Christa Markom/Heidi Weinhäupl: Die anderen im Schulbuch

Rassismen, Exotismen, Sexismus und Antisemitismus in österreichischen Schulbüchern

Wilhelm Braumüller 2007

„Indianer“, „Buschmänner“, „Kopfjäger“ und „Eingeborene“ tummeln sich immer noch in vielen Schulbüchern, ohne dass diese Bezeichnungen hinterfragt werden. Teilweise wird die Kolonialisierung als natürlicher Zustand der Weltordnung dargestellt, Antisemitismus einseitig den „Rechtsradikalen“ zugeordnet und der Islam als totalisierende Kraft dargestellt. Geschlechterneutrale Sprache ist immer noch nicht üblich. Rassismus wird zwar versucht, zu hinterfragen, aber zum Teil durch stereotype Abbildungen weitergegeben. Homosexualität wird mit ausufernder Sexualität gleichgesetzt und Trans- und Intersexualität weitgehend ausgeblendet. Das sind Bruchstücke der Ergebnisse einer umfassenden Studie von aktuellen Schulbüchern in Österreich durch Christa Markom und Heidi Weinhäupl. Die Studie zeigt, dass schon einiges in Richtung Auseinandersetzung mit Stereotypen in den Schulbüchern gemacht wurden, aber eine weitere Sensibilisierung von Schulbuch-AutorInnen, Lehrenden und SchülerInnen notwendig ist, um bewusstes und kritisches Denken und Handeln zu fördern.
Schülerinnen und Schüler werden von Schulbüchern geprägt, die wiederum die derzeitig gesellschaftliche Norm wiederspiegeln. Daher haben die Autorinnen eine Auswahl an Schulbüchern hergenommen und auf ihren Umgang mit Vorurteilen und Klischees gegenüber „den Anderen“ in der österreichischen Gesellschaft und üblichen Wahrnehmung der Welt anhand von konkreten Beispielen untersucht. Augenmerk legten sie dabei auf die Themen Orient und Orientalismus, Islam, Antisemitismus, Rassismus, Exotismus und Evolutionismus, die Darstellung der „Dritten Welt“ am Beispiel „Afrika“, Heterosexualität, Homosexualität und Transgender, Genderkonstruktionen und Rollenbildern. Dazu untersuchten sie die jeweiligen Kapitel von 37 verschiedenen Schulbüchern der AHS-Oberstufe für Biologie, Geografie und Geschichte.
Die Studie ist gut zu lesen, nachvollziehbar und übersichtlich strukturiert. Zu jedem Kapitel gibt es einen Exkurs zu historischen, politischen und strukturellen Zusammenhängen, die den aktuellen Diskurs erläutern. Die Autorinnen erklären ihre Herangehensweise an jedes der Themen, stellen die Analyseergebnisse verständlich dar und unterlegen sie mit Zitaten aus den Schulbüchern. Bei jedem Kapitel gibt es Good Practice-Beispiele und teilweise haben die Autorinnen selber mögliche Textvorschläge und Arbeitsaufgaben für die Schulbücher verfasst. Abschließend gibt es zu jedem Thema eine Liste von Alternativen und Kritiken, außerdem weiterführende Literatur und Weblinks.
Das Buch ist nicht nur für Lehrende wichtig zu lesen, sondern auch für jene Menschen, die selber nicht Vorurteile und Klischees weitertragen wollen, für jene, die sensibel mit Sprache umgehen und ihre eigene Haltung und Sicht auf die Welt hinterfragen wollen.

Autorin: Renate Sova

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