtsaktivisten. Auch der UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte und Grundlegenden Freiheiten Indigener Völker Rodolfo Stavenhagen wurde an der Einreise behindert. Vorwand war eine Klausel in den Visumsbestimmungen des Landes. Die Regierung von Botswana denkt offenbar, sie habe etwas vor dem UN-Sondervermittler zu verbergen. Und das ist tatsächlich so! Trotz des Hohen Gerichtes von Botswana, das zugunsten der San entschied, versucht die Regierung dennoch, diese davon abzuhalten, auf ihr Land zurückzukehren., sagte Stephen Corry, Präsident der Organisation Survival International, der selbst des Landes verwiesen wurde. Botswana galt lange Zeit als Vorzeigeland, das über eine stabile Demokratie und freie Presse verfügt. Auf dem internationalen Korruptionsindex von Transparency International lag das Land 2005 auf Platz 32, acht Plätze vor Italien. Seit den letzten Wahlen im Jahr 2004, welche wie immer seit der Unabhängigkeit 1966 die Botswana Democratic Party gewann, kam es zu grundlegenden Veränderungen in der politischen Kultur des Landes. So wurden mehrere ehemalige hochrangige Militärs in Schlüsselpositionen der Regierung geholt. Auch wird damit spekuliert, dass der Ex-General Ian Khama, 2009 die Nachfolge von Präsident Festus Mogae antreten könnte.
Kritiker sehen in der Vorgehensweise der Regierung eine Erosion der Demokratie des Landes. Der botswanische Journalist Thapelo Ndlovu etwa meint gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Langsam aber sicher degenerieren wir zum typischen afrikanischen Staat, wie ihn sich die meisten Menschen vorstellen.
Für die San bleibt die Lage also nach wie vor ungewiss. Wir wollen auf unserem Land leben und unsere Lebensweise selbst bestimmen., ist wiederholt Roy Sesana unermüdlich. Er wurde 2005 für sein Engagement mit der Organisation First People of the Kalahari mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Bis es jedoch soweit ist, und ob es in absehbarer Zeit überhaupt dazu kommen wird, scheint beim derzeitigen Verfall der Rechtsstaatlichkeit, mehr als fraglich.
Autor: Florian Gasser 23. Mai 07
Links: http://www.iwant2gohome.org/ http://www.survival-international.org/
Fotoquelle: http://www.rightlivelihood.org
|