WeberInnen-Initiative auf Erfolgskurs

Eine Gemeinschaft von WeberInnen in der indischen Stadt Chanderi hat es geschafft: Durch Selbsthilfegruppen und Vereinsgründung sind die vormals auf HändlerInnen angewiesenen HandwerkerInnen heute unabhängig und verdienen besser als zuvor. Neben der Produktion wird mittlerweile eine Internet-Homepage und eine eigene Radiostation geführt.

Chanderi ist eine verschlafene kleine Stadt mit ca. 30.000 EinwohnerInnen, eingebettet in die Hügel südwestlich des Betwa-Flusses im zentralindischen Staat Madhya Pradesh. Bekannt ist die Stadt vor allem für die Produktion ihrer Saris – die Kunst der Fertigung dieser ist ein Geheimnis, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Über Jahrhunderte hinweg war die elegante Schönheit der Chanderi Weberei allerdings mit Ausbeutung durch reiche UnternehmerInnen und ZwischenhänderInnen verbunden, die auf Kosten der arm bleibenden WeberInnen enorme Gewinne erzielten.

Dank einer Förderung der UNIDO (Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung) konnte im Jahr 2003 diese Situation geändert werden. Es wurden Selbsthilfegruppen (SHGs, „self help groups“) der WeberInnen organisiert und der eingetragene Verein Bunkar Vikas Sanstha (BVS) gegründet. Verbesserte Qualifikationen, erweiterte Kreditmöglichkeiten durch das eigene Mikrokreditprogramm, ausgedehnte Marktverbindungen und neue Produktlinien bringen den Mitgliedern des BVS regelmäßige Arbeitsaufträge und bessere Einkommen. Und vor allem, wie sie selbst sagen: „Mehr als alles andere schätzen wir unsere Unabhängigkeit.“ Vor der Gründung des BVS arbeiteten ca. 3000 WeberInnen für die HändlerInnen in Arbeitsverhältnissen, die sklavereiähnliche Abhängigkeiten schafften. Die Gründung des BVS bot vor allem Frauen einzigartige Möglichkeiten zum Aufbau eigener Unternehmungen und Wege in die wirtschaftliche Selbstständigkeit.

Seit 2005 forciert eine Partnerschaft von UNESCO, BASIX und One World South Asia die mediale Vermittlung der Erfolge und Produkte des BVS. Über achtzig junge Männer und Frauen wurden im dafür 2007 eingerichteten Community Multimedia Zentrum im Umgang mit Computern und Internet geschult. Weiteres Training und die Erstellung von Newslettern und digitalen Texten sind geplant. Ziel ist es, den WeberInnen die Qualifikationen zu bieten, um ihre Tätigkeiten mit Hilfe von traditionellen und neuen Medien bekannt zu machen. Heute bietet das Zentrum einführende Computerkurse, Internet-, Fax- und Kopierdienste und die Möglichkeit zur Buchung von Zugtickets.

Doch das war der Community noch nicht genug: Am 27. März 2008 wurde die eigene Radiostation eröffnet. Über fünfzig Jugendliche, darunter 35 Mädchen, wurden bereits in Sendungsproduktion und Programmerstellung eingeführt. Das neue „Chanderi ki Awaz“ soll ein dynamisches, von der Gemeinschaft geführtes Radio sein, das neben Informationen zu den Menschen, Gesundheit, Bildung und Unterhaltssicherung auch Werbung für traditionelle Künste und Ökotourismus bietet.

Durch BVS ist es den WeberInnen in Chanderi heute möglich, ihr Leben zum Besseren zu verändern, wenn auch derzeit noch unterstützt von Beratung und finanziellen Mitteln der involvierten PartnerInnen. Doch die ersten Schritte sind getan – und der wirtschaftliche Erfolg zeigt, dass der richtige Weg eingeschlagen ist. Und ein weiterer großer Traum wird bereits zum neuen Ziel: die kunstvollen Saris in der Modestadt Paris anzubieten.

Beitrag bearbeitet von Anja Brunner, 1. April 2008

Quellen:
http://southasia.oneworld.net/article/view/159205/1/
http://www.chanderi.in



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