gefördert durch Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

Manu Chao im Interview nach seinem Wien-Konzert

Am 1. November 2007 spielte Manu Chao, die Musik-Ikone der globalisierungskritischen Bewegung in der Wiener Stadthalle vor 13.000 tobenden Fans.

"Eigentlich bin ich eine schüchterne Person." Interview mit Manu Chao Am 1. November 2007 war es wieder soweit. Manu Chao, die Musik-Ikone der globalisierungskritischen Bewegung beehrte Wien und spielte in der Wiener Stadthalle vor 13.000 tobenden Fans auf. Nach dem Konzert unterhielt er sich bei einem Bier ausführlich mit den ORANGE 94.0 Radio-RedakteurInnen Ulla Ebner + Jürgen Plank ( http://www.myrevolutionarysweetheart.tk ) sowie mit Vjatka Ostojic ( http://www.jardinrojo.com ). Ulla: Barcelona hat ja eine sehr lebendige Musikszene. Was ist denn das Besondere an Barcelona? Manu: Na ja, das Besondere ist heutzutage gar nicht mehr so schön. Es gibt mittlerweile viel Repression auf der Straße. Früher war es Bands erlaubt, in Barcelona Straßenmusik zu machen. Es war einfach und interessant dort zu spielen und wir hatten eine sehr lebendige Straßenkultur. Ich selber spielte dort viele Jahre lang. Und auch Ojos de Brujo, Muchachito Bombo Infierno, der ja heute ganz groß ist, ist ein reines Produkt der Straßen von Barcelona. Macaco, Wagner Pá und viele andere. Unsere Generation von Musikern hatte das Glück, dass wir die Straße nutzen konnten, um zu lernen und das Publikum direkt zu erreichen. Ich bin ein wenig besorgt um die musikalische Zukunft von Barcelona, denn Straßenmusik wird mittlerweile stark unterdrückt. Viele Bands sind in Barcelona damals aus einer bestimmten Realität heraus entstanden, aber heute ist die Realität eine andere. Das Leben auf Barcelonas Straßen ist nicht mehr einfach. In den letzten Jahren sind noch ein paar neue Straßenbands entstanden, wie Che Sudaka oder Golem… hauptsächlich Musiker aus Argentinien, die während der Krise 2000/2001 nach Barcelona kamen, um hier von der Straßenmusik zu leben. Aber das wird von Tag zu Tag schwieriger. Und deshalb bin ich besorgt, denn was soll denn in Zukunft aus der musikalischen Kreativität Barcelonas werden, wenn sie uns unseren Proberaum, die Straße, wegnehmen? Denn wo gibt es einen besseren Proberaum, als die Straße? Jürgen: Und wie kam es zu deiner Verwandlung von einem Straßenmusiker in jemanden, der vor 13.000 Menschen in der Wiener Stadthalle spielt? Manu: Das war ein langer Prozess, der Schritt für Schritt vor sich ging. Das ist der Lauf des Lebens. Ich mache ja schließlich schon seit über zwanzig Jahren Musik. Ich begann in Paris. Dort war es das gleiche. Der beste Proberaum, den wir dort hatten, als uns noch niemand kannte, war die Metro. In der U-Bahn haben wir viel gelernt. Dort hab ich Garbanzito, meinen Perkussionisten kennengelernt und dort fanden die ersten Proben von Mano Negra statt. Dort sind wir groß geworden. Aber heutzutage wird das auch untersagt. Die jungen Bands haben es sehr schwer. Mittlerweile ist es aber so, dass uns viele Leute sehen wollen. Sobald wir vorher ankündigen, wo wir spielen, wird das eine riesige Sache. Das ist die Kehrseite der Medaille. Aber wir haben natürlich unsere Methoden, um nicht völlig von den kleinen Clubs abgeschnitten zu werden. Wenn wir auf der Straße oder in kleinen Bars spielen wollen, dann ändern wir unseren Namen. Wir erfinden irgendwas und nennen uns Bombachito Sisters oder wie auch immer. Wir wollen es uns nicht verbieten lassen, in kleinen Bars zu spielen. Aber oft ist halt das Problem, dass wir irgendwo eine halbe Stunde spielen und dann geht’s los: Handys werden gezückt, massenhaft SMS verschickt und eine Stunde später stehen tausend Leute vor dem Lokal auf der Straße. Und für die Bar ist das meist problematisch, denn wie es heutzutage in Europa so ist, müssen Lokale Strafe zahlen, wenn tausend Leute davor stehen… Und darum surfen wir manchmal ein wenig herum. Wir spielen in einer Bar und sobald sie sich zu sehr füllt, überlassen wir die Bühne irgendeiner anderen Gruppe und ziehen weiter zur nächsten Bar. Wir surfen quasi vor der Welle. Ulla: Aber mittlerweile bist du ein Star und auf der ganzen Welt bekannt. Wie hat dich der Erfolg eigentlich verändert? Und welche neuen Möglichkeiten bietet er dir? Manu: Ruhm hat gute und schlechte Seiten. Es gibt Leute, die sagen, Ruhm ist Scheiße. Aber ich finde, man sollte sich nicht in die eigene Suppe spucken. Ein Problem ist etwas ganz anderes, ein Problem ist es, arbeitslos zu sein, vier Kinder zu haben und nicht zu wissen, wie man sie ernähren soll. Das ist ein echtes Problem. Aber natürlich bringt Ruhm auch gewisse Probleme mit sich. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Für mich ist der Ruhm bislang noch nicht zum Problem geworden, weil er mich noch nicht von der Straße fernhält. Das ist sehr wichtig für mich. Ich kann jeden Tag auf die Straße gehen und niemand erkennt mich. Jürgen: Wirklich nicht? Manu: Na ja, manchmal schon. Aber der Kontakt mit den Menschen auf der Straße ist sehr freundschaftlich und ruhig. Ich werde nicht unter Druck gesetzt. Ganz im Gegenteil, die Leute geben mir Kraft. Denn eigentlich bin ich von Natur aus eine eher schüchterne Person. Und drum tut es mir auch manchmal gut, wenn mich in der U-Bahn jemand erkennt. Manchmal schaut mich jemand eine Zeitlang an und fragt dann: „Sag’ mal, bist du nicht Manu Chao?“ und ich sage dann: „Ja, so nennt mich meine Mutter.“ Aber dann wird er misstrauisch und sagt: „Nein, du bist doch nicht Manu Chao. Manu Chao ist viel größer…“ und dann sag’ ich: „Na gut, wie du willst, dann bin ich eben nicht Manu Chao.“ Aber manchmal entsteht eine Beziehung zwischen mir und den Menschen. Zuerst fragen sie mich Dinge über mich und wir plaudern und dann frag’ ich auch Dinge über sie, was sie so machen, was sie arbeiten, wie es in ihrem Leben so läuft… Und so lerne ich auch etwas. Der Ruhm wäre dann ein Problem für mich, wenn ich nicht mehr ruhig auf die Straße gehen könnte. Ich kenne Leute, die das nicht tun können. Vor kurzem habe ich Diego Maradona getroffen und der kann nicht einfach so in der Öffentlichkeit herumspazieren. Das würde ich nicht aushalten.

Jürgen: In unserem Radioprogramm „my revolutionary sweetheart“ geht’s ja um Revolutionen… Du interessierst dich für die EZLN. Wie kam es dazu? Manu: Ich habe die EZLN 1993 kennengelernt. Wir waren gerade in Kolumbien, als der Aufstand in Chiapas stattfand. Die Botschaften, die von dort ausgesandt wurden, waren klar und weitblickend. Die Menschen aus dem Lakandonischen Urwald in Chiapas haben mir die Augen geöffnet, was in unserer Welt los ist und haben mich auf das Thema Globalisierung gebracht. Eine neue Realität hat mich erreicht. Aber es handelt sich dabei nicht nur um die Realität in Chiapas, sondern um eine umfassende und höchst interessante Analyse der Welt. Und jetzt nach so vielen Jahren hab ich sehr viel Respekt. Denn die Umstände dort sind extrem hart, aber die Botschaft ist nicht verloren gegangen. Ich hab schon so oft im Leben Bewegungen gesehen, die als eine wunderschöne Blume geboren werden, aber dann aus verschiedensten Gründen – meist geht’s ums Ego – ihre anfänglichen Ideale verraten haben. Aber die Zapatisten haben eine unglaubliche Kraft, sodass ich nach über zehn Jahren die Botschaften immer noch glaube, die von dort kommen. Das ist etwas Unglaubliches. Der ganze Prozess der zapatistischen Bewegung in den letzten Jahren ist beispielhaft. Ulla: Wenn wir schon vom Weltverändern sprechen… Worin siehst du eigentlich deine Aufgabe als Künstler in dieser Welt? Manu: Na ja, ich bin Sänger. Ich glaube, dass wir Künstler und Sänger eine gewisse Verantwortung tragen. Denn wir haben Zugang zum Mikrophon. Viele Leute haben das nicht. Es gibt andere Künstler, die das vielleicht nicht so sehen und das respektiere ich auch. Denn das Wichtigste für einen Künstler ist seine Freiheit. Jeder wie er will. Aber ich sehe darin eine Verantwortung, dass ich Zugang zum Mikrophon und zum Sprachrohr habe. So kann ich sagen, was ich denke. Aber nicht nur das. Ich teile das Sprachrohr auch gerne mit Menschen, die zu bestimmten Themen mehr zu sagen haben, als ich selbst, weil sie bestimmte Dinge jeden Tag erleben. Wenn wir etwa das Beispiel Chiapas hernehmen, dann ist es mir natürlich viel lieber, wenn ein Kollege spricht, der jeden Tag die Realität im Lakandonischen Urwald erlebt. Klar, das Mikro steht vor mir, aber ich kann es jederzeit an jemand anderen weitergeben. Und so kommen jene Menschen zu Wort, die täglich gewisse Probleme am eigenen Leib erleben. In letzter Zeit habe ich z.B. viel mit Prostituierten in Madrid gearbeitet. Sie erleben ihre eigene Realität, eine rohe und schwierige Realität. Und diese Frauen haben sehr viel zu sagen. Es war ein sehr schönes Zusammentreffen und ich hab das Lied „Me llaman calle“ geschrieben. Das ist eine Welt, die ich vorher nicht kannte. Oder ein anderes Beispiel ist das Radio Colifata in Argentinien. Dort arbeite ich mit Insassen einer psychiatrischen Klinik. Da stellt sich mir die Frage: Wer ist verrückt und wer nicht? Wo ist die Grenze? Ulla: Was genau machst du mit Radio Colifata? Manu: Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit ihnen. Wir haben verschiedene Sachen gemacht. Mehrere „Street CDs“. Eine erste Sache war die CD „Colifata“ mit Straßenmusikern aus Barcelona. Das war kein Projekt um Colifata zu unterstützen, sondern umgekehrt: Colifata unterstützte die Straßenmusiker in Barcelona, als die Repression anfing. Vor ein paar Jahren war es noch möglich, sich in Barcelona auf die Straße zu stellen und ein oder zwei Stunden zu spielen um sich so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber mit der jetzigen Repression ist es schwierig, so lange auf der Straße zu bleiben. Und deshalb ist es für die Künstler besser, eine CD zu haben, die man verkaufen kann. Das war die erste Kooperation mit Colifata und dann trafen wir uns in Porto Alegre und auch in Buenos Aires. Wir haben im Radio mitgemacht und in Argentinien ein paar unglaubliche Konzerte gespielt. Colifata und Radio Bemba. Jetzt nehmen wir gerade eine neue CD auf. Im November fahr ich nach Buenos Aires, um sie fertig zu stellen. Die Colifata hat gerade viele finanzielle Probleme. Und darum sollen sie mit der CD Geld verdienen. Ulla: Was ist dabei die Rolle der Insassen der Klinik? Manu: Sie sind Dichter. In den vielen Jahren, in denen wir zusammenarbeiten hat sich etwas entwickelt… Die Insassen der Colifata erklären mir die Welt auf eine völlig klare Weise, den Krieg, die Liebe, die Realität des Wahnsinns, was gerade am Planeten Mars passiert, was auf den Straßen von Buenos Aires passiert oder sonst irgendwo. Und für etwas, das ich in tausend Wörtern zu erklären versuche, brauchen sie nur drei. Das ist eine Klarheit… für mich sind das Meister der Klarheit. Und sie haben eine unglaubliche Kraft. Ich lerne sehr viel von ihnen. Vjatka: Apropos Argentinien… Was sagst du denn zu Christina, der neuen argentinischen Präsidentin? Und was hältst du von der chilenischen Präsidentin Bachelet? Manu: Ich weiß nicht so recht, was ich von all dem halten soll… Es sind professionelle Politikerinnen. Und da hab ich ein gewisses Misstrauen. Es fällt mir sehr schwer, ihnen zu glauben. Vor zwanzig Jahren hatten Politiker noch die Möglichkeit, gewisse Dinge zu verändern. Heute haben sie das nicht mehr. Sie sind Marionetten der Wirtschaft. Wer wird denn gewählt in einem Land? Der, der im Fernsehen besser ausschaut und nicht der, der das bessere Programm hat. Aber wenn wir uns Lateinamerika anschauen: Jenes Land, das mich am meisten begeistert, wo am meisten geschieht und wo es mir sehr weh tut, welche Art von Information hier nach Europa kommt, ist Venezuela. Das ist keine journalistische Information. Ich habe eine gewisse journalistische Ethik, denn mein Vater ist Journalist. Die Information, die in Europa über dieses Land verbreitet wird, ist Propaganda. Ich bin kein Chavist, ich bin Manu und ich war nie auf der Seite von irgendwem. Aber was da in Venezuela passiert, ist sehr interessant. Es ist einzigartig. Da tut sich wirklich was. Ich war schon vor Chavez mal dort. Chavez war damals gerade im Gefängnis. Mit Mano Negra haben wir in den Barrios von Caracas gespielt und die dortige Realität kennengelernt. Letztes Jahr war ich wieder ein paar Mal dort. Und ich finde das sehr aufregend. Da passiert etwas, da wird etwas Neues erfunden. Und wenn ich sehe und lese, welche Informationen über die Mainstream-Medien hierher gelangen, finde ich das widerlich. Auf der anderen Seite ist das auch ein interessantes Signal, denn das bedeutet, dass sie wirklich Ärger machen... In Venezuela habe ich ein Vertrauen der Jugend in die Politik gesehen, wie sonst nirgends auf der Welt. Wenn ich heute in Caracas bin, sagen die Jugendlichen „Weißt du Manu, wir werden dieses machen und jenes machen… und das auch noch und wir wollen ganz nach oben…“ und danach fährst du nach Bogotá, jenem schönen Beispiel einer Demokratie, die völlig von den USA indoktriniert ist, und die Jugendlichen sagen „Manu, hier ist alles so wahnsinnig schwierig… Sie lassen uns gar nichts machen…“. Ich liebe beide Länder, aber in Venezuela passiert etwas Aufregendes. Das berührt mich und ich verteidige diese Revolution. Aber wenn ich die Nachrichten hier in Europa sehe, empfinde ich Ekel. Das ist kein Journalismus, das ist Propaganda. Vjatka: Und was hältst du von Evo Morales in Bolivien? Manu: Wir haben vor ein paar Jahren in Bolivien gespielt. Aber das war, als Evo gerade an die Macht gekommen ist. Daher konnte man noch keinen fortgeschrittenen Prozess sehen. Ich habe nur die Euphorie miterlebt, als Evo Präsident wurde. Ich habe großen Respekt vor Evo. Aber er hat es schwer. Er hat mit diesem manipulierten Separatismus zu kämpfen, Veracruz gegen La Paz. Ich glaube, das ist vom CIA manipuliert. Ich bin kein Politologe, aber ich habe diesen Eindruck. Aber Bolivien ist ein sehr herzliches und berührendes Land. Ich wünsche Evo alles Glück dieser Welt, denn er wird viel Kraft brauchen. Man kann ein Land nicht in zwei Tagen verändern. Das braucht Zeit. Und Bolivien hat große wirtschaftliche Probleme, deshalb wird dieser Prozess schwierig sein. Schwieriger als in Venezuela, wo sie die Macht des Erdöls haben. Aber ich wünsche ihnen das Beste. Vjatka: Wie kommt es eigentlich, dass du so großes Interesse an Lateinamerika hast? Manu: Ich hatte das Glück, dorthin reisen zu können. Das erste Mal war 1987, Lima. Wir wurden zu einem Konzert dorthin eingeladen. Zuerst Lima und dann Cusco. Dann fuhren wir nach Ecuador. Ich habe Quito kennengelernt und Guayaquil und Cuenca. Es war meine erste Reise nach Lateinamerika. Und von da an hab ich nie wieder aufgehört, hinzufahren. Lateinamerika ist ein Fass ohne Boden. Ich fahre immer wieder nach Lateinamerika, denn mittlerweile hab ich auch Familie dort. Aber je öfter ich hinfahre, desto mehr Dinge gibt es, die ich noch kennenlernen muss. Es ist enorm… Ich habe einen Sohn in Brasilien. Und schon allein Brasilien ist ein ganzer Kontinent. Kein Brasilianer wird je so lange leben, dass er ganz Brasilien kennenlernen kann. Lateinamerika überschwemmt dich. Jürgen: Sprechen wir doch auch ein wenig über Musik. Wieso brauchst du eigentlich zwei Drummer? Manu: Um mehr Lärm zu erzeugen. Rhythmus ist die Basis und sehr wichtig. Und so wie Radio Bemba gerade funktioniert, glaub ich, dass es wichtig ist, zwei Drummer zu haben. David am Schlagzeug und Garbanzito an der Perkussion. Das ist unser Motor. Wenn wir nur einen Drummer hätten, dann müsste der vier Arme haben. Aber das haben die meisten nicht. Vjatka: Ich hatte ja heute den Eindruck, dass ihr viel mehr Reggae und Dub gespielt habt, als in den bisherigen Konzerten… Manu: Kann sein. Ich tu mir schwer dabei, zu analysieren, wie wir uns weiterentwickeln… Das passiert ganz natürlich… Im Laufe der Jahre hat sich die Formel von Radio Bemba verändert. Und was ihr heute gesehen habt, ist wohl die Grundformel von Radio Bemba. Manchmal sind wir acht oder neun. Heute waren wir sechs. Das ist die reduzierteste Form von Radio Bemba. Und diese Übung ist sehr interessant für uns, denn es zwingt uns zu großer Schlagkraft und zum Zusammenspiel. Aber ich mag diese Entwicklung. Im Jahr 2000 sind wir mit viel mehr Leuten auf Tour gegangen. Da war noch ein Sänger, ein Akkordeonist… Das war auch sehr interessant und vielleicht abwechslungsreicher. Aber auch verwaschener. Und wenn wir nur sechs sind, müssen wir uns gegenseitig Raum geben. Das ist ein wichtiger Lernprozess für die Band. Und dann später können wir sie wieder für weitere Musiker öffnen. Aber der Motor muss auf Leben und Tod funktionieren. Und er funktioniert. Wir mischen Reggae mit Punk… oder wie auch immer man diesen Part mit den harten Gitarren nennen möchte… Ich weiß gar nicht, wie ich das alles benennen und analysieren soll… keine Ahnung, wie das alles heißt. Vjatka: Aber La Radiolina ist ja ziemlich rockig… Manu: Na ja, wenn ich etwas aufnehme, bin ich völlig abhängig von der jeweilgen Umgebung. Meine Lieder werden von dem beeinflusst, was um mich herum passiert. Zu der Zeit, als wir Clandestino gemacht haben, bin ich durch Lateinamerika gereist, mit dem Rucksack von Haus zu Haus. Also war die Umgebung viel akustischer. Jetzt bei Radiolina war das anders. Meine Umgebung in den letzten zwei bis drei Jahren war hauptsächlich die Band, das heißt es war viel mehr „Elektrik“ um mich herum. Vjatka: Und warum hat La Radiolina einen italienischen Namen und warum ist ein italienisches Lied drauf? Manu: Na ja mir gefällt dieser Name einfach. La Radiolina ist ein kleines Radio… Vjatka: Sprichst du italienisch? Manu: Parlo… capito italiano. Nicht wirklich, aber nachdem ich Portugiesisch spreche, kann ich mich mit den Italienern verständigen – auf Portugiesisch. Ich bin verliebt in die italienische Musik. Italiano per cantare é bello. Und dieses Lied hab ich geschrieben, als ich betrunken war. Ich hab Adriano Celentano in Italien besucht, wir haben zusammen gearbeitet. Und dann war ich mit Freunden in einer Bar und da hab ich dieses Lied geschrieben. Natürlich haben sie mir geholfen, das Italienisch ein wenig zu korrigieren. Denn so gut spreche ich ja nicht… Ich hab Millionen von Fehlern gemacht… Ich hab noch zwei oder drei weitere Lieder in Reserve... Die werden noch rauskommen. Aber auf Italienisch zu singen ist un piacere, é bello. Die italienische Musik… Renato Carosone… ah grande… Tonino Carotone ist auch umwerfend. Er ist ein guter Freund und ein großartiger Musiker. Er hat eine unglaubliche Stimme und ist ein hervorragender Interpret, ein Künstler des Augenblicks. Er improvisiert viel. Tonino é grande. Webtipps: Offizielle Manu Chao Homepage: http://www.manuchao.net/ http://www.myspace.com/manuchao Radio Colifata: http://lacolifata.openware.biz/index.cgi Jardín Rojo: http://www.jardinrojo.com My revolutionary sweetheart: http://www.myrevolutionarysweetheart.tk/ http://www.myspace.com/myrevolutionarysweetheart

Hörtipps: my revolutionary sweetheart La Rumba de Barcelona. Im Gespräch mit Manu Chao und Che Sudaka. Mo, 19. November 2007, 14:00-15:00 auf ORANGE 94.0 (Live Stream: http://o94.at ) nachzuhören im revolutionary audio archive: http://sendungsarchiv.o94.at/showSeries.php/094se61 Jardín Rojo Manu Chao. Di, 20. November 2007, 14:00-15:00 auf ORANGE 94.0 (Live Stream: http://o94.at )