gefördert durch Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

OneWorldMusic - Unsere aktuelle Weltmusik-Empfehlung

CDs - Kurz&Gut vom Juni 2008
Hier finden Sie kleine Tipps zu aktuellen CDs, in die rein zu hören wir als durchaus sinnvoll erachten.

Keyvan Chemirani/Pandit Anindo Chatterjee:
Battements au Coeur de l’Orient
Accords Croises; Vertrieb: Harmonia Mundi


Über viele Jahrhunderte befruchteten sich die persische und indische Musikkultur mit ihrem Höhepunkt im 17. Jahrhundert. Auf „Battements au Coeur de l’Orient“ spielt der junge persische, in Frankreich aufgewachsene Zarb-Musiker Keyvan Chemirani mit einem seiner größten Vorbilder, dem indischen Meister-Percussionisten Pandit Anindo Chatterjee, der die Tables bedient, zusammen. Auch wenn das faszinierende Trommel-Feuerwerk, das in „Tablacadabra“, so der Titel eines Stückes, durchaus programmatisch ist, bleiben doch Melodien nicht ausgespart. Dazu gibt es Unterstützung von erstklassigen Musikern mit Gesang, an der Sarod, Lyra, Flöte etc. Daraus ergeben sich neun, großteils zart-filigrane Stücke, unter deren ruhigen Oberfläche ein ungestümes Rhythmus-Herz schlägt. „Battements au Coeur de l’Orient“ ist ein neues Meisterwerk des Labels Accords Croises.

Ein Hörbeispiel und ein Video gibts unter :
http://www.accords-croises.com/en/creation-bio.php?creation_id=9


Gabi Lunca
Sounds From A Bygone Age – Vol. 5
Asphalt Tango Records; Vertrieb: Lotus


Dieser Tage erschien die fünfte CD der Reihe „Sounds of a bygone age“ mit musikalischen Schmankerln aus der rumänischen Vergangenheit auf Asphalttango. Diesmal gibt es Lieder der Lautari-Diva Gabi Lunca, die diese zwischen 1958 und ’78 eingespielt hat. Gabi Lunca, die heuer ihren 70er feiert, wusste immer schon ihre Lieder mit ihrer dunklen Stimme in einer extrem eloquenten Weise darzubringen. Begleitet wird Sie dabei jeweils von erstklassigen Musikern an Zymbalon, Violine, Akkordeon und Bass. Nicht unerwähnt lassen wollen wir dabei die kleine „Hora Lautareasca“, in der der Akkordeonpart bemerkenswert von Formatia Ritmic an der Mundharmonika übernommen wird. Das ganze Album ist mit knapp 45 Minuten zwar relativ kurz bemessen, es darf aber jeder einzelne der 11 Tracks als perle bezeichnet werden.

Ein drei Hörproben sollte es unter
https://www.asphalt-tango-shop.de/shop/artikel.php?c=185
geben; leider scheint dort aktuelle nur 3 x der gleiche Song auf…


Uusikuu:
Hotelli Untola
Peregrina Music; Vertrieb: Extraplatte


Viel zu wenig Beachtung finden in der Weltmusik leider die skandinavischen Länder. Ab und zu finden sich aber dann doch neue CDs aus diesen nordischen Gefilden in unseren Regalen, viele extrem hörenswert wie etwa das Album „Hotelli Untola“ von der finnischen Gruppe Uusikuu (was übersetzt „Neumond“ bedeutet). Mit Akkordeon, Violine, Bass, Gitarre und Gesang spielen sie sich durch Sternstunden finnischer Musik. Neben Walzer, Musette und den berühmten finnischen Tangos gibt’s unter andeem auch das entzückende Liedchen zu hören, das die Skandinavier für ihrem ersten Auftritt beim Eurovisions Songcontest 1961 eingereicht haben. „Hotteli Untola“ ist ein Album das leicht, verträumt und voller Charme ist.

Drei Hörbeispiele finden Sie über die Website von Uusikuu:
http://www.uusikuu.com


Sa Dingding:
Alive
Wrasse Records; Vertrieb: Harmonia Mundi


Eine überaus hörenswerte Stimme besitzt die junge Chinesin Sa Dingding. Bereits mit ihrem Debut-Album feierte sie in ihrer Heimat einen Achtungserfolg und tritt inzwischen auch in der „westliche“ Welt auf. Zudem wurde sie heuer mit dem BBC World Music Awards in der Kategorie „Asien/Pazifik“ geehrt. Im Kern ihres Albums „Alive“ steht traditionelle Musik aus China, die sie sowohl auf Chinesisch, auf Tibetisch, in Sanskrit und einer eigenen Sprachkreation singt. – Das Ganze dann aufbereitet für das 21. Jahrhundert, wobei die Lieder über weite Strecken mit unangenehmen, elektronischen Lounge/Ambiente-Spielerein unterlegt wurden. Schade, denn diese Anbiederung an den Zeitgeschmack hat Fräulein Dingding nun wirklich nicht nötig und tatsächlich gewinnt ihre Musik damit original nichts – weder an Tiefe, noch an Hörgenuß. Auch der Abschlußtrack „Qui Shang“ lässt in Punkto Kitsch nicht zu wünschen übrig.
Dennoch: hören Sie sich den genialen Titeltrack „Alive“ über die Website von Sa Dingding an – Sie werden davon begeistert sein.

http://www.sadingding.co.uk/


Various Artists:
Desert Blues 3
Network; Vertrieb: Lotus


Wir freuen uns ganz besonders unseren LeserInnen die mittlerweile dritte Veröffentlichung von „Desert Blues“ vorzustellen. Wieder ist es eine formvollendete Doppel-CD, wieder ist das Thema die Musik jener Länder, die sich die Sahara und ihrer Ausläufer teilen und wieder zeichnen sich viele der Stücke durch Ruhe, Tiefe und eine sehr irdische Schönheit aus. Ein Gutteil der MusikerInnen dürfte Ihnen bekannt sein: Souad Massi z. B., die junge Algerierin mit ihren bewegenden Liebesliedern, Tinariwen, die ehemaligen Tuareg-Rebellen, die mittlerweile als „Rolling Stones der Sahara“ bekannt sind, Rokia Traore, ein der interessantesten jungen Sängerinnen aus Mali, Amadou & Mariam, das blinde Pärchen aus Mali, deren heiße Musik seit jeher ein Garant für eine gefüllte Tanzfläche ist. Ebenfalls aus Mali je zwei Songs von Ali Farka Toure und Boubacar Traore, ersterer war und ist das Aushängeschild für Afrikanischen Blues schlechthin und auch zweiter ist eine nationale Legende, obwohl viele seiner Lieder tieftraurig sind. Dazwischen gibt es u. a., sehr meditativ, Dhafer Youssef an der Oud, die junge Berber-Rockerin Malouma mit einem ihrer tollsten Songs, dem African Blues „Yarab“ mit seinem schweren E-Gitarren-Gewitter oder Lieder der recht bekannten und nicht weniger genialen Sängerin Gigi aus Äthiopien. Stichwort „Äthiopien“ – ganz besonderen Dank gebührt den beiden Herausgebern Christian Scholze und Jean Trouillet, dass sie auch Getatchew Mekurya in ihre Sammlung aufgenommen haben. Getatchew Mekurya ist ein bereits in die Jahre gekommener äthiopischer Ausnahme-Jazz-Saxophonist, der vor zwei Jahren auf Terpe Records ein fantastisches Album mit der heftigen niederländischen Band „The Ex“ eingespielt hat. Aus diesem Album (Vertrieb für Österreich über die Extraplatte), dass zu Recht als einer der weltmusikalischen Höhepunkte der letzten Jahre bezeichnet werden darf, gibt es ebenfalls einen Song auf „Desert Blues 3“. Dazu ausführliche Liner-Notes und ästhetische Fotos.


Autor: Thomas Divis
Erstellt im Juni 2008

Für Anregungen, Kritik und Fragen erreichen Sie den Autor unter oneworldmusic@suedwind.at

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