Medizinische Behandlung über Internet in Tansania

Ein paar Computer, eine Digitalkamera und eine Internetverbindung machen’s möglich: In Tansania können lokale ÄrztInnen Diagnosen und Ratschläge von SpezialistInnen einholen, um die Patienten optimal zu behandeln.

Über das Internet kann Personal in Krankenhäusern in schlecht zugänglichen Gegenden in Tansania mit ÄrztInnen in anderen Krankenhäusern kommunizieren. Das Bugando Hospital in Mwanza ist über das Internet mit Krankenhäusern in Rubya und Kibondo im Norden des Landes verbunden, die mit einem Computer, einem Scanner und einer digitalen Kamera ausgestattet sind.

Mit Hilfe dieser simplen Ausstattung haben die Teams in den Krankenhäusern große Fortschritte in der Verfügbarkeit von Krankenversorgung gemacht. „Es gibt keine Grenzen mehr. Ärzte haben Zugriff auf Expertenmeinungen aus der Region und darüber hinaus. Medizinische Herausforderungen können mit der ganzen Welt geteilt werden, und Antworten können durch einen Mausklick erfolgen,“ berichtet Frau Halima Nyindo, Krankenschwester im Bugando Hospital.

Dr. Adam Jonathan am Kibondo Hospital erzählt von einem Fall, in dem ein Patient ein Problem mit einem Finger hatte und seine Hand zwei Jahre lang nicht verwenden konnte. „Die Medikamente nach der ersten Diagnose halfen nicht, der Patient hatte weiter Schmerzen und konnte nicht arbeiten. Er konnte seinen Finger nicht ausstrecken, und wir konnten uns das nicht erklären,“ sagt Dr. Jonathan.

Mit der Digitalkamera des Krankenhauses photographierte Dr. Jonathan den Patienten, schrieb die Patientengeschichte auf und sendete dies zu Frau Nyindo im Partner-Krankenhaus. Frau Nyindo kontaktierte wiederum einen Spezialisten in einem weiteren Krankenhaus. Die Email-Antwort mit detaillierter Diagnose half den ÄrztInnen in Kibondo bei der korrekten Behandlung und Lösung des medizinischen Problems. Was für den Patienten als einfache Fingerbeschwerden begann, wurde zu einer medizinischen Herausforderung für die medizinischen Fachkräfte in Kibondo.

Wachsende Armut hindert viele Menschen in ländlichen Regionen daran, sich der jeweils mit hohen Kosten verbundenen adäquaten medizinischen Behandlung zu unterziehen. Zum Beispiel: Aufgrund der Distanz zwischen dem Bugando Hospital und dem Rubya Hospital (in der Region Bukoba) würde Transport und Aufenthalt ca. TSZ 70.000, umgerechnet ca. 36 Euro, kosten. Unleistbar für Menschen, die mit weniger als einem Dollar (ca. 0,63 Euro) pro Tag auskommen müssen. Viele PatientInnen sind so von Spezialbehandlungen ausgeschlossen. Mittels Telemedizin ist dem nun beizukommen.

Nach Frau Nyindo öffnet das Telemedizin-Projekt, unterstützt von der Africa Medical Research Foundation (AMREF) und Computer Aid, den Zugang zur Gesundheitsvorsorge und speziellen medizinischen Behandlungen für ärmere Menschen, die unter gewöhnlichen Bedingungen davon ausgeschlossen bleiben. „Vielleicht ist unsere Telemedizin noch nicht am neuesten technischen Stand mit zum Beispiel Videokonferenzschaltungen, aber dahin kommen wir noch. Es sind erste Schritte und wir werden weitermachen,“ sagt sie.

Für Gladys Muhunyo, Africa Programme Officer bei Computer Aid, sind die größten Herausforderungen für erfolgreiche Telemedizin in Afrika permanente Internetverbindung und Training. In abgeschiedenen Gegenden, sagt sie, mussten die BewohnerInnen viele Herausforderungen beim Gebrauch von Informationstechnologie meistern, wie zum Beispiel regelmäßige Stromausfälle, unzuverlässige Telefonleitungen und Instandhaltung. Das Rubya Hospital eröffnete zum Beispiel ein Internetcafé, um die hohen Kosten der Verbindung zu finanzieren. Das Internetcafé ist das einzige der Stadt, die Einwohner zahlen eine Gebühr für die Benutzung.

Während sich Computer Aid darauf konzentriert, die erforderlichen Geräte zur Verfügung zu stellen, wie Muhunyo berichtet, bietet die NGO das nötige Training zum Umgang mit den Geräten und Internet für das Krankenpersonal in den ländlichen Gegenden.

In Fällen, in denen die ÄrztInnen in Bugando keine sachgemäße Diagnose eines Röntgenbildes oder Fotos erstellen können, wird dies gewöhnlich ins Büro von AMREF in Nairobi oder zu ausländischen ÄrztInnen weitergeleitet. Dadurch haben PatientInnen in Rubya Zugang zur medizinischen Meinung von SpezialistInnen in einem Krankenhaus z.B. in Chicago.

Neben Telemedizin werden die Computer und das Internet auch für E-Learning für ÄrztInnen in ländlichen Regionen genutzt. Frank Odhiambo, Verantwortlicher bei AMREF, berichtet, dass viele ÄrztInnen nicht in diesen Gegenden arbeiten wollen, da die Möglichkeiten der kontinuierlichen Weiterbildung weitaus schlechter sind als in städtischen Gegenden.
„Menschen, die in der ländlichen Gesundheitsversorgung arbeiten und den größten Teil der Bevölkerung betreuen, sind von speziellem Support und neuesten Information abgeschnitten, aufgrund von schlechten Straßen, teuren Telefongesprächen und Mangel an Bibliotheken. Informationstechnologie kann hier Lösungen bieten,“ sagt Odhiambo. Mittels einer einfachen Internetverbindung haben ÄrztInnen und Krankenpersonal in ländlichen Gegenden freien Zugang zu Internetjournalen, Forschungsdatenbanken und Trainingskursen.

Beitrag bearbeitet von Anja Brunner, 31.3.2008

Quelle: The East African, http://www.africa.oneworld.net


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