Die Geiseln des chilenischen Staates

Um die Mapuche - Bevölkerung zu unterdrücken, werden in Chile immer wieder indigene Menschen, welche für ihre Rechte kämpfen, aufgrund Verdachts des Terrorismus eingesperrt. Ein Hungerstreik von einigen dieser Häftlinge jedoch führte nun zu einer Welle der Solidarität mit den Eingesperrten im ganzen Land.

“Wir klagen an, dass Chile das einzige Land Lateinamerikas ist, in welchem Mitglieder eines indigenen Dorfes eingesperrt sind, da sie für ihre Rechte kämpften.“ Dieser offene Brief wurde am 11. November 2007 von den Häftlingen Patricia Troncoso, Jaime Marileo, Juan Millalen, José Huenchunao und Héctor Llaitul veröffentlicht. Alle Fünf begannen am 10. Oktober einen Hungerstreik und wollen damit auf die Situation in Chile aufmerksam machen. Dort sind zur Zeit insgesamt 18 Angehörige der Mapuche- Ethnie eingesperrt. Die Streikenden wollen mit ihrer Aktion vor allem zwei Ziele erreichen: Zum einen die Freilassung aller Häftlingen, welche als “politische Häftlinge“ angesehen werden können und weniger – wie es die chilenische Regierung sieht – als Terroristen. Zum anderen die Entmilitarisierung und ein Ende der Unterdrückung der indigenen Dörfer und Menschen, welche sich für ihre politischen und territorialen Rechte einsetzen.

Der Hungerstreik der fünf Häftlinge, welche sich selbst als “Geiseln des chilenischen Staates“ sehen, löste im ganzen Land eine Welle der Solidarität aus. Sowohl in den Städten Temuco und Valdivia, als auch in der Hauptstadt Santiago de Chile fanden bereits einige Manifestationen und ähnliche Aktionen statt, bei welchen es sich um die Situation der eingesperrten Menschen indigener Abstammung handelte. Doch auch in europäischen Städten gab es bereits Solidarität – Aktionen. Indigene Organisationen versuchen derweilen einen Dialog zwischen der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet und Mapuche - Autoritäten herzustellen. Auch in anderen lateinamerikanischen Staaten scheint man sich um den Zustand der Häftlinge zu sorgen. So besuchte am 12. November 2007 eine venezolanische Delegation das Gefängnis in Angol und verkündete ihre Besorgnis um den Gesundheitszustand der Eingesperrten, welche bereits zwischen 15 und 20 Kilo abgenommen haben sollen.

Der Hungerstreik selbst fand auch Nachahmer: Am 21. November begannen Freunde und Familienangehörige der Häftlinge einen ähnlichen Streik. Sie verkündeten unter anderem, dass seit 1990 etwa 400 Mapuche - Angehörige wegen Verdachts auf Terrorismus eingesperrt wurden. Und dies, obwohl sie nur für ihre Territorien gekämpft haben und diese verteidigen wollten. Die chilenische Regierung sieht darin jedoch einen Akt des Terrorismus.

Der Widerstand der Mapuche - Bevölkerung hat bereits eine lange Geschichte. Dabei ging es immer um die Frage des Landeigentums und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Das Hauptproblem stellt bis heute die Kriminalisierung der Protestaktionen der Mapuche dar. Der Historiker Victor Toledo Llancaqueo sieht den Beginn der aktuellen Bewegung in den 1980iger Jahren. Auch mit der neuen Präsidentschaft von Michelle Bachelet, in welche viele Menschen große Hoffnungen steckten, änderte sich bis heute nur wenig.

Artikel bearbeitet von Lukas Meus, (13.12.2007)

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