Burundi: Kampagne gibt Fahrern Lizenz für „safe sex“

Eine neue Kampagne zur HIV-Prävention, die speziell Fahrer von öffentlichen Verkehrsmitteln und deren Fahrgäste anspricht, erregt Aufsehen in Burundi. Einige loben die Aktion als dringend nötiges Mittel im Kampf gegen HIV, andere bezeichnen sie als geschmacklos und nicht im Einklang mit der Kultur des Landes.

Im Rahmen einer zwei Tage dauernden Kampagne in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi, verteilte die Non-Profit-Organisation Menya Media gelbe Karten mit dem Aufdruck „permis de confiance“, oder „Lizenz zum Vertrauen“ an Fahrer bei Busstationen, Tankstellen und in Bars. Chauffeure von öffentlichen Verkehrsmitteln gelten im Hinblick auf eine HIV-Infektion als gefährdeter als die allgemeine Bevölkerung.

Die Organisatorin der Kampagne, Yvette Ihorimbere von Menya Media, sagt, dass die „Lizenz zum Vertrauen“-Karten auch gedacht sind, jene Menschen zu erreichen, mit denen die FahrerInnen regelmäßig interagieren, so wie Fahrgäste, Personal an den Tankstellen und SexarbeiterInnen.

Die Karte gleicht einem burundischen Führerschein, aber anstatt der üblichen Instruktionen sind Hinweise über Übertragungsmöglichkeiten von HIV und die Benützung von Kondomen zur Prävention zu lesen. Am Platz, der sonst dem Foto vorbehalten ist, findet sich ein Kondom.

„Die Nachricht wird über etwas vermittelt, das den Fahrern vertraut ist. Das fällt auf und erweckt Interesse“, sagt Ihorimbere. Die Scheine sind in der Nationalsprache Kirundi und in Kiswahili, einer von Fahrern ebenfalls häufig verwendete Sprache, gedruckt.

„Das ist eine sehr gute Initiative, um die Menschen zu bilden“, sagt Innecent Ngenzi, ein Taxifahrer in Bujumbura. Und fügt hinzu, dass er seine Karte, nachdem er sie gelesen hatte, an einen Passagier weitergab, der danach gefragt hatte.

Ein anderer Fahrer, der anonym bleiben will, war schockiert von der „geschmacklosen Sprache“, die auf der Karte verwendet würde. In der Öffentlichkeit über Sex zu sprechen ist in Burundi traditionellerweise tabu.

Obwohl Meny Media die Karten gratis verteilt, wurden sie bald für 200 Burundi-Franc (ca. 0,11 Euro) auf den Straßen von Bujumbura verkauft. Ihorimbere sagt dazu, dass sie den Verkauf der Karten zwar nicht gutheiße, aber es zeige, dass die Menschen deren Wert anerkennen.

Das Konzept der „Lizenz zum Vertrauen“-Kampagne wurde von der erfolgreichen belgischen HIV-Präventionskampagne „permis de séduire“, „Lizenz zur Verführung“, im Jahr 2002 inspiriert.

Beitrag übersetzt von Mag. Anja Brunner, 19. Mai 2008

Quelle: IRIN PlusNews, http://www.plusnews.org/Report.aspx?ReportId=78264
Photo: © Judith Basutama/IRIN

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