Afghanistan: „Ich verkaufte meine Tochter, um den Rest meiner Familie zu ernähren“

Sayed Ali (Name geändert) sagt, er verkaufte seine 11-jährige Tochter, Rabia, für 2000 US-Dollar (ca. 1280 Euro) an einem Mann in Sherberghan City in der Provinz Jawzjan in Nord-Afghanistan, damit er seine Frau und seine drei jüngeren Kinder ernähren kann.

Die Lebensmittelpreise in Afghanistan sind während der letzten Monate rasant gestiegen, und der 40-jährige Familienvater fand keine Arbeit. Er hatte keine andere Wahl, sagt er, als seine Tochter zu verkaufen, um seine Familie vorm Verhungern zu retten.

Sayed Ali erzählt:
„Nicht einmal Tiere verkaufen ihre Kinder, weil sie sie lieben und für sie sterben, geschweige denn Menschen. Ich stand für zu viele Tage neben den Straßen und fragte Leute um Arbeit, aber ich fand keine. Ich konnte nicht mit leeren Händen nach Hause gehen und meine hungrigen Kinder enttäuschen, also wühlte ich im Müll und sammelte übrig gebliebenes Essen.
Ich log meine Familie an und sagte, dass ich ihnen Essen vom Markt gekauft hätte. Aber jetzt ist es sogar wirklich hart, etwas Essbares im Müll zu finden, aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise. Die Leute essen nun alle ihre Nahrung, weil es so teuer ist, und auch die Zahl derer, die im Müll Essen suchen, ist gewachsen.“
Ich bin Analphabet, darum gibt mir niemand Arbeit. Ich bin Analphabet aufgrund von Krieg und Armut. Ich ging nicht zur Schule, weil meine Eltern wollten, dass ich arbeite. Meine Kinder gehen auch nicht zur Schule, und sie werden auch Analphabeten werden wie ich.
Wie kann jemand sein eigenes Kind verkaufen? Das ist als ob du deine Augen oder dein Herz verkaufst!
Da mir niemand Arbeit geben wollte, sah ich keine andere Möglichkeit, als meine reizende Tochter zu verkaufen. Ich verkaufte sie, um den Rest der Familie zu retten. Ich verkaufte sie, nur um Essen für meine jüngeren Kinder zu kaufen, die sonst an Hunger gestorben wären.
Ich weiß, die Leute werden sagen, dass ich ein grausamer und unbarmherziger Vater bin, der sein eigenes Kind verkauft hat, aber die, die das sagen, wissen nichts von der Not und haben niemals den Hunger gefühlt, an dem meine Familie leidet.
Ich kenne andere arme Menschen, die keine Kinder haben und sagen, wenn nötig werden sie sich selbst in die Luft jagen [in einem Selbstmordanschlag] und andere Menschen töten, um ihre Familie zu ernähren.
Ich hoffe, die Regierung hört meine Stimme und hilft Leuten wie mir, Arbeit zu finden und unsere Familien zu ernähren.“

Beitrag übersetzt von Mag. Anja Brunner, 18. Mai 2008

Quelle: IRIN News, http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=78276
Foto: © Parwin Arzo/IRIN




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