Kamerun: Zwei Monate nach den Unruhen Kinder weiter im Gefängnis

Während den Unruhen aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise in Februar wurden viele Menschen unter 18 Jahren verhaftet und eingesperrt. Mehr als zwei Monate später sind einige von ihnen immer noch hinter Gittern.

„Derzeit werden fünf Minderjährige im Zentralgefängnis gefangen gehalten“, sagt Joseph Tsala Amougou, Direktor des Zentralgefängnisses in Douala. „Keiner von ihnen wurde bisher vor Gericht gestellt.“ Menschenrechtsgruppen berichten dagegen von Hinweisen, die darauf hindeuten, dass mindestens acht Jugendliche, die während den Unruhen verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurden, weiter dort festgehalten werden.

Alice Kom, eine Rechtsanwältin in Douala, sagt, dass alle acht gesetzeswidrig von einem Gericht schuldig gesprochen wurden und eine Haftstrafe absitzen müssen. „Was die Kinder getan haben war kein Delikt, das durch Gefängnisstrafe bestraft werden kann“, sagt sie. Im Jahr 2007 wurde die Inhaftierung von Kindern für mindere Delikte durch eine Änderung des Kameruner Strafgesetzes unzulässig. Das Gesetz besagt, dass Menschen unter 14 Jahren nur für Mord eingesperrt werden dürfen, Menschen zwischen 14 und 18 Jahren auch für schwere Straftaten. „Andernfalls darf der Gefängnisdirektor die Inhaftierung eines Minderjährigen nicht erlauben“, sagt Kom.

Etwa 800 Minderjährige waren im Jahr 2005 in 19 Gefängnissen in Kamerun eingesperrt. Die Jugendlichen waren zu durchschnittlich sieben Jahren Haft verurteilt, berichtet die NGO Defence for Children International (DCI).

Im Zentralgefängnis in Douala leben die jungen Gefangenen in besonders schlechten Bedingungen. Den Gefängnisaufzeichnungen zufolge sind derzeit 3792 Häftlinge in Anlagen untergebracht, die für nicht mehr als 700 ausgerichtet sind. Minderjährige werden oft nicht von erwachsenen Insassen getrennt, erzählt der Gefängnisdirektor Amougou. „Es gibt ein System der Abgrenzung, aber es ist nicht sehr effektiv“, sagt er. „Unglücklicherweise finden sich so Minderjährige oft neben Kriminellen wieder, ... inklusive Pädophilen und Vergewaltigern.“

Im Jahr 2003 empfahl das UN Komitee gegen Folter, dass Minderjährige in Kameruner Gefängnissen von Erwachsenen getrennt würden oder, dass der Staat eigene Gefängnisse für diese errichtet. Der Gefängnisdirektor berichtet allerdings, dass die Regierung solche Anlagen noch nicht gebaut hat.

Ze Messomo, ein früherer Häftling, der jetzt Mitglied der Association of Christians for the Abolition of Torture (ACAT) ist, meint, dass das gemeinsame Einsperren von Kinder mit Erwachsenen nur eine weitere Generation von Kriminellen hervorbringt: „Die Kinder lernen noch schlimmere Dinge kennen, von denen sie vorher nicht gewusst haben.“

Beitrag übersetzt von Mag. Anja Brunner, 18. Mai 2008

Quelle: IRIN News, http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=78181
Photo: Reinnier Kaze/IRIN





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