MüllsammlerInnen etablieren eine globale Plattform

Anfang März 2008 fand der erste Weltkongress der MüllsammlerInnen (First World Congress of Waste Pickers) in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá statt. Menschen aus über 40 Ländern, die berufsmäßig städtische Abfälle aussortieren und recyceln, machten ihre Position als produktive Mitglieder der globalen Wirtschaft geltend.

MüllsammlerInnen verdienen ihr Einkommen, indem sie wieder verwertbare Materialien wie Papier und Plastik auf Straßen oder Müllhalden sammeln, aussortieren und wiederverkaufen. Es gibt keine offiziellen Schätzungen der weltweiten Anzahl an Personen, die dieser Tätigkeit nachgehen. Wie andere ArbeiterInnen auf dem informellen Sektor haben sie oft keinen Anspruch auf Arbeitsschutz und soziale Absicherung.
Städtische Bestimmungen sind für sie essenziell, woraus sich die Notwendigkeit eines Dialogs mit den örtlichen Behörden ergibt. Diese stufen MüllsammlerInnen allerdings leicht als Diebe und als „schmutzig“ ein. Aufgrund dessen wurden in Südamerika starke Kooperationen als Vertretung nach außen gebildet; in Brasilien trifft sich eine Delegation jährlich mit dem Staatspräsidenten, um öffentliche Bestimmungen zu diskutieren, die MüllsammlerInnen betreffen.

Diese Form der Organisation ist weltweit vorbildhaft, konnte in Afrika und Asien bisher aber noch nicht in einem vergleichbaren Ausmaß umgesetzt werden. Dies hat auch mit der langen Tradition der Selbst-Organisation in Lateinamerika zu tun, die in anderen Ländern erst in den Kinderschuhen steckt.
Der erste Weltkongress der MüllsammlerInnen soll nun dazu beitragen, die Position der ArbeiterInnen zu stärken. In manchen Ländern besteht nur unzureichende Kommunikation zwischen den Betroffenen, in anderen fehlen Informationen über erfolgreiche Organisationsmodelle. Im Rahmen der Veranstaltung konnten sich die TeilnehmerInnen anhand der Erfahrungen anderer davon überzeugen, was unter optimalen Bedingungen möglich ist.

Ein wichtiger Punkt auf der Agenda des Kongresses war der Wunsch der MüllsammlerInnen, Anerkennung für ihre Verdienste für die Umwelt zugesprochen zu bekommen. Die ArbeiterInnen sorgen dafür, dass weniger Müll auf den Lagerplätzen landet, und helfen den Behörden damit auch, Geld einzusparen. Weiters möchten die MüllsammlerInnen in offizielle Recyclingprogramme einbezogen werden.
Am Ende des Kongresses wurde von südamerikanischen Delegierten eine Deklaration verabschiedet, die staatliche Arbeitsverträge mit den einzelnen ArbeiterInnen für das Einsammeln von wieder verwertbarem Müll fordert.

Beitrag bearbeitet von Dr. Judith Moser, 17.03.2008

Quelle & Foto: http://us.oneworld.net/article/view/158501/1/

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