Galsan Tschinag: Das Menschenwild

Eine Erzählung aus dem Altai
Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 2008

Der „Gijik“, das legendäre Menschenwild, dicht behaart, mit einer primitiven Sprache versehen, raubt die junge Tuwa Hünej, eine Tochter aus wohlhabendem Hause und verschleppt sie in die einsame Weite des Altai-Gebirges.
Das ungleiche Paar kommt sich in der Isolation der Bergwelt näher.

Da Hünej keine Möglichkeit der Flucht sieht, fügt sie sich in ihr Schicksal und wendet sich dem Gijik zu. Sie versucht seien Sprache zu lernen, näht ihm Bekleidung und wird dafür von ihm mit Fleisch, Beeren und wilden Früchten versorgt. Nach einiger Zeit weist sie auch seine Annäherungen nicht mehr zurück, körüerliche Nähe entsteht und sie bekommt ein Kind von ihm. Doch der „paradiesische“ Zustand hält nicht lange an. Andere Gijiks ziehen in ihre Höhle ein und die vorsichtig aufgebaute Harmonie zerbricht, die sehr unterschiedlichen Lebensweisen von Menschen und Gijiks sind für Hünej nicht mehr erträglich. Sie flieht zu ihrem Volk zurück.
Diese Geschichte zeigt, wie einfach die menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen sind: ein gefüllter Magen, ein Dach über dem Kopf und ein bisschen Zuneigung kann selbst in der Wildnis gemeinsames Glück bedeuten. Doch auf Dauer ist es schwierig, mit den einfachen Dingen zufrieden zu sein, wenn das Gemeinsame von dem Fremden überschattet ist.
Galsan Tschinag, eigentlich Irgit Schynykbajoglu Dshurukuwaa, schöpft seine Geschichten aus den Überlieferungen und traditionellen Geschichten seines Volkes, den Tuwa, die in der westmongolischen Steppe als NomadInnen leben. Er ist Sohn einer Schamanin und ist Oberhaupt und Schamane der Tuwa. Die Beziehung zu seinem 4000 Menschen umfassenden Volk beschreibt Tschinag als ein kontinuierliches Geben und Nehmen. Er hat Germanistik in Deutschland studiert und auf den Universitäten Ulan Bators dies unterrichtet. Seine Bücher schreibt er meist auf Deutsch. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf unterstützt er die Tuwa.

Autorin: Renate Sova

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