Senegal: Dakar für drei Euro am Tag

Die Lebensmittelpreise steigen weltweit kontinuierlich an. Am härtesten trifft es Menschen in Niedriglohnländern. Ein Lokalaugenschein in Dakar, Senegal.

Während er in einem alten rostigen gelben Taxi durch Dakars Schlagloch-Straßen fährt und nach KundInnen Ausschau hält, erzählt Abdou Ndoye wie er und seine neunköpfige Familie mit den 2000 CFA Francs [ca. 3 Euro], die er am Tag verdient, überleben. „Manchmal essen wir mehr, manchmal weniger,“ ruft er über den Lärm des ratternden Automotors hinweg. „Aber wir sind nie hungrig. Wir machen das Beste aus dem Geld.“

Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten weltweit stark angestiegen und die Kosten für Benzin belasten vor allem die Einkommen von Millionen von Niedriglohn-VerdienerInnen wie Ndoye. „Ich gebe heute ein Drittel mehr für Benzin aus als noch vor ein paar Monaten,“ sagt er. „Also muss ich mehr arbeiten.“

Letzten Monat brachte er ca. 60.000 CFA Francs [ca. 90 Euro] nach Hause, berichtet er. Fast die Hälfte davon wurde für das Schulgeld für die drei kleineren Kinder im Haus gebraucht. „So hatten wir ungefähr 30.000 CFA Francs und mussten damit irgendwie auskommen.“

Glücklicherweise zahlt Ndoye keine Miete, diese übernimmt ein Cousin in Frankreich. Ausgaben für Elektrizität und Wasser müssen aber dennoch mit den 30.000 CFA Francs abgedeckt werden. Der Rest bleibt für Essen. Er versucht, etwas Fleisch, Fisch oder Gemüse für die Familie zu kaufen, aber der Großteil des Geldes wird bereits von Öl und Reis aufgebraucht. Ein 50-Kilo-Sack Reis ist das Minimum, das seine Familie jeden Monat braucht, berichtet Ndoye.

Ndoye hält das Taxi für einen Mann an, ein Freund, wie sich herausstellt. Das Gespräch dreht sich schnell um Lebensmittelpreise. „Alle, die ich kenne, reden vom Demonstrieren,“ sagt der Freund, El Hadj Fall. „Sie wissen nicht, wie sie sonst die Regierung darauf aufmerksam machen sollen.“

Menschen in Senegal, der Elfenbeinküste, Guinea, Burkina Faso und Kamerun haben in den letzten Wochen gegen die steigenden Preise für Grundnahrungsmittel protestiert. In einigen Ländern kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. In der Elfenbeinküste wurde in Abidjan zumindest ein Demonstrant getötet.

„Ich habe gerade 13.000 CFA Francs [ca. 20 Euro] für einen Sack Reis bezahlt,“ berichtet Fall, der Freund. Ndoye antwortet, dass er letzten Monat einen Sack Reis für ca. 12 Euro gekauft hat und diesen Monat gezögert hat. „Ich will warten. Vielleicht bringt die Regierung den Preis wieder runter,“ sagt er. Fall steigt in der Nähe eines Obststandes aus und Ndoye nützt die Gelegenheit, um ein paar Bananen zu kaufen. Er nimmt ein Bündel und bietet der Verkäuferin 400 CFA Francs [ca. 0,60 Euro]. Sie lehnt sich zurück und lacht. „Nein,“ sagt sie. „Heutzutage kosten Bananen das Doppelte von dem.“ Ndoye fährt weiter und grummelt darüber, dass er abgezockt wurde.

Kurz darauf wird er von einem Mann in Anzug und Krawatte angehalten. Er und Ndoye feilschen um den Preis, bevor der Mann zusteigt. „Ich nehme selten Taxis heutzutage, sie sind so teuer,“ sagt der Mann, Sembou Dial. Er erzählt, dass er in einer privaten Sicherheitsfirma arbeitet und ein relativ gutes Gehalt hat. „Aber selbst ich kann mir keine netten Dinge mehr leisten.“ Ndoye wirft ein: „Ich kann nicht mal Kleidung für meine Familie kaufen.“ Auch das kaputte Fenster seines Taxis kann er nicht richten lassen, und der Rost am Auto wird jeden Tag schlimmer.

Nachdem der Passagier ausgestiegen ist, wird Ndoye philosophisch. „Wir Senegalinnen und Senegalesen sind erfinderische Menschen und wir werden immer einen Weg finden,“ sagt er. „Wir müssen nur mehr und härter arbeiten.“
Dann macht er eine Pause und fügt hinzu: „Aber vielleicht wird es bald alles zuviel.“

Beitrag übersetzt von Anja Brunner, 13.04.2008

Quelle:
IRIN Africa, West Africa
http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=77652

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