Transferzahlungen der MigrantInnen an ihre Herkunftsländer steigen

Die Transferzahlungen der in den Industrieländern lebenden MigrantInnen an ihre Verwandten in den Entwicklungsländern sind während der letzten 15 Jahre stark angewachsen und übersteigen bereits die offizielle Entwicklungshilfe.

Die Weltbank glaubt, dass diese Transferzahlungen ein sehr hohes Potenzial haben, die Armut in den Entwicklungsländern zu reduzieren. Immerhin sind sie seit 1990 von 31 Mrd. US-$ auf 167 Mrd. US-$ im Jahr 2005 angestiegen und sind somit die Haupteinkommensquelle einiger Entwicklungsländer. Die offizielle Entwicklungshilfe hingegen betrug 2004 laut der Weltbank nur 79 Mrd. US-$. Die ausländischen Direktinvestionen (=Investitionen vor Ort, z.B. in Fabriken) beliefen sich 2004 auf 166 Mrd. US-$, die reinen Kapitalinvestionen (=nur in finanzielle Vermögenswerte, z.B. Aktien) auf 136 Mrd. US-$.

Die folgenden Diagramme zeigen die Länder, welche die höchsten Transferzahlungen erhalten (in absoluten Zahlen und in Verhältnis zu ihrem Bruttosozialprodukt):








In Bezug auf den Effekt der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung interessant ist, dass diese Transferzahlungen sehr stabil fließen und nur nach politischen Krisen oder Naturkatastrophen leicht ansteigen – somit sind sie eine Einkommensquelle, auf die sich die Bewohner der Entwicklungsländer absolut verlassen können - im Gegensatz zur Entwicklungshilfe, deren Ausmaß von Jahr zu Jahr immer wieder schwankt. Auffallend ist auch der hohe Anteil der Süd-Süd-Transferzahlungen, also jener Transferzahlungen, die aus Entwicklungsländern an andere Entwicklungsländer fließen.

Kritisch zu hinterfragen ist allerdings der mit den Transferzahlungen indirekt verbundene „brain drain“, also die Auswanderung der am besten gebildeten und der arbeitsfähigsten Personen. Gerade diese gebildeten, jungen und engagierten Arbeitskräfte fehlen den Entwicklungsländern um in ihren Ländern eine nachhaltige Verbesserung der Wirtschaft zu erzielen und nicht mehr von den Zahlungen (entweder Entwicklungshilfe oder auch den Transferzahlungen der Ausgewanderten) leben zu müssen.

Ein weiterer Schwachpunkt im „Entwicklungshilfe-Effekt“ dieser Transferzahlungen ist, dass die ganz armen Länder, vor allem im Afrika südlich der Sahara am wenigsten davon profitieren. Die meisten dieser Gelder fließen nach Südamerika, Süd- und Ostasien.
Trotzdem ist der starke Anstieg der Transferzahlungen, welche die EmigrantInnen an ihre armen Verwandten in den Herkunftsländern überweisen, ein wichtiger Faktor, der in der Entwicklungspolitik berücksichtigt werden sollte.

Beitrag bearbeitet von Sebastian Leprich, 26.07.07

Quellen:
Global Economic Prospects 2006
Human Development Report 2006
International Remittances and the Household (R. H. Adams)

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