Bio als Weg aus der Armut

Landwirte in Mali, einem der ärmsten Länder der Welt, haben ihre Produktionsweise für Baumwolle radikal verändert: Nur mehr Kompost und Rinderdung werden als Düngung verwendet und natürliche Pflanzenextrakte ersetzen giftige Pestizide. Inzwischen sind ihre Einnahmen bis zu fünfzig Prozent höher wie jene ihrer Kollegen, die noch konventionell anbauen.

Es ist egal, welche Kriterien angelegt werden: Mali belegt in jeder Rangliste der ärmsten Länder der Welt einen der vordersten Plätze. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, meist vom Baumwollanbau. Dafür wird in der Regel eine ganze Reihe von Chemikalien verwendet, die den Boden auslaugen und die Gesundheit der Menschen gefährden. Zusätzlich ist der Aufwand für den Anbau vergleichsweise hoch und die Gewinnspanne für die Produzenten dementsprechend gering. Selbst Landwirte in den USA, dem weltgrößten Baumwollproduzenten, haben damit ihre Schwierigkeiten. Dem wirkte man mit hohen Subventionen entgegen, wofür man allerdings im Juli dieses Jahres eine Niederlage vor der Welthandelsorganisation WTO erlitt.

Biobaumwolle aus Mali
In Mali versucht man einen anderen Weg zu gehen. Die Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit „Helvetas“ lancierte ein Projekt, um den Baumwollanbau nachhaltiger und für die Produzenten lukrativer zu gestalten: Umstellung auf Bioproduktion. Das heißt, Düngung nur mehr mit Kompost und Rinderdung, sowie Pflanzenextrakte und Pflanzen als Ersatz für giftige Pestizide. Tobias Meier, Leiter des Fairshop von Helvetas erzählt im Gespräch mit OneWorld über die Anfänge dieser Überlegungen: „Zu Beginn war es eher ‚likelihood’ und keine Marktüberlegung. So wollten wir etwa der Bodenerosion entgegenwirken und es den Landwirten ermöglichen nicht nur ‚cash crops’, sondern auch andere Produkte anzubauen, Möglichkeit zur Selbstversorgung schaffen et cetera. Wenn man das alles konsequent weiterdenkt, dann kann am Ende nur Bio herauskommen.“ Erste Gehversuche in Paraguay scheiterten jedoch. Zeitgleich wurden in Mali erfolgreiche Tests durchgeführt und 1999 bei einem Roundtable-Gespräch das Projekt, gemeinsam mit allen Beteiligten, beschlossen.

Die „Compagnie malienne pour le développement du textile“ (CMDT), das staatliche malische Textilunternehmen, das den Baumwollanbau kontrolliert, hat das Projekt laut Meier „nicht mit großem Enthusiasmus unterstützt, es aber auch nicht gebremst“. Die Auswirkungen der für nächstes Jahr anstehenden Privatisierung der CMTD sind für ihn nicht vorhersehbar: „Natürlich könnten dadurch Probleme entstehen. Das muss aber nicht sein. Genauso gut könnte es auch eine Chance mit sich bringen. Wir werden sehen“


Konkurrenz Gentechnik
Die beteiligten Landwirte der ersten Stunde seien von dem Projekt überzeugt gewesen und hätten mit Begeisterung mitgemacht. Zu Beginn hätten sie dafür sogar finanzielle Einbußen in Kauf genommen. Inzwischen ist das Einkommen, nicht zuletzt durch die hohen Fair Trade Preise, stark gestiegen. Dadurch würden inzwischen viele aus ökonomischen Überlegungen mitmachen. Dies birgt aber die Gefahr in sich, dass der Biobaumwollanbau in direkter ökonomischer Konkurrenz etwa zu gentechnisch verändertem Saatgut steht und die Landwirte, falls dies zu höheren Einnahmen führen sollte, darauf umsteigen. Meier weißt jedoch darauf hin, dass es bis dato in Westafrika damit noch keine Probleme gegeben.

Mali –> Indien –> Schweiz
Der in Mali produzierte Rohstoff wird zur Weiterverarbeitung nach Indien geschickt und von dort aus zum Verkauf in die Schweiz. Dass diese Kette „nicht optimal“ ist, gesteht der Fairshop-Leiter ein, fügt aber hinzu, dass alle indischen Partnerfirmen von Max Havelaar auf die Forderungen der Clean Clothes Kampagne entsprechend kontrolliert werden. „In Mali selbst gibt es im Grunde keine Spinnereien und 88% der dort produzierten Baumwolle gehen in den asiatischen Raum. Es gibt also keine großen Alternativen, auch weil die Betriebe in der Schweiz meist Exklusivverträge haben und unsere Produkte oft gar nicht verarbeiten dürfen. Natürlich wollen wir langfristig direktere Ketten aufbauen. So haben wir inzwischen bereits Partner in Frankreich, die für unsere Kunden in der Schweiz Watteprodukte herstellen“, erklärt Meier.

In der Schweiz sind die Abnehmer der Biobaumwolle etwa die Unternehmen Switcher und Migros. Walter Staub, Mediensprecher von Migros, erklärt gegenüber OneWorld, es sei der Anspruch des Konzerns, dass alle angebotenen Produkte einem Mindestmaß an ökologischen und ethischen Ansprüchen genügen. Der Anteil von Biobaumwolle im Bekleidungsbereich macht seinen Angaben zufolge derzeit aber nur ein Prozent, bei den Heimtextilien allerdings bereits zwölf Prozent aus.

Optimistisch in die Zukunft
Das von Helvetas angestrebte Ziel, 2007 einen Marktanteil der Biobaumwolle von insgesamt fünf Prozent zu erreichen, dürfte laut Meier bereits 2006 erreicht worden sein. „Wir sind gerade dabei die Zahlen zusammenzutragen, aber es sieht sehr gut aus.“ Dass das Produkt nach wie vor ein Nischendasein darstellt, räumt er unumwunden ein. Und trotzdem: „Wir können die hohe Nachfrage unserer Kunden derzeit nicht befriedigen. Es gibt also das Bedürfnis nach Produkten, die diese Verbindung von Fair Trade und Bio darstellen. Durch diesen Erfolg hat sich der Gesamtmarkt bereits verändert. Auch bei den Multis führt dies zu einem Umdenken,“ gibt sich Meier für die Zukunft optimistisch.

Autor: Florian Gasser

Fotos: Carsten ten Brink; Helvetas

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