Zentralafrikanische Republik: „Unsere Töchter haben keine Zukunft“

Im Norden der Zentralafrikanischen Republik machen sich Frauen für ihre Rechte stark. Mehr als fünfzehn Prozent der Frauen in der Gegend waren bereits Opfer von gender-basierter Gewalt.

In Ndele, einer abgeschiedene Stadt im Norden der Zentralafrikanischen Republik, kämpfen Frauen für ihre Rechte. Der lokale Verband der nationalen Central African Women Association (OFCA) hat eine Kampagne gestartet, die Frauen über ihre Rechte zu Mädchenbeschneidung, frühe Heirat und Polygamie aufklären will.

Mehr als fünfzehnt Prozent der Frauen im konfliktgezeichneten Norden der Zentralafrikanischen Republik waren bereits Opfer von gender-basierter Gewalt, berichtet das UN Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Die Frauenorganisation von Ndele nützte die Eröffnung eines OCHA-Büros in der Stadt Ende April, um ihre Anliegen der Ministerin für soziale Angelegenheiten und Familie, Solange Pagonendji N’dakala, zu unterbreiten.

„Wir leben in einer traditionellen Gesellschaft, die immer noch auf uns herabschaut. Unsere Rechte werden ignoriert, wir sind Opfer von Gewalt, und unsere jungen Mädchen werden auch nicht verschont, “ sagt Marguerite Zanaba, Vorsitzende des Lokalverbands der Frauenorganisation.

„Wir sind so weit vom Machtzentrum [der Hauptstadt Bangui] entfernt, sodass die Männer die traditionellen Gesetze als fest verwurzelt ansehen... Wir respektieren unsere Traditionen, sie sind Teil unserer Kultur, aber die Welt ändert sich; Frauen in anderen Ländern haben sich geändert, ihre Gesellschaften respektieren sie, während hier das Gegenteil der Fall ist“, sagt Zanaba. „Haben Sie die Beschneidung gesehen, die in dieser Region praktiziert wird, während sie in anderen Ländern bereits abgeschafft ist bzw. gerade wird?“

„ Noch im Alter von neun bis 13 Jahren leiden unsere Mädchen, unter der Entfernung ihrer Klitoris, sie werden sexuell verstümmelt,“ sagt eine muslimische Frau, die nicht genannt werden will, zu UN- und Regierungsgesandten.

Familiengesetz

Obwohl Rechte zum Schutz von Frauen in der Zentralafrikanischen Republik existieren, wissen laut Zanaba nur wenige um deren Bedeutung. „Wir haben von einem Familiengesetz gehört, aber wir kennen den Inhalt nicht genau. Es muss besser erklärt werden.“ Sie spricht sich auch für die Abschaffung der Polygamie aus, die Spannungen unter den Kindern bezüglich Erbschaftsangelegenheiten verursacht.

„Die meisten von uns sind muslimische Frauen, und wir können nichts gegen unsere Gesellschaft tun, die den Koran sehr respektiert. Wir sind darauf beschränkt, Kinder zu bekommen, und sogar unsere jungen Töchter haben keine Zukunft“, sagt sie.

„Die Regierung muss etwas tun, um unsere Kinder davor zu bewahren, zu bald zu heiraten. Sie sind zu jung für polygame Haushalte. Sie werden zu früh und ungewollt schwanger, andere sterben bei der Geburt; wir wollen, dass unsere Kinder in die Schule gehen, um uns zu helfen, während wir in unseren Häusern verfallen“, sagt Zanaba und erklärt weiter, die Kampagne wird „die Menschen auf Frauenrechte sensibilisieren, die Opfer waren, aber auch die gesamte Bevölkerung. Wir wollen das Ende von Gewalt und verletzenden Praktiken gegenüber Frauen und Mädchen.“

Zanaba ist sicher, dass die Sensibilisierung Respekt der Männer bringen wird, „und wir werden in Entscheidungsfindungen gefragt werden“.

Respekt

Die Ministerin schien verständnisvoll. „Ich bin eine Frau, eine Mutter wie ihr. Ich weiß, was ihr durchmacht.“ Sie fügt hinzu: „Es gibt ein Familiengesetz, es wurde gerade überarbeitet. Es behandelt alle Probleme in der Familie. Und es gibt ein Gesetz, dass Bestrafung für Vergewaltigungen vorsehen wird. Die Männer in Bamingui-Bangoran [der Bezirk, von dem Ndele die Hauptstadt ist] sollten diese Dokumente auch lesen und den Inhalt respektieren.“

N’dakala sprach auch die Erziehung von Mädchen an und mahnte die Väter, ihre Töchter in die Schule gehen zu lassen, „weil das Land Beiträge von Mädchen UND Burschen für seine Entwicklung braucht“.

Die Organisation in Ndele hat bereits Trainingsprogramme für Mädchen, um diese mit Fertigkeiten vertraut zu machen, die zu Karrieren im Schneiderwesen oder in der Hotellerie führen können. Auch HIV/AIDS wird mit den Mädchen thematisiert.

Beitrag übersetzt von Mag. Anja Brunner, 18. Mai 2008

Quelle: IRIN News, http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=78233
Photo: © Justine Dede/OCHA

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