Kennzeichen der Szene Wien war und ist, neben großer künstlerischer Qualität, ihr ausgewogenes Programm: neben Metal und Gothic kann man hier auch Alternativ Rock, Reggae und das hören, was weiland als Weltmusik bekannt ist. Dieses bunte Programm zieht ein nicht minder buntes Publikum an, von Hardrock-Fans über Punks bis zu PensonistInnen, die hier beispielsweise (und nicht nur ein Mal) Konzerte mit Obertonmusik aus der Mongolei hören können.
Gerade im Bereich Weltmusik nimmt die Szene Wien seit weit über einem Jahrzehnt eine Vorreiterrolle ein:
Huun-Huur-Tu, Warsaw Village Band, Bob Brozman, Rokia Traore, Tinariwen, Amparanioa, Ivo Papasov, Orchestra Baobab, Los De Abajo, Konono No.1, Albert Kuvezin & Yat-Kha, Rachid Taha, Natacha Atlas, Les Boukakes
Allen diesen Gruppen ist gemein, dass sie in den letzten Jahren für die renommierten BBC-Awards for World Music nominiert wurden. Aber nicht nur das: all diese KünstlerInnen, creme de la creme der Weltmusik, konnten bereits von der Szene Wien für Konzerte gewonnen werden oft bereits Jahre vor ihren Nominierungen! Weiters befinden sich unter den vier besten Weltmusik-CDs, die von BBC im Rahmen der 2008er Awards gekürten wurden, ebenfalls gleich zwei von Gruppen, die bereits in der Szene Wien gastierten: Orchestra Baobab und Tinariwen.
Wenn sich das Publikum des Wiener Konzerthauses im heurigen Frühling im Rahmen seiner Weltmusik-Reihe an Stars wie Fanfare Ciocarlia, Esma Rezepova, Joni Iliev und Habib Koite delektieren kann, dann tun sie dies, Jahre nachdem diese Gruppen bereits in der Szene Wien aufgetreten sind. Diese Liste läßt sich ohne weiteres noch um einige hochrangige Namen ergänzen.
Es mutet daher völlig absurd an, wenn in einer Nacht&Nebelaktion die Leitung der Szene Wien an Herrn Josef Sopper, Geschäftsführer des Heavy Metal-Veranstaltungsortes Planet Music, übergeben werden soll.
In einer eilig einberufenen Pressekonferenz wurde die nur 44% Auslastung der Szene Wien als Grund für die Veränderungen angegeben. Dabei verwundert besonders, dass mit dem aktuellen Team nicht einmal neue Strategien erörtert wurden. Auch auf das Podium wurden keine VertreterInnen des aktuellen Teams geladen, was die Gerüchten zu bestätigen scheint, sie seine von ihren Eigentümer, der Stadthalle Wien, mit einem Redeverbot gegenüber der Presse belegt worden. Tatsächlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Team der Szene Wien aus diesem Ort einfach herausgeekelt werden soll.
Wundern darf man sich auch darüber, dass auf besagter Pressekonferenz kein neues Konzept vorgewiesen werden konnte: eine Forderung nach Steigerung der Frauenquote bei den Live-Atcs mutet angesichts des aktuellen Programms der Szene Wien skurril an. Integrierung des Dialekt-Festival ins Programm ist fein, aber alles andere als innovativ und wird die Auslastung wohl kaum erhöhen. Zuständig für diesen Bereich (World/Frauen) soll künftig Claudia Köstl (Claudia K.) sein, die aktuell die künstlerische Leitung des Andino über hat. Wenn man das oben erwähnte erstklassige Weltmusikprogramm der Szene Wien bedenkt, dann muss man, bei aller Wertschätzung Frau Köstl gegenüber, anmerken, dass sie beim Team der Szene Wien noch einiges lernen könnte. Gerade die Weltmusikszene ist, ihrem Charakter entsprechend, über weite Strecken geprägt von Offenheit und Solidarität. Umso verwunderlicher also, dass sich Frau Köstl vor Josef Soppers Karren spannen lässt und so ihren KollegInnen aus der Weltmusikszene in den Rücken fällt.
OneWorldMusic fordert Frau Köstl daher auf, ihr Mitwirken in diesem Projekt noch einmal zu überdenken.
Überaus sonderbar mutet auch an, dass Josef Sopper auf der Pressekonferenz seine Liebe für Frauenquoten entdeckte, wird doch am 23. Mai im seinem Planet Music (nicht zum ersten Mal) die Gruppe Die Hinichen auftreten, die Texte wie den folgenden produzieren:
Wir mischen auf im Frauenhaus, jippi, jippi, jeah, wir peitschen die Emanzen aus, jippi, jippi, jeah, wir treiben die Lesben vor uns her, jippi, jippi, jeah, des fällt uns Kerls gar net schwer, jippi, jippi, jeah.
Die Fotzen - ja die ghörn verdroschen, jippi, jippi, jeah, zuerst auf's Aug' und dann in 'd Goschn, jippi, jippi, jeah, i sog' ihr hobts es ja so gwollt, jippi, jippi, jeah, drum müssma euch den Orsch versohln, jippi, jippi, jeah
In diesem Lied Wir mischen auf im Frauenhaus wird u. a. gedroht das Frauenhaus nieder zu brennen. Es endet mit dem Kampfruf: Unglück über alle Lesbierinnen!. Zusätzlicher übler Witz bei der ganzen Sache: die Hinichen traten und treten nicht nur in Soppers Planet Music auf, sondern gastierten ebenfalls bereits in Köstls Andino! *
Der Vertrag der Wr. Stadthalle mit Herrn Sopper (eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht) sieht u. a. die Wahrung eines nicht näher erläuterten Kulturauftrages vor. Wie auch immer dieser Kulturauftrag lauten mag:
OneWorldMusic.at ist aus oben angeführten Gründen der Meinung, dass eine Ersetzung des qualifizierten Teams der Szene Wien ein Skandal ist! Wir sind der Meinung, dass es eine Ungeheuerlichkeit ist, jemanden mit einem Kulturauftrag zu betrauen, der für die mehrfache Buchung bekannt minderheitenfeindlicher Gruppen wie die Hinichen verantwortlich zeichnet!
OneWorldMusic.at fordert Konsequenzen für die Verantwortlichen bei der Wiener Stadthalle betreffend Vorgehen, Auswahl und künstlerische Inkompetenz in dieser Sache. OneWorldMusic.at fordert Beibehaltung des aktuellen Teams der Szene Wien und bittet seine LeserInnen, dass sie ihre Proteststimme auf
http://www.szenewienbleibt.at
abgeben.
Autor: Thomas Divis, 16. Mai 2008
PS.: Erfreulicher Weise entnehmen wir eben der Website des Planet Music, dass das Konzert der Hinichen, nachdem es Monate lang angekündigt wurde, abgesagt worden ist!
* Wir wurden von Frau Köstl noch am 16. Mai darüber informiert, dass sie die "Hinichen" nie für das Andino gebucht hat. - Damit fällt die Verantwortung dafür einem früherem Team zu.
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