Kamerun: Trotz Aufheben der Importsteuern keine Reduktion der Lebensmittelpreise

Zwei Monate nachdem die Regierung aufgrund von Unruhen die Importsteuern auf Reis, Mehl und Fisch aufgehoben hat, zahlen die KonsumentInnen weiter die gleichen Preise, teilweise sogar mehr.

„Wir versuchen krampfhaft, ein niedriges Preisniveau sicherzustellen, trotz der Zwänge auf dem freien Markt“, sagt der Sprecher des Handelsministeriums, Alphonse Ateba Ndoumou. Die 5-Prozent-Importsteuer wurde am 7. März aufgehoben, nachdem die Regierung mit den GroßhändlerInnen eine Abmachung getroffen hatte. „Sie waren mit niedrigeren Preisen einverstanden, wenn wir die Steuern abschaffen“, sagt Ateba Ndoumou.

„Jetzt ist das Problem bei den Einzelhändlern und Einzelhändlerinnen“, sagt er. „Diese haben die Abmachung nicht beachtet.“ Die Regierung hat fünfzig Läden in der wirtschaftlichen Hauptstadt Douala und in der Hauptstadt Yaoundé geschlossen, in denen Reis zum alten Preis verkauft wurde. Aber EinzelhändlerInnen berichten, dass sie immer noch warten, dass die GroßhändlerInnen die Preise senken.

„Die Regierung kann uns nicht zwingen, zu niedrigeren Preisen zu verkaufen, wenn wir nicht um niedrigere Preise einkaufen können,“ sagt Jean Marc Mbarga, Reisverkäufer am zentralen Markt Douala.

Wer auch immer im Unrecht ist, Preiskontrollen werden nicht funktionieren, sagen WirtschaftsexpertInnen in Kamerun. „Preise können nicht per Verordnung festgesetzt werden,“ sagt der Ökonom Hozier Nan Chimi, stellvertretender Direktor der NGO Support Service for Local Development Initiatives. „Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und wird in der Zukunft nicht funktionieren.“

China kürzt Reislieferungen

Der Grund hierfür ist nicht nur, dass die Preise auf Importe international festgesetzt werden. Dies gilt auch für die Frachtkosten, die ca. 60 Prozent der Kosten von Importprodukten ausmachen, sagt der Sprecher des Handelsministeriums. Weitere Kosten, die außerhalb der Kontrolle der Regierung liegen, beinhalten Hafenkosten und Versicherung, sagt der Kameruner Ökonom Georges Tchokokam.

Aber was am wichtigsten ist, sagt er, ist dass Preise größtenteils durch die Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage festgelegt werden. Und China, der größte Reisimporteur für Kamerun bis 2004, hat seine Lieferungen gekürzt. „Solange die Weltnachfrage höher ist als das Angebot, wird die Aufhebung von Importsteuern nichts zur Lösung des Problems beitragen“, sagt Tchokokam.

Seit die fünfprozentige Importsteuer aufgehoben wurde, sind die Preise für Reis um sieben Prozent gestiegen - auf 320 CFA (ca. 0,50 Euro) pro Kilogramm. Und der Preis wird wahrscheinlich noch steigen, sagt Rabelais Yankam, technischer Berater des Landwirtschaftsministeriums. „In ein paar Monaten könnten neben China auch andere Reisimporteure nicht mehr liefern... Dann werden die Preise noch weiter steigen, “ sagt er.

Mehl und Brot

Im Hinblick auf Mehl waren die Effekte der Aufhebung der Steuer etwas anders. Der Einzelhandelspreis fiel um erstaunliche 13 Prozent, wahrscheinlich weil auch die internationale Preise sanken. Nichtsdestotrotz blieb der Preis für Brot für die KonsumentInnen gleich.

„Ein Baguette [französisches Weißbrot, typisches Brot in Kamerun] kostet mich 150 CFA (ca. 0,20 Euro)“, berichtet Yolande Titi, eine Frau in Douala. „Und obwohl die Regierung sagte, sie würden die Backstuben dazu bringen, die Baguettes zu vergrößern, sind sie de facto kleiner geworden als vor den Unruhen.“

Viele Geschäfte versuchen möglicherweise, die Verluste auszugleichen, die durch Plünderungen während der Unruhen im Februar entstanden sind, in denen auch viele Menschen ums Leben kamen. Aber dies sind die hausgemachten Faktoren, die die Regierung kontrollieren kann und muss, sagt der Sprecher des Ministeriums. „In der derzeitigen Situation sind wir verpflichtet, etwas für die Menschen zu tun, auch wenn die Weltbank und der IMF (International Monetary Fund) nicht einverstanden sind.“


Kurzfristige Entspannung

Ein Sprecher der Weltbank in Yaoundé sagt, dass er im Moment die Politik der Regierung betreffend Importsteuern nicht kommentieren kann. Nichtsdestotrotz ist von einer Auskunftsperson in der UN-Welternährungsorganisation inoffiziell zu erfahren, dass er dachte, die Maßnahmen könnten zu einer kurzfristigen Entspannung führen.

Tatsächlich ist der Preis für importierten Fisch gefallen. Aber es sind die längerfristigen Effekte der Preiskontrolle, die WirtschaftsexpertInnen Sorgen machen. „Zu versuchen, Preise zu drücken, wird Schwarzmärkte kreieren, “ sagt Ökonom Tchokokam.

Nana Chimi, ebenfalls Ökonom, sagt, wenn die Regierung irgendwie doch in der Preisreduktion in Kamerun Erfolg hat, „dann werden die Händler und Händlerinnen ihre importierten Produkte in die Nachbarländer exportieren, wo die Preise höher sind, und dann hat Kamerun weniger Lebensmittel“. Nana Chimi plädiert dafür, dass die Regierung die Importsteuer wieder einführt und den Ertrag für finanzielle Zuschüsse für lokale Produktion nützt. Nur so kann das Angebot erhöht werden und die Versorgung mit Lebensmitteln garantiert werden, resümiert er.

Beitrag übersetzt von Mag. Anja Brunner, 18. Mai 2008

Quelle: IRIN News, http://www.irinnews.org/report.aspx?ReportID=77971
Photo: David Hecht/IRIN

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