GOOD GOVERNANCE ZAHLT $ICH AU$

Wenn es laut der „Mo Ibrahim Foundation“ geht, trägt Good Governance in Afrika seit dem 22. Oktober 2007 einen Namen, jenen Joaquim Chissanos. Mosambiks langjähriger Präsident kann nach seinem Rückzug aus der Politik nun auf eine ansehnliche Rente zurückgreifen.

Als Gewinner des im Jahr 2006 ins Leben gerufenen „Mo Ibrahim Prize for Achievement in African Leadership“ verfügt er in den nächsten zehn Jahren über ein Gesamteinkommen von rund 5 Mio. US-$ (3,5 Mio. €). Nach Ablauf dieser Frist erhält er weitere 200.000 US-$ pro Jahr ausbezahlt – sein Leben lang. Weiters kann er für die nächsten zehn Jahre eine Summe von bis zu 200.000 US-$ per annum für die Unterstützung seiner öffentlichen Aktivitäten und für wohltätige Zwecke nutzen.
Chissano wurde aus der Reihe jener Staatschefs der 48 afrikanischen Länder südlich der Sahara ausgewählt, die innerhalb der letzten drei Kalenderjahre aus ihren Ämtern ausgeschieden waren. Als erster frei gewählter Präsident Mosambiks trat er im Oktober 2004 nach zwei regulär gewonnenen Wahlen und insgesamt 18 Jahren an der Regierungsspitze von seinem Posten zurück. Allein diese Tatsache scheint in
Subsahara-Afrika eine Ausnahme zu bilden, wo Korruption, Vetternwirtschaft und ein Hinwegsetzen über fundamentalste Grundregeln der Demokratie – wie etwa jenem der Amtsaufgabe nach abgelaufener Dienstzeit – nach wie vor gang und gäbe sind.
Daneben begründet die sechsköpfige Preiskommission unter dem Vorsitz des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan ihre Entscheidung mit “President Chissano’s achievements in bringing peace, reconciliation, stable democracy and economic progress to his country […]“1. Er habe sich durch schwere Zeiten hindurch als eine kraftvolle Stimme Afrikas nicht nur innerhalb, sondern weit über die Grenzen seines Landes hinweg bewährt und gelte als voraussichtiger Wegbereiter für eine bessere und fairere Zukunft.

Die „Mo Ibrahim Foundation“ wurde im Jahre 2006 von Mo Ibrahim ins Leben gerufen, seinerseits durch die Gründung und den Verkauf des afrikanischen Mobilfunkanbieters Celtel einer der erfolgreichsten und wohlhabendsten Unternehmer des Kontinents. Das von ihm gestiftete, weltweit höchstdotierte Preisgeld für eine Einzelperson soll laut einem Zitat in „Der Standard“ den afrikanischen Staatsoberhäuptern jedoch in erster Linie den Anreiz bieten, ihre Stelle nach abgelaufener Amtszeit freizugeben, ohne danach auf das gewohnte Leben in Luxus verzichten zu müssen.2

Dass Joaquim Chissano seinen Anspruch auf das Amt des Präsidenten nicht mehr geltend machte, obwohl ihm verfassungsmäßig noch eine dritte Kandidatur zugestanden hätte, muss ihm – gegenüber seinen an ihrer Macht- und Geldposition festhaltenden Kollegen – wohl hoch angerechnet werden. Der Großteil jener Menschen, die ihm aber erst zu seinem Amt verholfen, ihn über all die Jahre unterstützt und schlussendlich dazu beigetragen haben, dass Chissano nun diese mehr als reichen Früchte seiner Arbeit ernten kann, hätten sich bestimmt schon mit weniger Luxus zufrieden gegeben. Dem Zugang zu sauberem Trinkwasser vielleicht…

1www.moibrahimfoundation.org
2siehe dazu „Der Standard“, 24. Oktober 2007, S.4.


Artikel bearbeitet von Regina Tschurtschenthaler am 06.11.2007

Bild: © marika / www.pixelio.de

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook